Feed on
Posts
Comments

Glaube, zweifle aber glaubeMenschen hängen sehr an sich und somit an ihrem Leben. Der Mensch, das Lebewesen mit der Lizenz zum Bewusstsein, will sich auch in Zukunft sehen. Die Dreidimensionalität der Physik wird temporärer Natur und der theologisch klerikalen Dreifaltigkeit wird einmal mehr Vorschub geleistet. Der so erzogene Mensch aktiviert sein Bewusstsein, beugt sein Haupt und glaubt.

An was glaubt er? An die Auferstehung, das ewige Leben, das Paradies und andere, recht zweifelhafte, jedoch angenehme Situationen, die den Lehren der Naturwissenschaften mit jeder Silbe Lügen strafen. Allein der Glaube oder die Hoffnung auf das ewige Leben zeigt auf, dass selbst ausgezeichnete Christen zeitlebens Dinge horten, der eher an den gentechnisch bedingten Sammler in uns allen erinnert.

Menschen haben Probleme damit, sich von Dingen zu trennen. Es ist geografisch bedingt, denn mancherorts existiert nichts, was sich zu sammeln eignet. Stapel von Zeitungen, bis unter die Zimmerdecke. Einer neben dem anderen, wie die Wolkenkratzer in New York. Modernde, teilweise schon zerschlissene und jahrelang getragene, scheinbar einer karitativen Alt-Kleidersammlung entnommene Garderobe der vergangenen Mode-Epochen, türmt sich in jedem Raum.

Wozu besitzen manche Menschen einen Keller und wozu spricht man vernehmbar und verständlich von Mülltrennung und warum positioniert man für sehr viel Geld vor den Wohnhäusern Abfallbeseitigungsbehälter in allen Farben, wenn diese letztendlich und von einigen Zeitgenossen, mehr als deutlich ignoriert werden? Ist es mehr als nur das, was das Auge wahrnimmt? Ist es ein Ritual, ein sich der Allgemeinheit noch nicht erschlossener Glaube? Ein Aberglaube?

Wozu sammeln, wenn man den ganzen Krims-Krams eh nicht mitnehmen kann und diese gott-weiß-wo keinen Wert und keine Bedeutung besitzen?

Selbst die Ägypter zu Zeiten des Pyramidenbaus legten den Toten (Königen) wertvolle Utensilien ins Grab, damit diese in ihrer neuen Welt, bzw. in ihrem neuen Leben nicht „ohne“ da standen, bzw. ankamen. Aus heutiger Sicht weiß man, dass es sich um ein völlig überflüssiges Unterfangen handelte und lediglich Grabräuber schuf. Menschen ritualisieren jedoch mit Vorliebe. Kaum eine Situation wird ausgelassen, in der nicht irgendein (alter) Brauch vollführt wird.

Sind es da die Geburtstage, sind es anderswo die Namenstage. Man denkt an jemanden, bedenkt oder gedenkt. Menschen bekreuzigen sich, selbst bei oder vor sportiv zu erbringenden Leistungen. Man sagt sich Sprüchlein auf, bringt Kindern ein Gebet bei, welches zu den Mahlzeiten oder vor dem Zubettgehen aufgesagt wird. Man hängt sich einen sogenannten Glücksbringer um und wenn etwas schief geht, steht der Verantwortliche schon (vorher) fest.

Irgendwas oder irgendjemanden für etwas verantwortlich machen zu können, ist also von Bedeutung, denn nichts passiert schließlich ohne Plan. Sagt man z.B. in der Geschäftswelt jeden Morgen vor dem Aus-dem-Haus-gehen sein Sprüchlein auf und der Tag verläuft dennoch negativ, so ändert man den Spruch, denn die bisherigen Zeilen brachten nicht das gewünschte Ergebnis. Geht man zu Bett und vergisst zu beten, träumt wunderlich und Grausames, so trägt das unterschlagende Gebet daran Schuld.

Geht das Haus in Flammen auf und man vergaß es zu versichern, müsste man sich selbst in Richtung Sitzfläche treten, käme man bloß besser dran.

Da Häuser jedoch eher selten zu brennen beginnen, ist eine Absicherung nicht immer erforderlich. Menschen haben Angst und sich diese Angst zunutzen zu machen, ist ein Geschäft. Menschen durchbohren sich selbst und freiwillig ihre Haut. Wozu? Menschen quälen sich kilometerlang auf Knien einem Ziel entgegen. Wozu?

Menschen glauben nicht nur an Angst, sie glauben auch an Glück. Wer glücklich ist, lebt besser? Besser als wer oder was? Wer glücklich ist, lebt länger? Länger als wer oder was? Hat mehr vom Leben? Mehr als wer oder was? Glück ist ein Begriff und eher abstrakt. Was bedeutet Glück? Im Lotto zu gewinnen und viel Geld zu besitzen etwa? Dieser Analogie nach, wären alle Reichen glücklich. Ist dem so? Nein. Also ist Glück etwas, was nichts mit Geld zu tun hat? Bestimmt.

Der Harnisch eines Ritters als Zeichen seines Standes und zum Schutz seiner Person. So kennt man es aus Filmen, so sieht man es immer wieder. Um sich zu schützen hätte der Rittersmann auch einen Spruch aufsagen können. Es wäre erheblich bequemer und transportabler gewesen. Ändern sich gewisse Rituale mit der Zeit? Zu hoffen wäre es in jeder Form.

Man stelle sich eine Person vor, die sich containerweise mit Müll umgibt, allerdings in einer Umgebung wohnt, wie man sie als Wohnung von Bruce Willis aus dem Film „Das 5. Element“ her kennt. Kein Platz. Hier spräche der Hausmeister ein Wörtchen mit. Lassen sich Rituale und mit Bräuchen beinhaltete Situationen demnach nur bedingt ausbreiten? Zumindest jedoch kulturell bedingt. In den Slums von Kalkutta lebt man schon im Müll. Darüber hinaus welchen innerhalb des noch verbleibenden Wohnraums zu sammeln, macht keinen Sinn.

Wasser in den Rhein tragen, hieße ein Sprichwort, welches dazu geliefert würde. Ein „Elfmeter“ trifft ins Tor oder wird gehalten. An der Bekreuzigung des ausführenden Spielers liegt es wohl kaum. Es ihm auszureden wäre vergebens. Menschen tragen gerne Ketten, dennoch sie keine Sklaven sind. Menschen beten und sagen Formeln des Glücks, des Reichtums und mit ein wenig Ausdauer auch der Gesundheit auf.

Menschen stellen sich zu gewissen Anlässen Pflanzen in bestimmte Behältnisse, bereiten Speisen zu, die nur in solchen Situationen zu sich genommen werden und füttern ihre Ängste, es könnte sich irgendwann zum Nachteil beweisen. Rituale und situationsbedingte Verhaltensmuster geraten in die Erziehung; werden gelehrt und vererbt. Sie durchleben etliche Generationen und werden irgendwann als Tatsache, als Wahrheit, als Immer-schon-Dagewesenes betrachtet.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: