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Kleider machen Leute – Die Macht der GewohnheitDer Mensch hat sich daran gewöhnt Dinge, ja selbst Personen, nach schieren Äußerlichkeiten zu beurteilen, bzw. einzustufen. Selbst ein Gut oder ein Böse liegen dem Betrachter als Maßstab der persönlichen Beurteilung nicht fern. Ein Karton, je nach Format und Farbe, wird als Schuh- bis Umzugskarton gewertet. Keinesfalls jedoch als Pralinenschachtel. Und damit beginnt es. Ursprüngliche Aufdrucke dienen nur dem, der das Behältnis von der Seite mit einem Aufdruck betrachtet.

Erst dann könnten sich derlei Bilder als hinweisgebend gestalten. Schaut das Auge des Betrachters nun in eine Pralinenschachtel und entdeckt Nähutensilien statt der erwarteten Leckereien, erweist sich der Aufdruck tatsächlich als ursprünglich richtig. Der Inhalt einer Sache ist somit von Rang, nicht die Verpackung, geschweige der Aufdruck.

Der Inhalt, der Wert bzw. der Zweck ist keinesfalls einschätzbar und dennoch wird gewertet. Befänden sich in einem Schuhkarton nun doch Pralinen, wäre es zwar ungewöhnlich, aber nicht unvorstellbar. Auch würde spürbar widerwillig davon probiert werden, böte sie jemand aus einem Schuhkarton gratis feil. Ähnlich verhält es sich mit Toilettenpapier als Serviette oder als Notlösung für Kaffeefilter.

Die menschliche Vorstellung scheint an ihre Grenzen zu stoßen und erzeugt fast schon zwanghaft Verdrängungen. Das Erlernte, das Ideale, die gewohnte Norm muss es sein, ansonsten wird mit einer Angelegenheit schlecht Freundschaft geschlossen.

Hier wird mit dem Kopf gedacht und gefühlt, nicht mit dem Bauch.

Eine belebte Fußgängerzone. Geschäfte und Schaufenster flankieren den Weg. Plötzlich nähert sich ein Läufer von hinten. Er trägt ein Sporthemd, eine kurze Hose und Turnschuhe. Die Person wird als Jogger wahrgenommen. Wieder nähert sich eine schnell laufende Person. Sie trägt ein normales Hemd, eine lange Hose dazu und gewohnte Halbschuhe. Diese Person wird nicht als Jogger wahrgenommen, dennoch sie genaugenommen joggt.

Vielleicht rennt sie jemandem nach oder davon oder hat im Büro etwas vergessen, im Café etwas liegenlassen oder eilt zum Parkhaus, um das Auto auszulösen. Dort schließt der Pförtner stets pünktlich. Kaum ist diese Szene aus dem Kopf, nähert sich erneut eine Person schnellen Schrittes von hinten und bahnt sich ihren Weg durch die schlendernde Menge. Die Person ist männlich, trägt eine Maske, wie sie auch von Motorradfahrern getragen wird, weist aber ansonsten keine besonderen Merkmale auf. Sie hält eine Sporttasche fest, aber das muss nichts bedeuten.

Wahrscheinlich sind Sportsachen drin und die Person eilt, um sich schon warm zu laufen, zum Training. Warum sie dabei eine Maske trägt? Nun, vielleicht ist es ein besonderes Handycap des Clubs, ein Erkennungszeichen oder ein Gag, um Passanten zu narren. Vielleicht handelt es sich bei der Person um einen Bankräuber und in der Sporttasche ist die Beute und ein Davonlaufen durch eine belebte Einkaufsmeile ist ein Teil des Plans, um es etwaigen Verfolgern möglichst schwer zu machen.

Eine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht. (Oscar Wilde)

Eine Maske im Gesicht macht noch lange keinen Täter. Populäre, wenn auch fiktive Figuren wie Zorro oder Batman tragen stets Masken. Beide Gruppen wollen nicht erkannt werden. Um sich einer Annahme also sicher zu sein, ist ein Blick in die Tasche unausweichlich. Befinden sich Sportsachen drin, stünde die Maske als Rätsel im Wege. Wäre Geld in der Tasche, würde sich die Theorie mit dem Bankraub bewahrheiten. Befänden sich jedoch Pralinen in der Tasche, würfe es hinsichtlich der Maske weitere Fragen auf.

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