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Die tägliche Folter der LebensmittelDas anstrengende Leben einer Currywurst – Geteiltes Leid ist halbes Leid

Wer sich schon mal an einer Imbissbude aufgehalten hat, beruflich nicht umhin kommt, sich täglich damit zu konfrontieren, oder sich per se fastfood-mäßig ernährt, weiß ohne Anlauf, was gemeint ist.

Da wird ein Schwein in einen viel zu engen Schafdarm gepresst, mit unaussprechlichen Gewürzen versehen und als Wurst auf einer glühenden Unterlage braun gebrannt, um dann maschinell zerkleinert und mit weiteren Gewürzen plus Soße auf einem Pappteller zu landen: eine Currywurst.

Tonnenweise schieben sich Damen und Herren, sowie Frauen und Männer diesen Ernährungsklassiker unter die Nase. Diether Krebs schrieb den Text und Herbert Grönemeyer sang es in den frühen 80ern: Currywurst.

Das ist pure Folter, was die Wurst über sich ergehen lassen muss, bevor sie als Currywurst den Besitzer wechselt und Freude am Gaumen erzeugt. Früher ging man der Wurst noch mit dem Messer an den Darm, gerne auch mit der Schere. Beides soll schmerzhaft sein, schenkt man den Worten einer überlebenden Wurst Glauben, die sich als potentieller Augenzeuge unerschrocken anbot.

Selbstfabrizierte Soßen, mit denen eine Currywurst geadelt wird, bestehen aus geheimen Zutaten, von deren Herkunft noch nicht einmal jener weiß, der sie eimerweise herstellt. Neid kommt auf, denn wie beschämend muss es für ein Schaschlik sein, kaum geordert zu werden.

Auch das kulturell einwandfrei migrierte Würstchen aus Wien, klagt nur noch bei direktem Nachfragen. Einige Streicheleinheiten mittelscharfen Senfs beschwichtigen das Aufbegehren aus der Reihe mit den billigen Plätzen.

Schon längst hätten sich sämtliche gepeinigte Currywürste zusammen getan und mit den Statuten der Genfer Konventionen gedroht, würde man sie bloß vernehmen können. Doch ihre Schreie gehen unter, werden durch Bestellungen übertönt und scheinen somit zu verstummen. Hält man sich jedoch eine Schale Currywurst ganz dicht ans Ohr, kann man sie hören.

Sie rufen: „Schluss mit der Folter!“ Scharfe Gewürze und feurige Soßen können selbst die nicht vertragen, die es zu überbringen hätten: die Currywürste. Eine eher schon lieblos an den Rand gelegte Weisbrotscheibe ist kein Ersatz, kein Kumpel und keine Lösung. Die in Holz oder Plastik daherkommende Pommesgabel dient der Nahrungsaufnahme. Oftmals reicht schon ein Zahnstocher, um die mundgerechten Happen aufzuspießen und dem sowohl hungrigen, als auch eiligen Gast zuzuführen.

Die Folter setzt sich im Mund des Imbissjüngers fort, wenn dieser brutal zubeißt. Wäre die Currywurst nicht schon durch die Soße rot, wäre sie es spätestens nach den kräftigen Bissen. Blutüberströmt schluckt die Kehle sie herunter und erst dann, wenn die Säure des Magens ihre zersetzende Arbeit beginnt, weht der Currywurst die Fahne des Finales unendlicher Folterqualen entgegen.

Bildquelle: http://www.lebensmittelfotos.com/2008/03/21/nicht-einfach-nur-ne-currywurst/

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