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Sympathie-Bonus

Sympathie-BonusStändig treffe ich auf Produkte, deren Preis reduziert ist. Das erfreut mich hochgradig. Schließlich spare ich bares Geld. Aber andererseits frage ich mich, warum der Artikel so günstig ist, zumal mir oftmals 50% des normalen Preises geschenkt werden. Es handelt sich keineswegs um sogenannte Überproduktionen, Ausschussware oder Produkte oder 2. Wahl, deren kleinere Fehler einen Preisnachlass rechtfertigten.

Nein, es handelt sich um eine Ware, die noch nie angeboten wurde und direkt beim ersten Start in den Konsummarkt reduziert auftaucht.

Es existieren Motive für Preisnachlässe. Autofahrer kennen es von der KFZ-Versicherung, dass sie bei einer Nichtinanspruchnahme dieser Versicherung günstiger tarifiert werden. Aufgrund eines erreichten Alters genießt man hie und da Boni, bekommt außer einem Händedruck auch Sachgeschenke. Einer der ersten zu sein bringt manchmal auch Vorteile oder fein säuberlich eingeklebte Marken in ein Heft reduzieren ebenfalls Produktpreise.

Doch ohne irgendein Motiv setzt kein Hersteller seine Ware runter. Handelt es sich womöglich um ein Auslaufmodell und eine Fachmesse zeigt schon die kommende Generation dieses Typs? Nein. Ist es eine „abgespeckte Version“, die ohne de üblichen Produktumfang (Features) den Kunden erobern will? Nein. Liegt eine Art Augenwischerei vor? Wir kommen der Sache schon näher.

Die vermeintliche Ersparnis entpuppt sich bei längerer Überlegung als schnöde Marketingstrategie. Hier soll dem Kunden listig vorgegaukelt werden, dass er bei einem angenommenen vorherigen Preis von 100,- Euro jetzt glatte 50,- Euro spart. Real spart er nichts; er gibt Geld aus und zwar den Preis der Ware im Falle eines Kaufs. Allein jedoch die Rechnung, dass man sich als Kunde nun 2 dieser Produkte zum Preis von einem leisten könne, entpuppt sich einerseits als Falle und andererseits als probates Mittel den Umsatz anzukurbeln.

Selbst die Märchen eines Gebrauchtwagenhändlers lassen mich nicht erschaudern, denn damit rechne ich zu jeder Zeit. Bis man hier einig wird und den tatsächlichen Preis des Wagens nennt, vergehen ein paar Minuten. Aber beim vermeintlichen Schnäppchenkauf mit einem völlig unbegründeten Preisnachlass soll man sich nicht selten binnen weniger Sekunden entscheiden. Gerade jetzt bläht sich der Spareffekt zum Kaufmotiv auf. Braucht man das Produkt wirklich oder liegt es später eher unbeachtet herum? Kauft man es bloß wegen der suggerierten Ersparnis, die eigentlich keine ist? Schafft man es an, um später mit der Sache prahlen zu können?

Vorbei an Schaufenstern die mit noch nie dagewesenen Preisnachlässen und knallbunten Schildern die Aufmerksamkeit des vorbeibummelnden Passanten einfangen wollen. Alles muss raus, jetzt oder nie, wir-haben-euch-alle-lieb-Tag, billiger wird’s nimmer, noch günstiger ist geschenkt…. und wer jetzt immer noch nicht weichgekocht wurde ist ein Spielverderber. Es scheint demnach ein Spiel zu sein, dessen Regeln absolut überschaubar sind, das Spielgeld jedoch harte Währung darstellt. Auch der Gewinner des Spiels steht meistens schon von vornherein fest.

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