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Schreiben ist wie töpfern mit Worten.Das gesprochene Wort ist sofort hörbar, brauch- und erwiderbar. Das Geschriebene nicht. Das kann stundenlang ausgebessert, korrigiert und sonst wie geändert werden. Es ist nicht in Stein gemeißelt, solang es nicht publiziert wird. Das wird oftmals unterschätzt, wenn Autoren in Interviews nicht umgehend die Worte finden, die der Zuschauer aus den Büchern von dieser Person gewohnt ist. Autoren ringen dann nach der von ihnen gewohnten Ausdrucksweise und beginnen nicht selten verbal zu straucheln.

Stundenlang sitzen Autoren oft da, und formulieren einen einzigen Satz hin und her, bis er genau die Aussage transportiert, die ihm seinen Sinn verleiht. Auch in die restliche Umgebung eines Textes muss sich ein Satz einpassen. Der gesamte Stil soll beibehalten werden, der Charakter getroffen und vollendet werden. Und manchmal verhunzt man mit bloß einem einzigen Wort den ganzen Tag anderer. Das ist der Unterschied, und darum müssen Autoren nicht auch noch begnadeter Rhetoriker sein. Aber es wird gnadenlos von ihnen erwartet – ja sogar verlangt.

Und dann liest jemand einen solchen ausformulierten Text. Niemals wird deutlich, dass das Zustandekommen nicht annähernd so flüssig war, wie es sich dann lesen lässt. Plötzlich greifen die Worte ineinander, wie die Zahnräder eines Uhrwerks, und bilden insgesamt ein kompaktes Element. Je komplexer und je raffinierter sich diese Strukturen darstellen, desto faszinierter ist der Leser, ohne es in dieser Form überhaupt zu bemerken.

Ein Autor kann etwas entstehen lassen, und es während dieses Prozesses komplett ändern, und gestalterisch beeinflussen. Und wenn es dann fertig und in der Lage ist andere ebenso zu begeistern, dann erst ist es gut. Schlägt ein Bildhauer falsch zu, ist das ganze Werk zerstört. Ein Töpfer kann demzufolge aktive Schadensbegrenzung praktizieren, und bei Autoren ist es ebenso.

Schreiben ist wie töpfern mit Worten.Einen Film niederzuschreiben, der sich gerade im Kopf abspielt, eine spannende Handlung verspricht, den Leser an die Hand nimmt, um ihn an dieser Geschichte teilhaben und mitfiebern und ihn ein Teil des Ganzen werden zu lassen – das ist die wahre Geschichte, und dafür schlagen die Herzen vieler Autoren. Den Nerv der Zeit und die Wünsche des Lesers obendrein zu treffen, obliegt allerdings den Wenigsten.

Die meisten guten Autoren und deren Werke wurden erst nach ihrem Ableben bekannt.

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