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Wissen to go – Google & Co.„Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht.“ So lautet zumindest eine Parole, die gerne gesungen wird. Wäre es das Motto einer Partei, besäße sie die Mehrheit. Alles zu wissen ist auch nicht jedermanns Wunsch. Einiges wäre allerdings schon wünschenswert und das bekommt der junge Mensch in der Schule beigebracht. Hierzulande ist also der Besuch einer Schule nicht nur erwünscht, sondern Pflicht: Schulpflicht.

Ist der Mensch ein Warm- oder Kaltblüter und warum. Der Fifty-Fifty-Joker ist hier also nicht der Trumpf, wenn die Begründung in die Binsen geht. Wie heißt die Hauptstadt von Bulgarien und wo fließen Milch und Honig? All das (und noch viel mehr) hat man irgendwann einmal in der Schule gelernt und damit hat sichs. Basta! Stünden all diese Dinge jedoch in einer Küche als Grundelemente nicht mehr zur Verfügung, würden Pfeffer, Salz und Co. aufgefüllt werden müssen. Vieles schmeckt ohne Salz richtig gemein.

Fehlt eine Information, blätterte man früher in dicken Büchern und wälzte sich durch Bibliotheken, befragte Gott und die Welt oder ignorierte den Zustand. Heutzutage ist es erheblich einfacher, diese Defizite zu kaschieren und man ist mit seinem Wissen stets auf dem aktuellen Stand. Oftmals ist man sogar derart aktuell, dass der Gegenüber daran zu zweifeln beginnt, weil sein Wissensstand mit dem Läuten der letzten Schulstunde besiegelt wurde. Und oftmals wird in Schulen etwas gelehrt, was schon lange nicht mehr den Standard erfüllt.

Nicht selten konfrontieren Kinder ihre Eltern mit Ergebnissen, die stark von denen abweichen, welche Eltern bei selbiger Aufgabenstellung nennen würden. Wer hat jetzt recht? Ein Griff zum Smartphone beschert flugs die Lösung. Unzählige Datenbanken und allen voraus Wikipedia bieten ihre Dienste in Sachen Wissen an und das zum Nulltarif. Da freut sich der User. Ein geübter Blick auf Datum und Herkunft der Information zeigt klar an: Auf diese Info ist Verlass.

schule_wissen_to_goDas Smartphone ist ständig dabei. Das ist „Wissen to go!“ Macht es den Besuch einer Schule künftig überflüssig? Wohl eher nicht, denn auf die wirklichen Grundelemente sollte niemand verzichten und die heißen dann nicht Salz und Pfeffer, sondern Lesen und Schreiben. Ein Smartphone will beherrscht werden und das kann nur jemand, der diese beiden Kommunikationsmittel beherrscht. Dass eins plus eins zwei ergeben, lernt man später auch noch.

Erstaunlich ist jedenfalls, dass einige Menschen der Ansicht sind, mit Erreichen eines gewissen Alters aus dem Schneider zu sein. Hier verlässt man sich gerne auf die Tatsache alles beantwortet zu haben, wonach gefragt wurde mit dem Spruch „das habe ich irgendwann mal in der Schule gelernt“. Ein gewinnendes Lächeln als Ausdruck des Vertrauens stellt das Sahnehäubchen dar und das Gewissen ist rein, der Puls wieder normal in die neugierigen Blicke der Kinder befriedigt.

Wäre da nicht noch der aufdringliche und gänzlich starrende Blick dieses elenden Gegenübers, könnte man sich grinsend aus der Nummer stehlen. Sind Menschen Warm- oder Kaltblüter und warum sind sie eines von beiden. Physik? Biologie? Zoologie? Baumarkt? Warum fragt niemand nach dem Unterschied zwischen einem Öltanker und einem Tapeziertisch? Warum machen Menschen alles so fürchterlich kompliziert? Selbst ein Schachbrett ist sauber aufgeteilt in bloß 64 Felder, also zwei hoch 6. Und in bloß zwei Farben, nämlich schwarz und weiß, also ein Bit. Ja, die Leute damals waren clever und wussten es gar nicht.

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