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Schreib’ doch’n BuchGerne. Aber zuvor sollte man einige Begriffe, wie zum Beispiel „Buch“ zurechtrücken, denn das eigene Verständnis fährt oft auf einem anderen Gleis. Viele Menschen rufen bei der Erwähnung eines bestimmten Wortes ein Bild in ihrem Kopf dazu auf. Umgekehrt bedeutet es, dass ein Wort wie „Buch“ mit einer bestimmten Vorstellung verknüpft ist. Ein Buch ist – was die Dicke und die Fähigkeit angeht – demnach und zumindest alleinstehend.

Fiele es mangels Seitenumfang um, so spräche man von einem Heft, einer Broschüre, einem Prospekt oder einem sonstigen Text. Keinesfalls jedoch wäre von einem Buch die Rede. Der Begriff „eBook“ führte nicht nur eine neue Art Geschäftmodell ein, sondern rückte gleichsam das Verständnis für das Wort „Buch“ zurecht. Die Verständnismäßigkeit wurde in vielen Köpfen durcheinander gewürfelt.

Plötzlich wurden Bücher zum Erwerb angeboten, deren Textumfang kaum 100 Worte betrug. Für 99 Cent erwarb der Leser den – nicht selten unkorrigierten und an Banalität kaum zu überbietenden – Text und reagierte erbost. Seine Enttäuschung gab er dann in Form trefflicher Kommentare ab. Unkontrolliert kommen Verse ohne Versmaß, Reime ohne Reim und Gedichte ohne Dichtung in Umlauf. Warum auch nicht, wenn Angebot und Nachfrage den Markt bestimmen. Von Qualität ist nicht die Rede, von Umsatz umso mehr.

Chauffeur oder Coiffeur

Das Wort „Buch“ fördert demnach in vielen Köpfen eine gewisse Vorstellung zutage. Aber damit ist es nicht allein. Viele andere Worte sind Nachbarn des Wortes „Buch“. Manager, Produzent, Geschäftsführer, Autor, Bestseller, Verleger, Papst und weitere Begriffe scheinen neuerdings ein Doppelleben zu führen oder wurden zur allgemeinen Verwunderung und von Geisterhand mit neuen Attributen besetzt.

Bäcker und Köche mit Hang zur Convenience-Abteilung gehören ebenso dazu. Verrichten doch Totengräber, Piloten, Maurer und Politiker ihren Job jedoch wie eh und je.

Wer eine Digi-Cam sein Eigen nennt, wähnt sich mit selbst geschriebenem Drehbuch als Filmproduzent und mixt als eigener Musikproduzent seine Songs dazu, die er dann als Geschäftsführer seines eigenen Verlages selbst managed. Das versteht man also unter dem Begriff „Ich-AG“. Die Gebrüder Grimm nebst Münchhausen scheinen eine Renaissance zu erleben.

Widmen wir uns wieder dem gedruckten Wort.

Feststellen lässt sich jedenfalls, dass kaum einer der Literaturnobelpreisträger Popularität besitzt, wohingegen populäre Autoren nicht zu den Literaturnobelpreisträgern zählen. Schornsteinfeger winken im schneeweißen Dress vom Kamin und Ladendetektive werden zum Tragen orangefarbener Kittel genötigt.

Schreiben ist allerdings keine Tätigkeit wie beispielsweise Laufen. Schnelles Laufen kann mit Stoppuhren gemessen werden. Niemand würde bei einem Wettstreit als Schnellläufer antreten, bloß weil er laufen kann. Hier tritt das Reglement in Erscheinung und sortiert gnadenlos aus. Künstlerische Berufungen unterliegen keinem Richtmaß; hier darf jeder antreten.

Rechnen, Lesen und Schreiben sind Pflichtfächer in der Schule und gemäß dem Motto „Singe wem Gesang gegeben“ wird jeder Schreibtüchtige zum Autor, kreiert für seine Zeilen ein Cover, wählt einen vielversprechenden Titel, einen gewinnbringenden Verkaufspreis und publiziert es in einem der zahllosen Internetbuchshops. So entsteht also ein Buch. Oftmals tritt der Eindruck, es ginge vorrangig um den Verkauf, ins Rampenlicht. Seitens des Verlages ist dieses Unterfangen verständlich, aber aus der Perspektive des Autors ist diese Sichtweise weniger begreiflich.

Irgendwann stellt ein Maler seine Bilder aus, die er schon jahrelang in seinem Atelier stapelt und wird über Nacht zum gefeierten Künstler. War er es vorher also nicht? Ist er es bloß durch die Meinung oder die unfachgemäße Begutachtung eines Mäzens geworden? Dann wäre ein völlig unbekannter Literaturnobelpreisträger ein guter Schriftsteller. Und die, die viele Bücher verkaufen, was wären die? Will man also zu denen gehören, welche gute Literaten sind oder möchte man lieber ein vielgelesener Autor sein? Auch der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart war zu seiner Lebzeit arm, krank und eher unbekannt.

Die Kunst ist ein hartes Brot.

Kunst – so weiß der Volksmund zu berichten – kommt von Können und dieses Vermögen steht in unmittelbarer Linie zur Kunst. Offensichtlich nicht mehr. Vielleicht vermag man in Sachen Geschäftstüchtigkeit ein Könner zu sein und benutzt die Kunst als Vehikel. Dann käme Kunst zwar immer noch von Können, jedoch stünden die Dinge dann mittelbar zueinander.

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