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Tausche Gaumenfreuden gegen SandmännchenAls geduldeter Mitbewohner eines Stubentigers weiß man, dass die Auswahl und Geschmacksvarianten der Katzennahrungsmittelhersteller schier unerschöpflich zu sein scheinen. Kilometerlange Regalgänge erstrecken sich in den Geschäften, die selbst von den dort Beschäftigten, nur noch mittels eines Tretrollers und ausreichend Proviant absolviert werden.

Der Besuch eines Damenschuhgeschäfts wirkt dagegen schon langweilig, was die Vielfalt angeht. Als Unbeteiligter ist das Erstaunen jedenfalls riesig, warum nicht zuletzt die Frage entsteht, ob eine derartige Vielfältigkeit auch Sinn macht. Die dann erfolgende Antwort ist kaum zu glauben, aber dem Gaumen wird es langweilig und Vielfalt unterbindet dieses Verhalten. Potzblitz – Katzengaumen sind verwöhnt und benötigen abwechslungsreiches Futter als Pausenclown für den Geschmackssinn.

Professionelle und auf Geschwindigkeit gedrillte Esser wissen es genau: Wer langsam isst langweilt nicht nur seinen Gaumen, sondern verliert obendrein das Turnier!

Fährt man nun unter Zuhilfenahme Darwin’scher Einflüsse die Evolutionstrecke rückwärts, so kommt man irgendwann an die Weggabelung der Trennung. Dort also, wo sich aus dem Ast der Säugetiere der Mensch von den Katzen trennte. Gottlob ist das geschehen, sonst könnten Katzen womöglich sprechen und das wäre nicht zu jeder Sekunde willkommen. Vielleicht könnten sie sogar schreiben und übergäben ihre Wünsche schriftlich und in Form eines Einkaufszettels, was in ihrem Napf zu landen hat und was nicht.

So ein Einkauf, der sich lediglich auf felltragende Vierbeiner mit unerbittlichem Herrscheranspruch beschränkt, kann gut und gerne den Preis eines hochseetauglichen Öltankers erreichen, wenn man sich nicht bremsen kann. Da sind alleine die Döschen und dann kommen die Knusperlies mit Huhn oder wahlweise mit Lamm und die Stängelchen in 4 verschiedenen Sorten und die Denta-Tra-la-las und die mit Käse gefüllten Snacks, die auch Opa so gerne beim Fernsehen knabbert. Und dann käme das Regal gegenüber dran.

Im Gegensatz zum Menschen weiß ein Tier, wann es satt ist und beendet schlagartig die Nahrungsaufnahme. Selbst glückliche Kühe wissen es. Die Korrespondenz des Glücks über die 4 ist hier unverkennbar. 4-blättrige Kleeblätter bringen Glück; Kühe besitzen 4 Mägen – jetzt versteht man wo das Glück zuhause ist. Und Katzen besitzen immerhin 4 Beine und lassen ihren Napf umgehend links liegen, wenn sie satt sind. Menschen nicht.

Menschen werden unter Androhung übelster Foltermethoden schon von Kindesbeinen an dazu gezwungen, das Sättigungssignal mit Ignoranz zu strafen, um unbekümmert weiter zu essen. Hier gilt es den Teller aufzuessen. Ihn leer zu essen ist zwar die bekömmlichere und materialschonende Variante, dennoch entspricht sie nicht den anerkannten und ernährungstechnischen Errungenschaften der Neuzeit.

Allein die Aussage, dass sich aufgrund des Zustandes eines x-beliebigen Tellers das Wetter des nächsten Tages ändert, beeinflusst einen jungen Menschen stark und dennoch überlebt man es einigermaßen schadenfrei. Nicht in einem einzigen Moment zaudert der Nachhilfeesser und erfragt die Hintergründe. Wer erteilt dem Wetter Auskunft über den augenblicklichen Zustand irgendeines Tellers und wie stellt das Wetter fest, dass es sich bei dieser Aussage nicht um ein schnödes Gerücht handelt, dem man gar keinen Glauben zuteil werden lassen sollte. Wettervorhersagen sind ohnedies schon oft genug waghalsigen Charakters.

Die eher konvexe Erscheinung der »Weather Girls« lässt somit vermuten, dass sie ihren Teller stets brav aufaßen und sie als witterungsaffine Belohnung, Männer regnen lassen durften.

Bei anderen steht das Sandmännchen als Ziel der Vertilgungskorruption an erster Stelle. Wird die Platte leer geputzt, darf man die 14-millionste Folge von Sandmännchen schauen. Wehe die Sendezeiten würden geändert, dann brechen Dämme. Der Name will schon darauf hinweisen, dass es sich um einen, nie wirklich ausgewachsenen Mann handelt. Hieße der Hüter der Gutenachtgeschichten »Sandmann«, so könnte vielleicht ein Kiesgrubendealer hinter diesem Decknamen lauern.

Aber Männchen klingt nicht nur vertrauenerweckender, sondern auch klein und gleichsam etwas hilfebedürftig. Freundlich, wohlwollend und stets bester Laune kommt er daher. Er hat viele Fans, zugeben würde es jedoch niemand. Erstaunlich ist es daher, dass man einem solch mickrigen Kerlchen so viel Last aufbürdet. „Wenn du deinen Teller nicht aufisst, fällt das Sandmännchen für dich ins Wasser..!“

Eltern sind aber auch grausam zu ihrem Nachwuchs. Zuerst zwingen sie das Kind zum Errichten eines statisch einwandfreien Fundaments für ein Leben als künftig Übergewichtiger, der das naturgegebene Sättigungsgefühl nicht mehr wahrnimmt und zum Zweiten drohen sie ihrer eigenen Brut mit der schlafraubenden Gewissensplage, schuldig sein zu können, wenn das Sandmännchen den Ertrinkungstod erleidet. Das kann nicht human sein und sollte umgehend Einzug in die »Genfer Konventionen« unter der Rubrik »verbotene Folterszenarien« finden.

Rein forschungstechnisch böte das Sandmännchen Unmengen an Reservoir. So sind die Wachstumszyklen von Hühneraugen älterer Personen erheblich intensiver dokumentiert worden, als beispielsweise der Dialekt des Sandmännchens. Spricht es überhaupt und falls JA worüber? Erklärt sich das Sandmännchen womöglich mit Katzen solidarisch und schweigt dauerhaft? Jedenfalls macht es Kinder froh und das nicht erst seit letzter Woche.

Auf dem Boden, auf dem Sessel oder auf dem Sofa sitzen sie dann mit rundem Bauch und verfolgen die Abenteuer besagten Feinkieseigners von kleinwüchsigem Format. Ihnen ist speiübel zumute und nur eine Dampferfahrt nach Übersee schafft ebensolche grünen Gesichter, wenn manche an der Reling stehen und in die Wogen brüllen. Kein Kind kann sagen, ob der Gedanke ans kommende Abendessen oder der Gedanke an die nächste Sandmännchen-Sendung mehr Freude erzeugt. Ungeachtet dessen nimmt man offensichtlich das vorübergehende Unwohlsein in Kauf.

Je älter der Mensch wird, desto klaffender wird die Distanz zum einst so beliebten Sandmännchen. Aber die Krümel im Auge eines Erwachenden bringen die Verdrängung ohne Umweg zurück und das Sandmännchen ist plötzlich wieder gegenwärtig, wenn auch nur für wenige Sekunden. Seltsamerweise besitzt das Sandmännchen keine Freunde und hätte es welche, dürften die auch nicht größer sein als jene aus der Playmobil-Truppe. Es hat auch keine Gehilfen, keine Frau und scheinbar auch keinen Kohldampf, denn essen sieht man es noch nie.

Bildquelle: © by http://www.peppitext.de/Gemischt/9sandmann.gif

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