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Ich Promi, du nix!

Unbekannte Prominente.

Ich Promi, du nix! Es haftet so sehr im Kopf, als ob es erst Gestern passiert wäre, als Didi Hallervorden den absichtlich viel zu schnell laufenden Abspann seiner TV-Sendung kommentierte. Selbstverständlich wollen und sollen alle teilnehmenden und verantwortlichen Personen einer TV-Sendung genannt werden. Inwieweit es jedoch für den Zuschauer von Interesse ist zu wissen, wer – wie Hallervorden seinerzeit witzelte – diesen und jenen Knopf annähte, bleibt dahingestellt.

Heutzutage wären diese Leute prominent, diese „Knopfannäher“. Selbst die ehemaligen Bekannten irgendwelcher Prominenten, wähnen sich selbst als prominent, obwohl weder ihr Name, noch ihr Gesicht erkannt werden. Lediglich die Erwähnung der Person, mit der irgendwann einmal eine Beziehung bestand, rückt diese ansonsten völlig unbekannte Person ins Licht. Hier tritt die Klassifizierung der Buchstaben in Kraft.

Es ist ein Unterschied, ob man den Zusatz „bekannt aus Funk und Fernsehen“ zur wiedererkennenden Unterstützung benötigt, oder durch langjährige Arbeit im Metier und damit verbundener Medienpräsenz zu allgemeiner Popularität gelangte. Der Alltag gestaltet sich jedoch entgegengesetzt. Menschen, die vielleicht nur 2 Minuten im TV zu sehen waren, an irgendeinem Casting teilnahmen und deren Existenzen nun von Agenturen übernommen wird, tingeln durchs Land.

Und dieses Leben leuchtet für den Bruchteil einer Sekunde auf. Danach versinkt dieser „Prominente“ wieder in den Wogen der Anonymität. So ergeht es vielen. Danach streben jedoch auch viele, unterzeichnen Verträge und sind ab dieser Sekunde an die Buchstaben dieser Verträge gebunden. Einmal bekannt sein, einmal seinen Namen hören, einmal von Scheinwerfern angestrahlt werden und einmal von Publikum beklatscht werden, das nicht zuhause auf der Couch sitzt.

Die Welt trennt sich in Online und Offline.

Seit einigen Jahren wächst die Popularität jener Personen, welche lediglich aus dem Medium Internet bekannt sind. Auch dort kennt man diese Personen nicht flächendeckend, sondern nur in Verbindung mit bestimmten Portalen. Offline, also außerhalb der virtuellen Welten, sind diese Personen völlig unbekannt und eine grenzübergreifende Popularität ist kaum zu verzeichnen. Sie produzieren allerdings riesige Fangemeinden, realisieren beneidenswerte Umsätze und verkörpern irgendwie den „Star zum Anfassen“.

Diese Klickproduzenten sitzen ohne Glanz und Glimmer in quotenverwöhnten Talkshows, in hochkarätigen Interviewrunden bekannter Sendestationen oder werden zu Sachfragen als kompetente Fachleute herangezogen. Auch hier steht ein Otto Normverbraucher auf dem berühmten Schlauch und kann weder mit dem Namen, noch dem Gesicht dieser Online-Stars etwas anfangen. Es sind zugegebenermaßen Stars, die – wie jene aus dem fernen Osten – hierzulande bzw. offline völlig unbekannt sind.

Wie eine Glühbirne. Nur wenn sie brennt, fällt sie uns auf.

Diese Personen ereilt dasselbe Schicksal wie allen anderen Prominenten ebenso. Ob Schauspieler, Gesangskünstler oder Schönheitschirurg: dauerhafte Prominenz geht mit dauerhafter Leistung und dauerhafter Präsenz einher. Sich ohne dauerhafte Höchstleistung auf dem Niveau eines Weltstars zu bewegen, kommt einem Hochseilakt mit selbstmörderischen Absichten gleich. Buh-Rufe sind vernichtend und das Publikum ist gnadenlos. Nachschub liefert mittlerweile jedes Medium und sei man bloß ein Daddelkönig auf der Spielekonsole.

Aus fast jeder Show geht ein Sieger hervor und dieses Gesicht findet sich auf den Titelseiten der einschlägigen Presse wieder. Derlei Prominenz ist von kurzer Dauer, aus allen Richtungen wird an diesem Thron gezerrt. Selbst Quizgewinner erleben einen Hype um ihre Person, dabei haben sie lediglich auf oftmals knifflige Fragen geantwortet, allerdings völlig richtig.

Die wirklichen Stars sind mittlerweile unbekannt. Die wahren Stars sind die Gewinner einer Casting-Show, eines Talentwettbewerbs, einer Koch- oder Tanzshow oder eines Onlinekanals.

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