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Und für wen..?

Und für wen..?Für wen macht man das alles? Für wen schafft man sich den Buckel krumm? Für wen hat man jahrelang die Schulbank gedrückt, dies und jenes veranstaltet, sich zum Affen gemacht und noch und nöcher? Antworten will man keine, man fragt das Universum, die Götter oder im Notfall den Frisör. Dramatisch muss es klingen, theatralisch und monumental kommt es irgendwann aus einem heraus, die Frage nach dem Überhaupt und dem Warum.

Häuser werden gebaut, damit es die Kinder erben und man zwischendrin 47 Millionen Mal fragen kann, für wen man das alles und überhaupt macht.

Mit stark zittriger Stimme und man ging extra in den Wald um zu üben, stellt man sich hin wie Atlas, der unter der Bürde droht zusammenzubrechen, es final betrachtet aber nicht dazu kommen lässt, blickt man nach oben ins Nichts und kündigt schon allein durch dieses Vorspiel den Hauptakt an, der die Worte „und für wen“ beinhaltet, und den Rest drum herum wie verwelkte Blumen erscheinen lassen will.

Alles Umherstehende scheint einzufrieren und der Ernüchterung der Szenerie entgegenzufiebern. Kein Vorhang, kein Applaus, aber eine meisterhafte Vorstellung; mal wieder. Einmal ist es das Haus, dann ist es die Schule, die Universität oder die Ausbildung, der Führerschein oder der Partner eines Kindes.

Und irgendwie schafft man es immer wieder, dem anderen ein gewisses Schuldgefühl als Päckchen mitzugeben und die ehernen Worte „… und wofür mache ich das hier alles…“ ins Weltall zu schleudern.

Wer wurde denn schon vor seiner Geburt gefragt, ob er auf diese Welt kommen möchte um dort zu leben? Niemand. Genau. Also soll sich doch der, der letztendlich für die Situation verantwortlich ist, sich mit dieser anfreunden und zwar schon im Vorhinein. Man nennt das Familienplanung.

Niemand wird plötzlich schwanger. „9 Monate“ sind nicht „plötzlich“ und sexuelle Handlungen zwischen geschlechtsreifen Mitteleuropäern sind nicht als Planung einer Familie zu verstehen. Die Anschaffung eines neuen Autos, der Bau eines Hauses und selbst der Urlaub unterliegen einer aufwändigeren Planung als es dem (gewünschten) Nachwuchs zugeteilt wird.

Wer kann schon ohne rot zu werden von sich behaupten, man wäre ein Wunschkind. Man spricht von Traumautos, Traumhäusern und Traumpartnern. Von Traumkindern spricht man eher weniger. Ein ganzes Leben kann gerne 100 Jahre dauern. In dem Bewusstsein, gar nicht er- oder ge-wünscht (worden) zu sein, können 10 Dekaden zur Achterbahnfahrt werden, wenn man es sich unentwegt klar macht.

Du bist kein Wunschkind, stimmts?

Woran wird sich orientiert, wen fokussiert man als Beispiel? Kinder bekommen Kinder liest man in den Gazetten. Die Wohnung ist zu klein, das Geld reicht kaum aus, ein Hund ist oft zugegen und will auch gefüttert werden und zu guter Letzt kommt ein Kind. Dann liest man wieder, dass doch gerade die Kinder die Zukunft seien und irgendjemand fragt, von welchen Kindern da stets die Rede ist.

Von denen, die kaum zu essen bekommen, weil es der Hund wegschnappt? Von denen, die das Wort Wunschkind nur im Zusammenhang mit einer Beschimpfung kennen, zumal sie keines sind? Von welchen Kindern ist also die Rede? Von denen, für die man sich irgendwann aufbaut und hinstellt wie Hamlet und fragt: „Für wen…?“

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