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Wo bleibt das GlückStändig befördere ich mich in die Zukunft und schau dann auf diese jetzt stattfindende Zeit. Natürlich nur im Kopf, wie sonst. Auch aus der momentanen Zeit schaue ich in die Vergangenheit. Jetzt wird das Bild deutlicher. Gerade im Jahre 2009, in dem eine Menge Wahlen stattfanden und noch stattfinden werden, höre ich es ebenso wenig, wie ich es auch in älteren Dokumenten vermisse. An allen Ecken und Orten ist vom Mensch oder von Menschen die Rede, aber nirgendwo steht, wie es ihm bzw. ihnen geht oder ging.

Von Sklaverei und von Lottogewinnern kann man lesen und hören, von Siegern und Verlieren, aber kein Wort darüber, ob sie glücklich waren. Die Zufriedenheit, die Sorglosigkeit und die Gewissheit, dass man sich geborgen fühlt, glücklich ist und sich auf den kommenden Tag freut, wird nicht dokumentiert. Von Schulden ist die Rede, von Schuldenberatern und weiß-der-Geier-was. Die Leute werden vor Gram und Sorge zum Trinker, um überhaupt noch ein Auge Schlaf zu bekommen.

Das ist sicher kein Glück. Wie wird also in ferner Zukunft von den Menschen der jetzigen Zeit gesprochen? Waren die Leute in 2009 glücklich? Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise? Trotz Umwelt- oder Abwrackprämie? Waren sie’s? Glücklich und zufrieden? Konnten sie in Ruhe schlafen, oder mussten sie sich vorher betäuben? Fraßen Sorgen und Nöte an ihnen und raubten ihnen den letzten Nerv? Und die Kinder? Waren die glücklich? Eben.

Hier und jetzt.

Man kann sich davon befreien. Man kann sich dessen entledigen, indem man es einfach ignoriert und sich sein eigenes Hier und Jetzt bildet. Was interessieren mich schon die etwaigen Gedanken der Leute in der Zukunft? Eben. Was interessiert mich die Wahlbeteiligung. Bei schönem Wetter gehe ich doch überall hin, aber nicht zur Wahl und bei Regen gehe ich nicht aus dem Haus. Eben. Was schert mich ergo die Vergangenheit, geschweige die Zukunft. Na bitte.

Mir geht’s gut, ich habe keine Probleme, keine Schmerzen und darum bin ich glücklich. Aha. Eine einfache Formel für Glück. Vielen Leuten geht es aber nicht so doll, die haben Probleme und sind daher unglücklich. Selbst schuld! Dachte ich’s mir doch. Glücklich zu sein ist demzufolge nicht jedem erlaubt. Manch einer kennt das Wort, aber das dazugehörige Gefühl fehlt. Manche Menschen haben noch nie Schnee gesehen, es muss ähnlich sein. Manche Menschen machen Glück von persönlichen Reichtum abhängig. Dann wäre der reichste Mensch gleichsam der Glücklichste?

Umgekehrt wäre dann der ärmste Mensch auch der Unglücklichste und wohl allein darum wird Glück nirgends dokumentiert, weil es niemanden interessiert. Ich habe schon etliche Vitas bekannter Personen und Persönlichkeiten gelesen, doch ob sie glücklich waren, las ich kaum. Oftmals sind es Dritte die sich zu Wort melden und wähnen posthum, dass diese oder jene Person ein glückliches Dasein führte. Zeitlebens wurde wahrscheinlich niemand befragt.

Nenne mir deinen Namen und ich sage dir wie du heißt.

So behaupten einige Buchautoren, dass Glück erlernbar sei und die Notwendigkeit glücklich zu sein, befördert das Thema auf den Stundenplan (Popup erlauben). Aber wird man davon in ca. 500 Jahren noch etwas wissen? Und in 1000 Jahren? Dabei entstehen solche Stirnfalten. Wie fühlten sich den Leute beim Bau der Pyramiden? Die waren unglücklich? Warum? Wo steht das geschrieben? Wie fühlen sich denn die Leute beim Bau heute? Auch unglücklich? Das kann man nicht vergleichen? Aber sicher kann man das! Berühmte und steinreiche Leute begehen plötzlich Selbstmord, weil sie alles besitzen, nur kein Glück.

Glück ist eine Empfindung, jeder empfindet es individuell. Ganze Völker können demnach nicht glücklich sein, handelt es sich hierbei um zu viele unterschiedliche Individuen. Genau. Und beim Fall der Mauer (nicht der chinesischen…) sah man in viele glückliche Gesichter. Eben, in viele, also beileibe nicht alle. Also müssten die Leute spätestens jetzt glücklich sein? Wird man das irgendwo dokumentieren? Nein! Warum nicht? Weil es nicht stimmt! Pech. Das persönliche Befinden in Sachen Glück ist keiner Erwähnung wert. Es gäbe niemals ein Bild der jeweiligen Gesellschaft ab.

Man ist frisch verliebt und glücklich. Geht doch! Wären nun alle Menschen frisch verliebt, wären auch alle glücklich? Vielleicht. Vielleicht in einem Film oder in einem Roman. Im „normalen“ Leben ist eine derartige Konstellation eher selten. Man liest es nicht. Glück wird nicht erwähnt. Man redet übers Wetter, über den Verein, über die Familie, über den letzten oder den anstehenden Urlaub, über alles Mögliche, nur nicht über Glück. Glücklich zu sein ist irgendwie tabu, so wie Inzest.

Geluk, null Püntjes…

Die Menschen in der Steinzeit, die Kreuzritter, die Sieger irgendwelcher Kämpfe und seien es bloß Wahlkämpfe; sind oder waren die Menschen glücklich? Man sieht es niemandem an, ob er wirklich glücklich ist. Aber man sieht doch, ob jemand glücklich ist! Ach. Woran sieht man es denn? Diese Leute lächeln so zufrieden. Ja, das tun Tote im aufgebarten Sarg auch. In Märchen liest man es häufiger. Da gibt es einen König, der über ein glückliches Volk herrscht. Hier achtete der Autor auf die Erwähnung der Glücklichen.

Welcher Regent der jetzigen Zeit herrscht über ein glückliches Volk? Eben. Es wird verdrängt. Es gerät nicht ins Bewusstsein, es wirkt blass und völlig vernachlässigt, dieses Glück. Es ist irgendwie lästig und doch begehrt. Man kann es nicht bestellen und man kann es nicht einsperren. Man sucht danach und so man es findet, tritt man womöglich drauf, zerstört es und flucht. Waren die Götter des Olymp glücklich, oder die Wahnenheimer, die Walhaller? Immerhin waren es Götter!

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