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Freiheit, die ich meineWelche Freiheit meint der Dichterfürst, wenn er von der Freiheit spricht, die nur im Tod erlangt werden kann. Ist nur der frei, der gleichsam auch tot ist? Wäre also bloß ein Toter wirklich frei oder benutzt der Freiherr die beiden Attribute lediglich als Synonyme? Allzu gerne würde man ihn dazu befragen wollen.

Wir erweisen dem Herrn Geheimrat die Ehre und begleiten ihn einige Schritte.

Freiheit, die ich meineWelchen Zustand nimmt der Mensch nach seinem Leben ein, dass ihm dort Zumessungen zuteilwerden können? Können einem Toten vielleicht erst nach seinem Leben die Dinge übereignet werden, die ihm zeitlebens vorenthalten, gar verweigert werden? Dürstet den Lebenden darum oft nach Tod? Ahnt er die Erfahrung bereits?

Wusste Goethe es? Falls ja, woher? Dem Sein voraus ist der Mensch bloß in der Vorstellung, doch nicht einen Augenblick zuvor. Die Grenze zwischen Leben und Tod ist kaum merklich, doch fraglos zugegen und ein Kosten des Kommenden ist nicht rückgängig zu machen – die Zeit ist nicht korrupt.

Was ist dann Freiheit?

Freiheit, die ich meineDas schnöde Gegenteil einer Gefangenschaft? Würde sich die Freiheit somit auf die Wahrnehmung ihrer selbst beschränken und unterläge gleichsam der Eitelkeit? Stellt diese doch aber genau den Kerker dar, dem die Freiheit dauerhaft zu entsagen verspricht. War es Goethe gegeben ein Resultat zu erhalten? Stellte er sich all diese Fragen auch? Würde er – einer Rezeptur gleich – eine Liste der erforderlichen Zutaten nennen können?

Was ist also Freiheit, Herr von Goethe?

Freiheit, die ich meineEin individueller Eindruck? Ein flüchtiges Gefühl … eine Empfindung, gleich dem Geruch, dem Geschmack, der persönlichen Auslegung demnach unterworfen? Ein Knecht der Macht, der gehorchen und präsent sein muss, wenn die Ketten der Sklaverei davon sind? Ein Vasall somit? Ein plärrender Speichellecker von matter Gunst und niederem Gut? Ein Rebell? Ein Gespenst, das es im Grunde genommen gar nicht gibt, doch jeder behauptet es zu vermissen?

Freiheit, die ich meineÄhnlich einem geängstigten Kind, welches die schiere Angst vor der Dunkelheit nie zu begründen vermag, weil es die Abwesenheit des Lichtes nicht erkennt. Wenn nach diesem Gedanken verfahren würde, stellt sich die Frage, welche Abwesenheit die Freiheit erscheinen lässt … die Abwesenheit des Lebens wird als Tod akzeptiert.

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