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Sei tapfer!

Alles wird gut!

Sei tapfer!Meist sind es Ältere, die in bestimmten Situationen Jenen Mut zusprechen wollen, die tapfer sein sollen. Eine Memme, ein Weinerlicher oder gar ein Weichei zu sein, sich womöglich als Softie zu entpuppen, käme erstens nicht in den Sinn und zweitens nicht in die Tüte. Also beisst man die Zähne zusammen und ist tapfer.

Eine arme und namenlose Phantasiegestalt der Gebrüder Grimm, welche die Missverständnisse ob der Aufschrift ihres Gürtels billigte, war nicht nur als Schneiderlein bekannt, sondern immerhin als das tapfere Schneiderlein, denn sie (die Phantasiefigur) erlegte sieben (Bienen, Wespen, Hummeln, Mücken oder im Märchen als Fliegen bezeichnete Insekten) auf einen Streich. Ohne den Groll des Tierschutzes auf den Plan zu rufen, stolzierte besagter Schneider nun umher. So ändern sich die Zeiten…

In den heutigen Tagen wird also immer wieder zur Tapferkeit ermahnt und das zu allen möglichen Gelegenheiten. Seltsamerweise wird dem Tapferkeitsanwärter nie erklärt, was Tapferkeit eigentlich bedeutet. Wird das bis dahin fehlerfrei strahlende Lächeln durch Karies bedroht und ein Gang zum Zahnarzt als aussichtsvoll empfohlen, klopft man der mit Karies befallenen Person freundschaftlich auf die Schulter und rät: sei tapfer.

Diese Aufmunterung mutet wie eine Ermahnung an, den Stamm, die Sippe, die Familie, bzw. die Person keinesfalls in Schmach und Schande dastehen zu lassen, welche den Schulterklopfer erteilte und den sinnigen Rat „tapfer zu sein“ äußerte. Gleiches ereilt auch jene Aspiranten, welche zur Impfung oder zur Beerdigung gehen. Sei tapfer, Du wirst es überstehen, das Leben geht weiter, auch wenn Du diesen Parkplatz nicht bekommst, die TÜV-Plakette nicht erneuert wird und Du „Hals- und Beinbruch“ wörtlich genommen hast.

Im Krankenhaus gilt per sé: sei tapfer!

Sei mutig und trotze den Urgewalten des Universums, stell’ dich demonstrativ dagegen, beherrsche die Lage und sei tapfer. Dein Großvater war im Krieg, dein Vater war in Woodstock und Du sei tapfer. Schau sie Dir an, die Wärter im Zoo bei den Löwen, sie sind tapfer oder Single. Du jedoch hast Frau und Kinder, also sei tapfer. Augen zu und durch heißt deine Devise und der ist strikt zu folgen. Nicht denken sondern handeln und überaus tapfer sein. Womöglich winkt die eine Tapferkeitsmedaille.

Verzieh’ keine Miene, beiß’ die Zähne zusammen, sei ein Held und sei tapfer! So schwer kann es nicht sein, denn vor Dir zogen schon Scharen von Kempen zu Felde, waren besessen und wie von Sinnen für die Sache – für die sie ihr Leben zu opfern bereit waren – zu kämpfen. Und was waren sie? Zu bedauern? Das auch, doch vorrangig waren sie tapfer! Sie standen da für eine gute Sache, für einen guten Zweck, für einen Gedanken bloß, für Recht und Vaterland oder für gute Zähne.

Sei ein Mann!

Mit Ermunterungen wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ wird besonders der maskulinen Gesellschaftsschicht eine Art verschollenes Rittertum eingeredet. Auch Fragen der Sorte „Bist du ein Mann oder eine Maus?“ muten eher rhetorisch an und erdulden noch nicht einmal gedankliche Insubordination.

Tapfer zu sein prägt. Man will es immer wieder sein, ja – man muss es sogar immer wieder sein. Was früher der Therapeut war, ist heutzutage der Drillmaster und sein zart gehauchtes Kommando von nicht weniger als 145 Dezibel dringt durchs Ohr direkt ins Gehirn und bestimmt von diesem Augenblick an den Grad deiner Tapferkeit. Arschbacken zusammenkneifen, der Dünnpfiff hat heute Stubenarrest, na bitte, geht doch.

Bildquelle und ©: http://www.lebensmittelfotos.com/wp-content/gallery/backwaren_frei/broetchen_mit_schokoladengesicht_frei_sv.jpg

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