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Fernsehen war fester Bestandteil des TagesablaufsFrüher jedenfalls oder wie es immer häufiger klingt „zu meiner Zeit“. „Mr. Ed“, das sprechende Pferd und „Am Fuß der blauen Berge“, „Sprung aus den Wolken“ selbst das Sandmännchen gaben dem Tag einen runden Abschluss oder Inhalt. Tiere waren ohnehin der Renner in der Röhre, wenn Fury, Flipper und Lassie erschienen, versank der Rest der Welt im Nebel.

Wenn Shannon aufklärte, saßen wir still und gebannt, staunend und immer wieder überwältigt vor der Mattscheibe. Die seinerzeitigen Detektive fuhren keine zerbeulten Karren, trugen Glenncheck statt Netzhemd, kauten nicht auf Zahnstochern herum und waren rasiert. Selbst Mel Brooks ließ es sich nicht nehmen, seinen Superhelden Maxwell Smart mit diesen Attributen auszustaffieren.

Es waren Charaktere, mit denen man sich identifizieren konnte und gerne ein Mitglied dieser Familie oder jener Gemeinschaft sein wollte, in der sich die Serie oder die Handlung abspielte. „Hucky und seine Freunde“ waren zwar Zeichentrickfiguren und auch Kollege Sandmann war nicht echt, aber irgendwie doch. Lange bevor „Kommissar Rex“ die Wiener Bezirke inspizierte, gewann „Rin Tin Tin“ die Herzen der Zuschauer und war ebenso ein Schäferhund.

Helden waren heldenhaft.

Wurde eine so genannte „heile Welt“ vorgegaukelt? Ich denke nicht. Es wurde auch geschossen und sich geprügelt, aber es war nicht das Zentrum des Geschehens, nicht das Ziel der Handlung und nicht die absehbar einzige Lösung. Das Wort „Action“ wurde noch mit einem „k“ geschrieben und niemand würde behaupten wollen, dass die Zeit damals langweilig gewesen war.

Man hatte seinen Stundenplan für die Schule im Kopf und auch der Stundenplan fürs fernsehen war ständig präsent. Man fachsimpelte am Folgetag mit Gleichgesinnten über die letzte Sendung und identifizierte sich mit Tarzan, Tibor oder mit Zorro. Jeder hatte seine Favoriten und jeder musste irgendwann nach Hause, um pünktlich vor der Flimmerkiste zu sitzen. Eine verpasste Sendung war und blieb eine verpasste Sendung.

Aufzeichnungsmöglichkeit wie z. B. Video gab es noch lange nicht. Ein defektes TV-Gerät hätte Panik ausgelöst und Gründe für einen Einbruch beim Nachbarn geliefert. Die Fernseher gestalteten sich eher wie ein Möbelstück und ergänzten den Raum mit sich selbst. Nicht selten stellte man Vasen oder gar Blumentöpfe oben drauf und ein selbstgehäkeltes Deckchen unterband Kratzspuren.

Wasser lief beim Blumengießen gerne seine eigenen Wege und der elektrische Strom wurde für die Dauer der botanisch erforderlichen Beregnung nicht extra ausgeschaltet. Man ging etwas robuster mit der Situation und den Gegebenheiten um, Scheu oder Angst, waren dahingehend nicht verbreitet. Das Fernsehgerät besaß auch gerne ein eigenes zuhause in Form eines kleinen Schranks, bei dem sich vorne die Türen schließen und verriegeln ließen.

Zum einen schützte man das Gerät durch das Zuklappen der Türen vor sich heimlich heranpirschenden und unbemannten Staubsaugern und deren Gefahren und zum anderen schloss man den kleinen Fernsehschrank ab, um Kindern einen planlosen Zugriff zu verweigern. Ja, fernsehen wurde eingeteilt. Einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer besaß nicht nur niemand, sondern es besaß auch niemand einen Gedanken daran. Sätze wie „wenn ich mal groß (erwachsen) bin, gucke ich so lange fern, wie es mir passt…“ hörte man nie. Der Fernseher zog zwar mehr und mehr in die Haushalte ein, wurde bezahlbar und bot Kurzweil nebst Abwechselung, aber er regierte nicht den Tagesablauf, schob sich nicht in den Vordergrund und kam mit überschaubarem Programmangebot daher.

Stanley Beamish war auch ohne 3D-Technik zum brüllen komisch, wenn er gegen eine Wand bretterte, anstatt das geöffnete Fenster zum landen zu nutzen. Die Tagesschau mit Karl-Heinz Köpcke entwickelte sich bei vielen Leuten ebenso zum jahrelangen Begleiter, wie die Sportschau mit Addi Furler.

Gluck gluck, weg war er…

Mike Nelson alias Lloyd Bridges war nicht nur Taucher in der Serie „Abenteuer unter Wasser“ sondern animierte ganze Generationen zu obigem Spruch (Gluck gluck, weg war er.) der wahrscheinlich ebenso wenig Realexistenz besaß, wie „Harry, hol’ schon mal den Wagen!“. Was manchmal ein wenig futuristisch erschien, waren die Fluggeräte des Sandmännchens. Alles andere erschien völlig glaubhaft.

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