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Das blaue Pflaster

Das blaue PflasterEs beginnt alles mit der fast schon an Naivität grenzenden Ansicht, dass nichts passiert, was später Stirnfalten erzeugen könnte. Und so entsteht dann auch ein Privatporno. Alles soll professionell wirken und den Anschein hemmungsloser Hingabe erwecken. Die Handlung wird demzufolge groß abgesprochen und im Notfall die Improvisation in Betracht gezogen.

Mama, die im weiteren Verlauf als Gespielin die Szene ergänzen wird, verschönt sich noch im Badezimmer und will auch eine unschöne Fläche ihres Gesäßes mit einem Pflaster überkleben. Leider gingen die Hautfarbenen zur Neige und so bedient sich die in einer betäubenden Parfumwolke Dahinschwebende im Kinderzimmer. Dort wird sie zwar fündig, doch sie muss sich mit einem farbenfrohen Klebeverband zufriedengeben – im Dunklen wird’s wohl nicht auffallen.

Schon immer wollten die beiden ihren Liebesakt in digitaler Form verewigen, denn man weiß schließlich nicht, wie die Zukunft mit derlei Unterfangen umgehen wird. Augenblicklich ist die Situation mehr als günstig, zumal sich die Tochter gerade im Schullandheim befindet. Die Bedenken gelten weniger der Schramme am Hinterteil, als den zugezogenen Vorhängen im Schlafzimmer und den dazu gehörenden Gedanken der aufmerksamen Nachbarn.

Fein säuberlich stellt der Papa, der im weiteren Verlauf als männlicher Akteur agiert, die mit einer Kapazität von vier Stunden Laufzeit bestückte Kamera auf. Die wiederum wurde auf einem stabilen Stativ befestigt und nimmt das komplette Geschehen auf. Eventuell hätte man noch den hilfsbereiten Nachbarn fragen können, ob er die Funktion des Kameramanns übernehmen könnte, doch der bewies sich bereits beim Ausleihen des Rasenmähers unkooperativ.

Jetzt überprüft der Hausherr noch einmal die Arena auf Vollständigkeit und hakt die Positionen durch Kopfnicken ab. An alles wurde gedacht, hoffentlich. Mutti ist fertig, sie soll tänzelnd ins Bild kommen und Vati scharf machen.

Die Beleuchtung steht, die Vorhänge sind dicht, die Klingel wurde lahmgelegt und die Kamera wartet auf ihren Einsatz. Ja – die Szene erweckt fast einen natürlichen Eindruck. Und dann beginnt das Schauspiel. Mutti wagt sich ins Bild und Vati kommt von der anderen Seite dazu, weil er den Knopf an der Kamera drücken muss. Mit deutlich eingezogener Wampe schreitet er ins Bild und zeigt viel Rücken.

Mutti erkennt es und dreht ihn leicht zur Seite, als wolle sie mit ihm tanzen. Vatis deutliche Erregung ist nicht das, was man Ausdauer nennt und somit hat es das Team bereits zur ersten Pause geschafft. Muttis Blick in Vatis Lendengegend spricht Bände, denn zum ersten Mal sieht es Vati bei Beleuchtung, wenn dies auch eher schummrig ist.

Beide sind für einen Spaziergang, denn frische Luft tut gut. Sie ziehen sich etwas über und achten nicht auf die Technik … die Kamera läuft somit weiter. Etwa 20 Minuten nimmt sie einen handlungsbefreiten Winkel des häuslichen Schlafgemachs auf, der auf eine Reanimation wartet.

Aha. Die Wohnungstüre geht auf und der männliche Akteur ist wieder bei Kräften.

Geschwind wird der Mantel abgestreift und die Bühne wiederbelebt. Das ganze Spektakel wird noch einmal unterbrochen und das Motiv war dasselbe, wie zuvor. Irgendwann war der Film dann fertig und wurde staunend, jedoch nur von den beiden, betrachtet.

Vielleicht hätte man sich doch für einen Kameramann entscheiden sollen, denn ständig filmte der Camcorder aus ein und derselben Position. Keine Nahaufnahmen. Die Darsteller verließen die Szene und eine gähnende Weile passierte nichts … aber auch gar nicht … zweimal. Und da, was ist das da, am Popo der Dame des Hauses … etwas, was da nichts zu suchen hat …

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