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Die Erfindung der WeltVor vielen Jahrtausenden, als der Mensch die Erde erkundete, sich immer wieder mit neuen Errungenschaften seiner eigenen Entwicklung vertraut machen musste und sich seine persönliche Arterhaltung an die erste Stelle der rudimentären Aufgaben drängte, stand er eines Tages da und hielt inne. Er schaute nach unten an sich herab, sah die Erde, auf der er stand, auf der er wohnte und die ihm Nahrung und Platz zum Leben bot. Und dann schaute er nach oben und sah etwas ihm völlig Fremdes.

Der Himmel.

Und über dem Himmel sah er die Gestirne von deren Bedeutungen er noch nichts wusste. Und das sollte viele Tausend Jahre so bleiben. Der Mensch kannte den nächtlichen Mond vom Sehen und damit war sein astronomisches Wissen für lange Zeit erschöpft. Wenn der Mensch in der Nacht jagte oder wachte und ihm der Mond einmal voll, zu- oder abnehmend erschien, wunderte er sich zwar darüber und erkannte irgendwann den Zyklus, doch viel mehr brachte er nicht in Erfahrung.

Der Mensch war mit sich selbst beschäftigt und die Dinge über ihm konnte er nur sehen; nicht fassen. Dieses nicht fassen können drückt der Mensch heute noch mit den Worten unfassbar und unbegreiflich aus. Jahrtausende lang stellte der Himmel etwas Unerreichbares für den Menschen dar. Der Himmel war eine andere Welt, zu der der Mensch keinen Zugang fand und keinen Zutritt besaß. Der Mensch befand sich unten und der Himmel befand sich oben. Um ihn sehen zu können, musste der Mensch zu ihm empor schauen. Der Mensch richtete sein Antlitz in diese Richtung; nach oben. Vielleicht weilte dort irgendjemand. Der Mond war dem Menschen bekannt und die Sonne war ihm ebenfalls nicht fremd. Sie war wohl schon immer da. Sie machte den Tag hell und verschwand irgendwann; dann war es dunkel. Zum folgenden Tagesbeginn erschien sie wieder und erstrahlte im gewohnten Glanz. Bei Licht fühlte sich der Mensch sicher. Sicherer als in der Dunkelheit. Menschen können nachts nicht sehen, nichts erkennen und reagieren dementsprechend unvermögend.

Der Himmel gab an, immer zu leuchten und von irgendjemandem dort platziert worden zu sein. Ein seltsamer Ort, an dem sich nichts zu bewegen schien. Doch irgendwann erschien ein Komet. Ein nicht feststehendes Ding, sondern ein sich rasend schnell bewegender Himmelskörper unbekannter Herkunft, der beim Menschen Angst hervorrief. Alles über ihm Befindliche war weit entfernt und gerade darum schien ein Komet bedrohlich zu sein. Er flog auf den Lebensraum des Menschen zu. Die Ungewissheit über dieses Ereignis und die damit verbundenen Folgen erzeugten beim Menschen Angst.

Als Mann der Jagd, Vorsteher einer Sippe oder gar deren Krieger dürfen das Wissen, der Mut und der Besitz gewaltig sein. Angst darf allerdings nicht vorhanden sein. Nicht sichtbar jedenfalls. Sie schwächt bei Sichtbarkeit das aktive Umfeld und bemächtigt sich gänzlich der Moral. Angst gebiert Opportunismus wie auch Doppelzüngigkeit und entwickelt sich zur ansteckendsten aller Krankheiten. Das schwächste Glied einer Kette wird durch den Einfluss von Angst erneut belastet und der Zusammenhalt einer Gemeinschaft formiert sich unter dem Gespür von Angst zu einer eigenen, jedoch dauerhaft flüchtigen Kraft.

Der Mensch hatte ohnehin Angst. Die lähmende Furcht war allgegenwärtig. Angst vor der Dunkelheit, Angst vor dem Unbekannten und Angst vor allen möglichen Gefahren, die ihm täglich widerfahren konnten. Noch heute ist Angst eine der Urinstinkte im menschlichen Gehirn mit permanenter Gegenwärtigkeit. Ohne die Angst hätte es der Mensch niemals so weit in seiner Entwicklung gebracht. Die Angst ließ den Menschen überleben und machte ihn ebenso gewandt wie anpassungsfähig. Angst lehrt Vorsicht. Kein unkalkulierbares Risiko einzugehen und nichts leichtfertig aufs Spiel zu setzen: das ist Angst.

Mit entleertem Darm die Flucht zu ergreifen ist allemal klüger, als sich einer eventuell übermäßigen Macht auszusetzen und dabei sein Leben, oder gar das Dasein der gesamten Menschheit zu riskieren. Noch in diesen Tagen ist der Reflex, den Darm zu entleeren, vollständig aktiv und findet im Begriff sich bei Angst in die Hose zu machen seine Existenz. Diesen Reflex der sofortigen Darmentleerung besitzen ebenfalls viele Tiere, die sich vor Angreifern in Sicherheit bringen und zuvor ›Ballast abwerfen‹. Der Flüchtende ist umgehend leichter und somit schneller.

Es ist nichts anderes als der eiserne Wille der Arterhaltung, der dazu trieb. Menschen haben Angst. Die stärkste Waffe eines Menschen ist das Wissen um die Angst des anderen. Angst entwickelte sich zum steuerbaren Werkzeug. Allein die Androhung einer konsequenten Repressalie lässt Angst entstehen und macht gefügig. Um die Ursachen dieser Angst zu rechtfertigen, suchte der Mensch seit jeher eine dafür verantwortliche Institution. Irgendwas oder Irgendwer muss dafür in die Pflicht genommen oder verantwortlich gemacht werden können. Und der Mensch schaute in seiner Ohnmacht zum Himmel, sah dort merkwürdige Dinge, die sich nicht zu bewegen schienen und beobachtete irgendwann einen Kometen. Noch nie zuvor erblickte der Mensch etwas Bewegliches am Firmament. Jetzt plötzlich traf des Menschen Blick auf einen Kometen.

Der Mensch stand dem Unbekannten mit großem Argwohn gegenüber und spürte eine immense Angst in ihm emporsteigen, die sich seiner Rationalität bemächtigte und sie nie wieder hergab. Der Mensch delegierte diese Kometen einem Absender zu. Möglicherweise sogar einem noch nie vorher gesehenen Schöpfer.

Niemals zuvor schaute der Mensch auf bewegliche Himmelskörper und plötzlich rast ein Solcher mit nicht enden wollendem Schweif auf die Erde zu. Das implizierte eine massive Bedrohung! Es existierten keine Erfahrungen, keine Überlieferungen und keine Erzählungen. Niemand kannte sich mit diesen optischen Begegnungen aus. Niemand wusste über die Größe, die Herkunft, das Alter, den Verbleib, die Flugbahn und schon gar nichts über den Grund des Erscheinens. Aber es muss einen Grund geben, warum taucht plötzlich ein Komet auf. Wo war er vorher und warum ist er dort nicht geblieben?

Wer hat den Kometen in Richtung Erde geworfen?
War es eine Strafe?

Was konnte dem Menschen zum Vorwurf gemacht werden, um einen derartigen Eingriff in seinen Lebensraum zu rechtfertigen? Beging der Mensch die erste Sünde, ohne sich dessen bewusst zu sein?

Der Mensch huldigte der Sonne und bedankte sich auf Knien ob ihres lichten Erscheinens und der Wärme, die sie täglich mitbrachte. Sie verkörperte seit jeher das Leben. Nun begab sich der Mensch erneut auf die Knie und bat den Absender des Kometen um eine milde Strafe. Der Mensch musste irgendein Verbrechen begangen haben, welches ihm selbst nicht als Vergehen bewusst war, den Absender des Kometen jedoch erzürnte. Der Mensch wird demnach beobachtet, und zwar vom Absender des Kometen. Dieser Absender, der nicht nur mit Kometen wirft, sondern auch den Menschen zu beobachten scheint, ist fraglos ein höheres Wesen: womöglich ein Gott. Ab diesem Moment verbeugte sich der Mensch nicht nur vor der Sonne, sondern auch vor dem funkelnden Dach über ihm, denn er bestimmte es als das Zuhause der unbekannten Absender.

Das Zuhause der Schuldigen, der Verantwortlichen, der höheren Wesen und somit der Hort der Götter. Sie verfügen alles, existieren schon ewig und werden alles Lebende überdauern. Sie sind weise, unbestechlich und rein. Sie herrschen, beherrschen und walten. Sie verfügen über ihre Boten – Verbindungsglieder zwischen Himmel und Erde. Diese Boten ermöglichen eine Kommunikation zwischen dem Oben und dem Unten. Die Götter waren wie die Sonne. Sie waren das Licht, die Heilbringer und die gnadenlosen Richter. Die unbeugsam Gerechten und die unbarmherzig Kategorischen. So wie die Sonne den Tag verließ, um eine dunkle Welt zu schaffen, erschien die erkennbare Unabänderlichkeit in der Entscheidung der Götter, durch die Ankündigung ihrer selbst mit dem Eintreffen der Kometen.

Der Mensch vertrat die Ansicht, die Götter durch Opfergaben korrumpieren zu können, um dadurch Milde zu erwirken. Dauerhaft dargereichte Opfergaben verstanden sich somit als Hoffnung auf stete Mäßigung oder auch Verschonung. Je größer sich der Verlust beim Opfernden darstellte, desto höher wuchs die Erwartung, zumal das Bewusstsein, keinen Anspruch auf jedwede Rücksicht zu besitzen, allzeit präsent war.

Je entbehrungsreicher sich das Opfer gestaltete, desto gewaltiger stellte sich die zu erwartende Gegenleistung in der Fantasie des Opfernden dar. Brüder, Schwestern, Vater und Mutter wurden den Göttern geopfert. Nicht selten auch, um die Hierarchie zu manipulieren. Sie wurden verbrannt, enthauptet, geschändet und öffentlich entwürdigt. Je grausamer sich das Ritual der oftmals nur noch vorgetäuschten Demut realisierte, desto deutlicher sollte sich der Dank der Götter erweisen. Man bediente sich der Götter plötzlich zu Zwecken der Korruption. Die unbestechliche Reinheit des Geistes der Götter unterlag fürderhin dem Gutdünken, beziehungsweise den Eigenschaften des Menschen. Götter waren somit fehlerhaft im Sinne von nicht unfehlbar. Götter waren Sklaven ihres Gemüts und wechselten ihre Laune zwischen Zorn und Gewogenheit.

Der Mensch schaffte es endlich den wahren Grund all seiner Schuld und der ihm allein obliegenden Verantwortung hervorzubringen: Der Mensch schuf die Götter nach seinem Ebenbild!

Jeder Ursache stand ein Gott vor. Und jedem Gott versuchte der Mensch zu jeder Zeit Wohlwollen zu entlocken, indem er Unterwürfigkeit bewies. Das Ritual, den Himmel auf Knien um Milde zu bitten und ihm ein Opfer darzureichen, hielt Einzug in die Tradition jeden Stammes und somit jeden Volkes. Kinder lehrten es ihren Kindern und eine Generation folgte der Nächsten. Religionen wurden geboren. Die Wissenschaften konnten sich kaum noch frei entfalten. Auf alles erhob der Klerus Anspruch und diktierte bereits im Vorfeld den Verlauf, wie auch das Ergebnis.

Und dann versagten die Boten plötzlich ihre Loyalität und wollten selbst zu Göttern werden. Der Klang der Glocke hieß Neid! Sie wurden abtrünnig. Sie wurden des Himmels verwiesen und schufen den Ort der Verbannung. Die Abwesenheit des Lichts, der Rechtschaffenheit, der Reinheit und somit das Gegenteil jener Stätte, zu der empor geblickt werden sollte. Sie weilten jenseits des Unten, welches die Heimat des Menschen war. Sie wähnten sich in jeder Form gedemütigt und degradiert. Also trieb es sie noch tiefer nach unten. Immer weiter und weiter. Dort schufen sie die Stätte unter dem Unten, der Schauplatz des Ereignisses der ewigen Qualen. Den daraus geborenen Ort der ewigen Finsternis und der Verdammnis nannten sie Hölle. Von diesem Moment an musste sich der Mensch ebenfalls herabschauend orientieren.

Diese Ungewissheit wiederholte sich und erzeugte abermals Angst. Sie brachte nun das Dunkle, das Unerforschte, das erneut Unerreichbare und letztlich das Gegenteil des Guten und des freundlich Hellen hervor: die Hölle. Ein finsterer Ort, an dem die Abtrünnigen des Guten in ihren Verfehlungen noch nie dagewesene Qualen erleiden sollten. Ein Ort der Schmach und ein Ort der Schande, vor dem es sich zu fürchten galt.

So wie ein Teil der Menschen die Götter im Himmel anbeteten, taten es andere mit den Fürsten der Finsternis. Bei diesen sogenannten Schwarzen Messen, in denen die Mächte der Unterwelt beschworen wurden, versprachen sich die getreuen Jünger des Schattenreichs ebenfalls Protektion, nebst Herrschaft über schwarze Magie. Die Anbetung von Teufeln und deren Helfer erlebte seine Geburtsstunde. Beschwörungsformeln wurden ersonnen, Verwünschungen und Verfluchungen gesellten sich im Nu dazu und dienten ebenso der Furchteinflößung. Das Ziel war stets die Beeinflussung der menschlichen Sinne. Das Dirigieren von Wahrnehmungen bedeutete Macht.

Der Umstand zaubern zu können übte auf den Menschen einen ungeahnt gewaltigen Reiz aus, zog ihn in seinen Bann und ließ alsbald eine ebensolche feste Gemeinschaft wie die der Diener der Götter entstehen. Die dunkle Macht war das Gegengewicht zum Licht und reagierte gleichsam proportional, wie der Schatten zu einer Figur.

Der Himmel wuchs. Allem und Jedem wurde ein Gott zugewiesen und alles dort Betreffende unterlag von nun an der zugemessenen Gottheit. Es existierte ein Gott des Meeres, ein Gott der Berge, der Wiesen und Wälder, der Ernte, des Regens, der Winde, des Donners und des Blitzes. Götter des Himmels konkurrierten durch die Aktionen des Menschen mit den Göttern der Unterwelt. Der Mensch entledigte sich seiner Verantwortungen und übergab sie den Göttern. Das Gewissen war rein und die Schuldigkeit an einen fehlbaren Sündenbock delegiert. So organisierte sich jeder Stamm, jedes Volk und jede Rasse. Stießen diese Völker aufeinander, so prallten ebenfalls ihre Götter aufeinander und buhlten gewaltsam um Akzeptanz. Götter degradierte die launenhafte Zuordnung der Menschen zu willfährigen Alibis, deren einstige Anbetungswürdigkeit bespöttelt, kritisiert und hinterfragt, oder sich ihrer amüsiert wurde. Göttern gegenüber herrschte eine sowohl respektlos belehrende Unzufriedenheit, als auch ein stets beklagenswerter Zustand, der ein durch göttliche Gewalt erlangtes Resultat anzweifelte.
Der Glaube entstand und geriet zu einer metaphysischen Währung. Glaube konnte kreditiert, verzinst und außerdem vererbt werden. Der Glaube brachte eine Art Zwillingsgeschwister mit zur Welt: der Aberglaube. Wer dem Glauben widerstand, gegen ihn verstieß, lästerte oder den Glaubenshütern missfiel oder gar destruktiv agierte, war ein Frevler, beging Sünde und wurde der Buße übereignet.

Die schiere Überzeugung musste gleich beim ersten Mal bestens gelingen und nicht selten stand die Angst dabei Pate. Es gab einen Gott des Lichts und einen Gott der Finsternis. Bald wussten die Menschen selbst nicht mehr, wer letztlich Schöpfer und wer der Geschaffene war. Die Götter sind demnach Realität. Sie wachen permanent über den Menschen. Aber auch die Verbannten sind zugegen und begeistern mit Verführung und Zerstörung. Es herrschen allzeit helle und dunkle Mächte.

»Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.«

(Götz von Berlichingen – Johann Wolfgang von Goethe – deutscher Dichter
* 28.08.1749, † 22.03.1832)

Des Menschen umfassendste Sorge war seine anhaltende Angst. Sie wurde sein ständiger Begleiter. Nicht zuletzt darum vertraute er niemandem. Alsbald erkannte der Mensch, dass sein eigenes Leben und das seiner Familie und seiner Sippe Schutz benötigt.

Einem fremden Menschen zu begegnen und sich für einen anderen auszugeben war ohne weiteres möglich. Niemand wusste im Vorhinein um das Erscheinungsbild eines Fremden. Sich selbst durch eine andere Person ersetzen zu lassen, war demnach anzustreben und gelang nur dort, wo es zumutbar war. Da der Gegenüber lediglich irgendjemanden, jedoch keine spezielle Person erwartete, konnte der Effekt eines Doppelgängers vernachlässigt, beziehungsweise komplett unterschlagen werden. Um all diese Vorgänge herrschte strengste Verschwiegenheit. Dennoch war es kaum möglich gewesen gewissen Spekulationen konsequent zu begegnen.

Lange Zeit galt der gesamte Raum um das Mittelmeer als Zentrum der Welt. Dort florierte der Handel. Land- und Wasserwege wurden erschlossen und Waren erheblich bequemer und schneller zu den Handelsplätzen befördert. Der Glaube an die Götter war unabdingbar und die Regierungen mächtig. Der wahre Herrscher blieb allerdings des Menschen Angst. Einzelpersonen, Dörfer, Städte und selbst ganze Regionen wurden von Kriegern gegen eventuelle Angriffe beschützt. Dieser Umstand verschlang primär die Reichtümer der Machthaber. Sich gewaltsam fremden Eigentums zu bemächtigen stellte seit jeher den Beweis vermeintlicher Überlegenheit und falsch verstandenen Anspruchs dar.

Über gottgleiche Macht zu verfügen entwickelte sich als Rauschmittel und übertünchte den Neid auf die wahren Götter und Machtinhaber. Wahre Macht besaß zweifellos das Geld. Geld und Macht bildeten daher ein nahtloses Bündnis für alle Zeit.

Kaufleute erwirtschafteten unermessliche Reichtümer und besaßen ein Tausendfaches mehr an Kapital, als die jeweiligen Regenten der Länder. Die Abhängigkeit wuchs in die Unaufhaltsamkeit. Das gültige Ende der pekuniären Anhäufung geschäftlicher Verpflichtungen fand schließlich im Gesinnungsaustausch der relevanten Landesregenten, mitsamt seinem vollständigen Rat statt. Es geschah imaginär, nicht personell. Der Mensch vertraute dem Wort zwar mehr als der Münze, doch diese Kondition sollte eine Wende erfahren. Von jenem Tage an wurde jedes Land durch die Macht des Geldes regiert, doch dem Auge bot sich dieser Umstand nicht. Eine verschwindend kleine Gruppe verfügte die Geschicke der ganzen Welt.
Gleichsam wachte diese Macht über den Glauben und die Sitte mit unduldsamer Entschlossenheit. In den Ketten, die der Mensch einst schmiedete, hielt er sich nun selbst gefangen.

Gut und Böse, Schmerz oder Wohltat, heiß oder kalt, oben oder unten, Himmel oder Hölle und vorwärts oder rückwärts waren Worte mit Bedeutung. Worte mit Gewicht und Worte mit einer Bedingung. Worte mit Klang und Worte mit Format. Worte mit Verpflichtung und Worte mit Inhalt. Worte mit einer Botschaft und Worte mit einer Gewohnheit. Feststehende Begriffe und Werte von Moral waren es allesamt. Ihre Bedeutung wurde jedoch neu geeicht und sie kamen plötzlich anders daher. Waren es neue Worte mit neuem Inhalt, mit neuem Klang und mit neuer Bedeutung? Oder waren es alte Worte mit neuem Inhalt, mit neuem Klang und mit neuer Bedeutung? War es ein Schattenspiel oder wurde es zu einer anderen Wirklichkeit? War es bloß eine andere Perspektive oder war es von nun an der allgemeingültige Sinn allen Lebens?

Sie forderten neue Verpflichtungen und neue Verbeugungen. Die alten Diener kratzfußten vor ihren neuen Herren.

»Und willst du nicht mein Bruder sein,
so schlag ich dir den Schädel ein. «

Bernhard Heinrich Martin Karl von Bülow (* 3. Mai 1849 in Klein Flottbek, heute Teil Hamburgs; † 28. Oktober 1929 in Rom), seit 1899 Graf, seit 1905 Fürst, war ein deutscher Politiker und Staatsmann.

Schneller als die Sohlen eines Hellenen es zu befördern vermochte, verbreitete sich die Kunde, dass eine betörende Melodie auf einer güldenen Pfeife gespielt imstande war, die Behäbigkeit eines Hegemonen zum Tanz zu bewegen. Juwelen, Gewänder und Bollwerke strahlten nur bei Licht; weniger bei Dunkelheit. Und da ein Mensch dem zweiten gleicht und Blut allein Leben schenken will, zwang die Not zur Geburt des Adels.

Aufgrund vornehmlicher Herkunft mit wohlklingender Nennung privilegiert zu sein, hieß fortan das Anzustrebende: des Menschen neue Freiheit. Und zur Liebe, dem Hass, der Eifersucht und der Angst, gesellte sich die über allem wehende Gier.

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