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Ein entschiedenes Vielleicht…Sollte man in früheren Zeiten nach Immanuel Kants Ansinnen noch imperativ und kategorisch handeln, so erfährt der Meinungsinhaber dieser Tage völlig andere Schwingungen. Flexibel muss man sein, und allein schon darum in keiner Weise meinungsstabil. Gemäß Konrad Adenauers Lieblingsmotto Wat jeht misch mein dummet Jeschwätz von jestern an? agiert der politisch ambitionierte Flügelstürmer von Heute.

Selbst zu Zeiten eines Wilhelm Hauff oder auch der Brüder Grimm, lag die persönliche Meinung nicht als schiere Spekulation herum, sondern geriet erst in Märchen zu wahrem Ruhm. Zuvor schon begeisterte der adelige Herr von Münchhausen mit haarsträubenden Erzählungen der Marke Eigenbau. Zu keiner Zeit jedoch standen derlei Räuberpistolen unter politischem Einfluss; weder gewollt noch vordergründig.

Auch scherten sich die Seemannsgarnspinner vergangener Epochen kaum um die Opfer ihrer sagenhaften Dichtungen: Jeder war Manns genug, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Das allerdings änderte sich mit der Zeit.

Heutzutage irrt niemand mehr orientierungslos im Dschungel der frei zu bildenden Meinungen umher. Wer umzufallen droht, erfährt den festen Griff einer helfenden Hand, die mal von links, mal von rechts oder in letzter Sekunde auch von oben gereicht werden kann. Jeder Schwächelnde wird populistisch versorgt, und hat ein Recht darauf – selbst gegen seinen Willen.

Ein Verband da, ein Pflaster hier, eine Schiene dort, und eine Tablette gegen alle möglichen Wirkungen.

Heilung wird nicht erwartet, damit lässt man sich Zeit. Dem Unbekannten im Beichtstuhl will schließlich auch noch etwas zuteil werden. Zweifel, Kritik, Denkvermögen und nicht zuletzt die Kraft der tatsächlichen Überzeugung befinden sich im Vorruhestand.

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