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Katholisch erzogen IIAufgrund sehr intensiver Leser-Reaktionen und einiger diesbezüglicher Emails, wird eine Art Zusammenfassung der Inhalte folgen. Ausschlaggebend war diese Publikation.

Eigenartig gestaltete sich der erste Besuch einer solchen uralten Kirche. Ich kannte sie schon länger, denn sie lag auf meinem Schulweg und machte in besonderer Art auf sich aufmerksam. Orgelklang war zu hören und wirkte auf mich wie der Duft guten Essens. Da muss man mal hin und nachschauen. Es ist die Neugierde, die gestillt werden wollte.

Zuhause war Religion kein Thema. Die christliche Schöpfungsgeschichte wurde zwar nicht angezweifelt, aber auch nicht thematisiert. In meiner Erziehung herrschten die Eltern, aber kein Gott, kein Jesus, kein Katholizismus, kein religiöser Glaube. Die erzieherischen Maxime waren anders gelagert und bildeten mit dem sogenannten Christentum keine Schnittstellen.

Kirchen imponierten darum lediglich wegen ihrer äußerst aufwendigen Architektur, ihrer Aura und ihrer Akustik.

Irgendwann siegte die Neugier und der Klang der Orgel lockte mich näher und näher. Es war ein Wochentag und der Organist schien zu üben, sich einzuspielen oder sich mit neuen Weisen zu befassen. Ich öffnete die schwere Türe und blickte zum ersten Mal in eine Kirche. Meine Augen standen nicht still und saugten jeden Eindruck in sich auf, wie ein trockener Wüstensand es mit einem Tropfen Wasser täte.

Ich ging hinein. Zu beiden Seiten flankierten Bänke aus Holz meinen Weg. Aha, dachte ich, da sitzt man also. Ich hatte keine Ahnung, wie sich der Aufenthalt in einer Kirche gestaltet. Holzbänke waren mir fremd und auch heute noch sind mir gewisse Gewohnheiten fremd, dennoch sie sich christlich nennen. Einem Gast biete ich keinesfalls eine unbequeme Stätte, wie eine Holzbank an. In einer Kirche ist man doch aber Gast.

Holz ist billig und schnell zu bearbeiten. Es muss also ein Brauch früherer Tage sein, der sich bis in die heutige Zeit erhalten hat. Plünderungen und Vandalismus hielten die Vorsteher wohl davon ab, bequemere Möbel aufzustellen.

Die gesamte Inneneinrichtung der Kirche erschien prunkvoll und edel. Selbst die Fenster waren nicht einfache Glasscheiben, sondern mosaikartige Bilder, die der Reihe nach betrachtet, eine Geschichte zu erzählen schienen. Bilder mit offensichtlich längst schon verstorbenen Personen hingen in fast schon protzigen Rahmen an den Wänden.

Ab und zu hörte ich es knarren. Die schwere Türe war es, denn weitere Leute betraten das Gebäude. Sie berührten mit der Hand ihren Kopf, die Brust und die Schultern, als ob sie ein Kreuz in die Luft zeichneten. Eine merkwürdige Handlung war das und fremd erschien sie mir ebenfalls. Es schien eine Art Gruß oder ein Ritual, so wie Händeschütteln zu sein, denn jede weitere Person machte es auch.

Da die Türe nicht verschlossen war, könnten auch Kinder dieses Gebäude betreten. So wie ich auch noch ein Kind war. Vielleicht betreten aber viel jüngere diese Kirche und wundern sich genau wie ich, über diese seltsame Luftmalerei. Nirgends hing ein Schild oder eine Anweisung. Nichts gab über diese Geste Auskunft und Erklärung ab. Es schien, als handele sich um ein Geheimnis.

Es ging zwei oder drei Stufen hoch und man traf auf den Altar. In früheren Zeiten und in bestimmten Kulturen ist es der Opfertisch. Dort wurden Tiere geschlachtet und einem Gott geopfert. Es hört sich gewöhnungsbedürftig an, denn irgendwie fragt man sich, wie barbarisch ein solcher Gott sein müsste, um diese Opfer zu erwarten. Diese Barbarei sollte sich fortsetzen. Auf dem Altar befanden sich einige Gegenstände, deren Erscheinung in mir nichts auslöste.

Die Inspektion ging weiter.

Wieder etwas aus Holz. Meine Betrachtung fing unten an. Das war entsprechend meiner damaligen Körpergröße die Augenhöhe. Zwei Füße sah ich, die übereinander lagen und mit einem langen Nagel an den darunter befindlichen Balken fixiert worden waren. Die Eintrittsstelle des Nagels wurde mit roter Farbe gekennzeichnet, als wolle man eine blutende Wunde darstellen. Wie ich es schon vermutete, die Barbarei setzte sich hier fort.

Mein Blick wanderte vorsichtig nach oben. Knie, Oberschenkel und Hüfte. Bedeckt war die Person um die Hüfte herum mit einer Art Leinentuch. War es Scham, war es Brauch, war es Mode? Auch hier galt es zu raten, denn nichts Erklärendes war zu entdecken. Wäre es evtl. die Aufgabe der Eltern gewesen, auf diese Ereignisse erklärend hinzuweisen? Und woher wissen die es? Von ihren Eltern, usw.

Jeder Übermittlungsfehler führt somit zu Fehlern, wie man es von der stillen Post her kennt und das ist bloß ein Spiel.

Im Bereich des Oberkörpers schien wieder eine Wunde zu sein, die man ebenfalls mit roter Farbe kennzeichnete, um Blut darzustellen. Niemand blutet ohne vorherige Einwirkung. Die Wunde wurde der Person wahrscheinlich von einer anderen Person zugefügt. Aber warum bloß? Nach links und nach rechts sah man die Arme der Person, die an den Händen mit einem Nagel an den darunter befindlichen Balken genagelt worden waren. Aber warum bloß und warum stellt man so etwas irgendwo hin?

Es ist eine Person, deren Hände und Füße an ein Holzkreuz genagelt wurden und die ein blutverschmiertes Gesicht vorweist, weil ein Dornenkranz offensichtlich die Kopfhaut verletzte. Zur damaligen Zeit waren Kreuzigungen nichts Außergewöhnliches. Warum man allerdings vor einem Stück Holz niederkniet, ist äußerst suspekt. Es hat etwas wie Götzendienst an sich und der Tanz um das Goldene Kalb muss nicht als Polonaise enden.

Es kann auch als Kniefall passieren. Und dieser, an ein Kreuz genagelte Jesu, soll sich der Sünder erbarmen? Wer sündigt wann und wodurch und was bitte ist eine Sünde und wer bitte, hat das zu bestimmen?

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