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Alternativ vegan!

Alternativ vegan!Zu bestimmten Momenten scheint es erforderlich zu werden, uralten Lernstoff aus den Mittelstufen wiederzukäuen. Wie froh ist man dann, sich selbst, wenn auch postum, als regelmäßigen Schulbesucher anzutreffen. Waren es nicht die tierischen Eiweiße, welche das menschliche Gehirn zu Höchstleistungen trimmte und an allen anderen Teilnehmern auf der Rennstrecke der Evolution vorbeipreschen ließ? Und jenes siegverwöhnte Hirn steuert nun in ein veganes Zeitalter? Mit welchem Titel ginge diese Story in die Kinos?

Das jähe Ende aller Steakhäuser? „Bitte einmal die Folienkartoffel ohne Alles, also auch ohne Folie, der Umwelt zuliebe …“, oder wie? Die Verständnislosigkeit des Servicepersonals ist jetzt schon voraussehbar und macht sich mit neurotischem Kopfschütteln bemerkbar.

Auf Fleisch wird in jeder Form verzichtet. Und allein darin beweist sich die eherne Konsequenz, wenn schon bei der Geburt männlicher Nachkommen das Skrotum durch einen Jutesack chirurgisch ersetzt wird. Mönche verzichten seit jeher auf Leibriemen mit tierischer Vergangenheit. Sie schnüren ihre Kutte mit einer Kordel um den Wanst. Es ist nicht kleidsam, aber Eitelkeit steht bei Klosterbrüdern ohnehin nicht auf dem Wunschzettel.

Lederriemen gelten per sé als verpönt und Selbstgeißler greifen auch hier zu Alternativen. Die zu verabreichende Wonne kann sich der Proband ebenso mit einer flexiblen Weidengerte zufügen oder zufügen lassen, wenn die Körperpartie allein schlecht zugänglich ist. Saunajünger kennen diese nicht enden wollende Ausschüttung von Glückshormonen, wenn sie sich in Bälde einem aktiven Geysir hingeben und um Gnade flehen.

Doch wer schön sein will muss leiden.

Zugegeben: Fotogen ist es nicht, wenn sich Kühe und Menschen nebeneinander zu Tisch einfinden, zumal ihre Speisekarte dieselbe zu sein scheint. Menschen benutzen zum Essen Besteck. Jedenfalls noch. Vielleicht wird dieses Unterscheidungsmerkmal künftigen Erdbewohnern beim sortenreinen Betrachten dieser seltenen Momentaufnahmen helfen.

Die Bewohner der kälteren Perioden wie die Eiszeit und auch jene, die vor der Domestizierung des Feuers lebten, kleideten sich mit Tierhäuten, auch gerne Leder genannt. Rasiert (Glattleder) oder unrasiert (Pelz) zieren sie noch heute die Vitrinen der Naturkundemuseen. Welch seltene Anblicke. Hätte der Mensch auch als Veganer überlebt? Es bleibt eine Frage.

Mit kernigen Sprachhülsen der Marke „… ins Gras beißen …“, hielt das vegane Zeitalter bereits Einzug und erzeugte keinerlei Anstoß. Auch die Vermüllung der Meere, aufgrund der schier endlosen Lebensdauer von Plastiktüten, unterstützt das Ansinnen. Nicht zuletzt spielt auch der Rohstoff, welcher zur Herstellung besagter Plastiktüten und –folien verwendet werden muss, eine entscheidende Rolle und die bezieht sich nicht nur auf den Preis. Es ist unabwendbar, dass die Abfallbeseitigung innerhalb der Gewässer eine einschneidende Maßnahme in den Lebensraum der dort beheimateten Fauna darstellt.

Alternativ vegan!Wird Pizza deswegen schon in Kartons geliefert? Ist der Döner aus Tofu wirklich eine schmackhafte Alternative? Klingt Tofu nicht auch wie der Name einer griechischen Insel und haut den geologieschwachen Fastfoodjunkie ohnehin aus den Galoschen? Wird hier nicht potentiell die Unerfahrenheit des Genießers ausgenutzt, zumal ihm die wahre Herkunft und die Zusammensetzung von Tofu verschwiegen werden? Kann es also doch sein, dass die postulierte Unterwanderung der abendländischen Küche mit den Errungenschaften altchinesischer Kochkunst brachial kollidiert?

Wird dem freundlichen Lächeln fernöstlicher Servicekräfte zu wenig Aufmerksamkeit zuteil oder dessen Bedeutung gar fehlinterpretiert?

Schlussendlich kommt die kross gebratene Pekingente überhaupt nicht aus Peking, sondern aus Tofu und verstößt gegen die Importvorschriften mit Griechenland. Der Einmarsch der tofuschen Armeen ließe sich nicht mehr verhindern. Hochhausdächer und Autositze aus Tofu, nur so ließe sich eine Fleisch essende Kultur retten. Gleichsam erholten sich die Ozeane wieder, dauert es auch noch etwa 450 Jahre. Ebenso lange wird auch Tofu warten müssen, bis es den einen oder anderen Gaumen erfreut.

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