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Die und die anderen

Die und die anderenBei Vielen existiert das seltsame Gefühl, dass einige Menschen lediglich das ausnutzen, wofür sie selbst keine Leistung erbrachten. Sich als Nachkomme zu präsentieren, entspricht keiner selbst absolvierten Aktion. Der Sohn, die Tochter oder schlechthin der Nachfahre eines Gepeinigten, womöglich noch eines Bekannten zu sein, entspricht niemandes Verdienst. Dieses Unterfangen gilt im positiven, wie auch im negativen Sinn.

Auch hätten sich Nachkommen einer geschichtlichen Person nicht des Namens zu schämen, den sie nur deshalb tragen, weil ihr Vorfahre so hieß. Niemand suchte sich seine Vorfahren aus. Niemand wird gefragt, ob er überhaupt geboren werden will und welchen Namen er dann tragen will. Gehört man nach der Geburt einem Stamm an, einer kulturellen Vereinigung, einer geheimen Sekte oder ist man automatisch ein Mitglied eines Geheimbundes? Wer ist man, wer wird man und wo und wann findet das alles statt?

Betrachtet man Schwarze, so scheint es lediglich 2 Sorten zu geben. Die einen leiden in Afrika an Hunger und die anderen sind in Amerika der Sklaverei entkommen. Vom Rest dieser Menschen wird nicht berichtet. Sie existieren offensichtlich nicht, sind nicht erwähnenswert und in keiner Weise lukrativ. Alleine der dunkelhäutige ältere Herr auf der Reispackung löste Konflikte und nicht enden wollende Diskussionen aus. Schwarze Haut erscheint dann aber auf dem Siegertreppchen in der Leichtathletik, im Motorsport erheblich seltener oder gar nicht.

Einen schwarzen Formel1-Piloten wird es bestimmt irgendwann geben. Vor etlichen Jahren war die Vorstellung, dass es in den USA einen schwarzen Präsidenten geben wird, reine Utopie. Es existieren viele Begriffe, die mit Schwarzen assoziiert werden. Aber es sind nicht nur die Schwarzen, deren Verdienst es nicht ist schwarz zu sein. Es ist auch nicht das Schicksal und es ist nicht stets die Art Belastung, wie man sie andernorts erfährt. Es ist keine Gnade und es nicht keine Schande. Es ist keine Strafe und es ist niemandes Verdienst.

Und die, denen man alles nahm, was ist mit denen? Selbst der Name, den man ihnen gab und der die Jahrhunderte und unzählige Buchseiten füllte, war falsch. Aufgrund der Annahme Indien erreicht zu haben, ward der Name fürderhin Indianer und von nun an die Bezeichnung der amerikanischen Ureinwohner und tatsächlichen Siedler. Feuerwasser trinken sie gern. Lasen es nicht Millionen junger wie auch älterer Menschen weltweit? Nicht nur Karl May berichtete auf Hunderten von Buchseiten von Indianern, viele taten es und tun es heute noch. Sie leben in Zelten und haben eine rote Haut, sagt man. Sie jagen den Büffel und bemalen ihre Gesichter, sagt man. Sie bellen wie Hunde und formen mit der Hand diese Laute am Mund, sagt man.

Man rottete sie in Reservate zusammen, damit sie unter sich sind, hört man. Für einige wenige Dollar und einige wenige Klumpen Gold, luchste man ihnen Stück für Stück ihr eigenes und somit das gesamte Land ab, welches sich nun die Vereinigten Staaten von Amerika nennt. Die Kinder und Kindeskinder schimpfen immer noch auf die Regierung und ihre Stimmen schallen laut ins Land. Sie wurden abgefunden, sind reiche Leute geworden aber laut sind sie und unbequem, weil man ihre Vorfahren übervorteilte. Nicht sie selbst sind betroffen, sie haben nur davon gehört, ihnen wurde lediglich davon berichtet, sie wurden darüber informiert, aber sie selbst trifft es nicht und betraf es nie.

In Europa traten Änderungen gerne ihren Dienst an. Europa war scheinbar schon immer das Zentrum des Geschehens. Herrscher kamen und gingen. Eine Eroberung folgte auf die nächste und keine schien das Finale auszurufen. Das Dritte Reich stand plötzlich da und zeigte der Welt seine hässliche Grimasse. Reservate entstanden. Konzentrationslager nannte man sie. Menschen wurden dort auf grausamste Art um ihr Leben gebracht. Juden waren die Opfer und es waren viele, die dort ihr Leben ließen. Und auch in dieser Hinsicht scheint es nur 2 Sorten Juden zu geben. Diejenigen, die den Holocaust überlebten und die anderen.

Das seitens der Nachkommen der amerikanischen Ureinwohner bekannte Verhalten, passiert bei den Kindern und Kindeskindern der Juden, welche mit dem Holocaust Kontakt hatten, offensichtlich analog, aber erheblich lauter und erheblich vorwurfsvoller. Nicht nur Juden, auch Roma und Sinti, damals Zigeuner genannt, fielen dem Massaker zum Opfer.

Generell schien im Dritten Reich das Ausrotten sogenannter »minderwertiger Rassen« zum eigenen Thema zu werden. Dieser Analogie folgend, müssten alle Nachfahren permanent irgendetwas fortsetzen, was irgendwann begonnen wurde, oder postum belegt werden müsste. Entweder man belegt diese Dinge mit Hass, Wut, Groll, Häme oder mit Liebe, Zuneigung, Vertrauen oder Wohlwollen, selbst in diesem Tun scheint kein Regler für das Einstellen eines Modus vivendi vorhanden zu sein. Das Volk der Juden spielte nicht nur im Dritten Reich eine besondere Rolle, sondern in der gesamten Historie. Unverständlich dabei erscheint jedoch, der sich ständig selbst entzündende und offensichtlich nicht enden wollende Groll. Angesichts der Geburtsdaten einiger dieser zornigen Zeitgenossen, ist eine persönliche Betroffenheit hinsichtlich der Geschehnisse mit Juden im Dritten Reich keinesfalls gegeben. Mit welchem Anspruch und mit welcher Berechtigung dann agiert wird, gestaltet sich recht fragwürdig. Hier ist kein direkter Bezug erkennbar und das Gefühl sich als Mittel zum Zweck darzustellen, drängt sich geradezu auf.

Deutschland als gescholtene Nation, welche von einer Art besonderer Gremien in Form diverser Räte begutachtet, oder inspiziert werden müsste? Auch hier wird deutlich, dass es niemandes Verdienst ist, sich permanent erheben und richten zu dürfen, nur weil das Dritte Reich existierte. Schwarze bleiben schwarz und amerikanische Ureinwohner bleiben ebenfalls das, was sie sind. Keiner kann oder will seine Abstammung leugnen. In Deutschland hingegen und in keinem anderen Land wird es deutlicher, demagogieren Menschen, deren Ansprüche mangels persönlicher Betroffenheit nicht klar erkennbar werden.

Junge Leute, denen die Nachwehen des zweiten Weltkrieg, bzw. des Dritten Reichs unbekannt sind, fragen sich, wer diese Personen sind, die da von Judenhass und Vergasung, von Deportation und von Arbeitslagern sprechen, die sie selbst nie erlebten. Die, die heute noch so tun, als ob der Holocaust erst gestern stattgefunden hätte. Ja, sie sind durch die Tore gegangen und über ihren Köpfen stand heute wie damals als Beweis maximalen Zynismus’ zu lesen, dass Arbeit frei macht. Sie haben sie gesehen, die Gaskammern, die ausgehobenen Gruben, welche als Massengrab dienten und die Räume mit den Pritschen. Gesehen haben es viele. Teils auf Bildern und teils als Touristenattraktion, aber erlebt hat es von diesen Leuten niemand.

Unverständnis in den Gesichtern derer, die keine Ansprüche und keine fragwürdigen Verdienste vorbringen und nicht das Schicksal einer längst verstorbenen Generation zum Alibi des eigenen Handelns verbiegen. Stellte man einige Personen »rein netto« dar, bliebe von ihnen nichts mehr übrig. Sie würden in der Masse verschwinden wie Millionen andere es auch und ohne Kommentar tun.

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