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Geräusch-Allergie

Geräusch-AllergieAuf gewisse phonetische Events reagiert der Mensch nicht immer entsprechend. Eine durch einen Schiedsrichter, mit dem gesamten Lungeninhalt aufgepustete Trillerpfeife, fordert als allererstes die Aufmerksamkeit der Beteiligten, ein Handzeichen, eine farbige Karte, oder eine sonstige Ergänzung könnten das ganze zum Ende bringen. Ein einigermaßen funktionierendes Gehör wird außerdem gewünscht. Plötzlich auftretende Geräusche bedeuten eigentlich immer etwas.

Das Signal eines Feuerwehr-Einsatzfahrzeugs bedeutet, dass irgendwo was los ist und man die Fahrbahn möglichst frei zu machen hat. Bei der Polizei ist es auch so, wobei auch schon beobachtet wurde, dass sich ein halbes Dutzend dieser grün-weißen Fahrzeuge mit der blauen Lampe auf dem Dach, bei einer Hähnchenbraterei versammelten.

Irgendein Uniformierter hat per Funk kundgetan, dass dort halbe Hähnchen zum Sonderpreis über die Theke gehen und der Rest der Meute folgte diesem Aufruf mit aktiver Sirene plus Blaulicht.

Da entwickelt der Steuerzahler umgehend Verständnis, denn ein halbes Hähnchen frisch vom Grill muss knusprig sein und das ist es nur, wenn es auch heiß ist. Und den Letzten beißen die Hunde, aber wer will das schon, selbst wenn es ein Polizeihund ist.

Auf alten Fotos kann man es noch sehen. Da hängen links oder rechts solche Lappen aus dem Tornister. Die Tornister, wie Schultaschen aus Leder seinerzeit genannt wurden, besaßen noch lange nicht das Format heutiger Behältnisse mit den Raummaßen einer 1-Zimmerwohnung.

Die aus den Tornistern heraushängenden Lappen dienten der Reinigung, eigentlich der Trocknung der Tafeln, auf die früher in der Schule geschrieben wurde. Gereinigt wurden sie mit einem feuchten Schwamm und dann mit besagtem Lappen getrocknet. Man schrieb mit einem Griffel tatsächlich auf Schiefertafeln. In Schreibschrift.

Fehler konnte man vorsichtig mit dem Schwämmchen entfernen und die Stelle mit dem Lappen wieder trocken reiben. Ohne eine korrigierte Position zu trocknen, wäre das sofortige Draufschreiben mit einem Griffel so gut wie unmöglich gewesen. Es schmierte und wäre rein optisch aus dem Rahmen gefallen.

Diese Lappen waren farbig. Auf Schwarzweißbildern ist es nicht erkennbar. Alle möglichen Farben besaßen diese Lappen und gaben eher die handarbeitlichen Fähigkeiten preis, denn die politische Einstellung der Eltern.

Das Schreiben mit dem Griffel erzeugte so ein Geräusch, welches ertragen werden musste. Papier (Hefte) und Füllfederhalter, bzw. Kugelschreiber existierten zwar schon, wurden seinerzeit jedoch noch nicht benutzt, bzw. erlaubt.

Also peinigte sich jeder selbst mit der Schiefertafel und dem Griffel. Die Tafeln waren nur bedingt belastbar. Ein Knie oder ein Fuß auf einem unbewacht abgestellten Tornister und die Tafel gab umgehend nach. Ja, ein Blick in das lederne Transportbehältnis verriet, dass am Sprichwort „Der Klügere gibt nach“ etwas dran sein musste.

Auch die Bekanntschaft von Kreide oder Fingernägeln an der schul’schen Wandtafel, hinterließ bitterböse Erinnerungen, die sich immer dann zurückmelden, wenn sich ein solches Geräusch anbahnt, oder ohne jegliche Vorwarnung im Gehörgang aufschlägt. Sich dann noch die Ohren zuzuhalten ist so, als würde man vor Wut den Baum fällen, von dem man gerade gefallen ist.

Es scheint eine Unsitte vornehmlich älterer Herrschaften zu sein, mit besonderen Geräuschen Dinge oder auch gerne Situationen zu wertschätzen. Als nähmen sie die Rolle der bauchkastentragenden Jury ein, und bewerteten mit einer 5 Komma 3 und einer 4 Komma 6, irgendwas. Aber sie machen es mit einem Geräusch. Dieses entsteht, wenn man mit der Zungenspitze ruckartig den Gaumen verlässt. Es wird dann noch mit einer entsprechenden Kopfbewegung unterstrichen und stellt insgesamt betrachtet eine Begutachtung dar.

In den Sprechblasen der Comics findet man derlei als „tz tz tz tz“ usw. wieder, nicht zu verwechseln mit dem ebenso altklug daherkommenden „tzis“, welches ebenfalls in Sprechblasen ein zweites Zuhause gefunden hat.

Anstatt eines Busses, in dem ausreichend Platz für Alle vorhanden gewesen wäre, fuhren die Eltern mit dem eigenen PKW los. Die Kinder saßen auf der Rückbank im Fahrzeug und wer keine Kinder oder ausreichend Platz hatte, nahm Oma und Opa mit, denn die hatten keinen Wagen. Irgendwo wurde etwas besichtigt, irgendwo ging es hin und irgendwann ging es dann wieder retour.

Und auch in diesen Tagen brannte sich ein ekelerregendes Geräusch ein, wenn die Kinder vor dem Rückreiseantritt zum Pipimachen geschickt wurden und Oma das gesamte Unterfangen mit diesem typischen Geräusch zu untermalen verstand, welches selbst Krankenschwestern von sich geben, wenn es nicht so recht „laufen“ will.

Da entsteht hochbrisante Verwechselungsgefahr, wenn das aussagekräftige „t“ vergessen wird. Immerhin ist es ein Unterschied zwischen „psssss“ und „pssssst“.

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