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Kein Schweigen im WaldeHier klingelt ein Telefon, dort ist es ein Handy, drüben schallt der Fernseher und womöglich erklingt ein Radio, eine Lautsprecherdurchsage oder irgendetwas anderes. Überall wird gesprochen, gesungen, sich unterhalten oder eine andere Art der Kommunikation betrieben, welche mit Tönen verbunden ist. Und dann greift irgendjemand zu einem Roman und liest ihn. Plötzlich herrscht das zum geflügelten Wort gewordene Schweigen im Walde.

In Romanen wird nicht gesprochen. Die direkte Rede ist in Romanen nicht üblich. Interessanterweise halten sich alle Autoren strikt an dieses Prinzip der Schweigsamkeit. Mit fast schon stoischer Hartnäckigkeit verfolgen Generationen von Schriftstellern diese Art der situativen Darstellung. Kein Theaterstück, kein Film und selbst Kindergeschichten bauen sich derart auf. Warum aber in Romanen?

Als Roman gilt die Langform der Erzählung; mehr nicht. Die Definition des Unterlassens der direkten Rede ist also keineswegs zwingend. Sie wird lediglich impliziert und allerorts entsprechend aktiv umgesetzt.

Kein Schweigen im WaldeDer Autor Lutz Spilker lässt seine Figuren (Protagonisten) miteinander sprechen. Sie haben Bedürfnisse, Meinungen und Ansprüche. Sie reagieren, reflektieren und agieren mit der Sprache, über die Sprache und durch die Sprache. Das ist die Art der Kommunikation dieser Zeit. Seine Leser bescheinigen ihm, dass sich seine Bücher lesen, als säße man schon in einem Film. Es ist der Film jedes Autors, den er vor seinem inneren Auge sieht, in seinen Büchern nacherzählt, aber die Darsteller nicht mehr zu Wort kommen lässt.

Ein Buch ist kein Stummfilm, der zwischen den Szenen kommentiert werden muss, um den Zuschauer durchs Geschehen zu geleiten, als befände er sich mit verbundenen Augen in einem Labyrinth. Sich als Autor entmündigen zu lassen kann nicht der Sinn einer Klassifizierung sein, derer sich der Schriftsteller kritiklos zu unterwerfen hat. Wenn sich die Zeiten ändern, ändert sich alles mit ihnen.

Romanfiguren leben, atmen, lieben, sterben und sprechen direkt miteinander. Lutz Spilker liefert mit seinen Büchern die neue Form des Romans: die spannende Erzählung im Geschehen interessanter Charaktere mit Dialogen auf anspruchsvollem Niveau.

Lebendige Sprache mit lebendigen Figuren: das ist die zeitgemäße Erzählform, wie sie in allen Arten der Darstellung schon seit vielen Jahren praktiziert wird. Das Abschneiden alter Zöpfe war nie unmodern!

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