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Vertrauen, Zuständigkeit und Gewohnheit.Ein Gebäude, eine Brücke oder ein Turm bricht zusammen. Die verwendeten Komponenten waren von minderer Qualität, wurden fehlerhaft verwendet oder, oder, oder. Immer liegt irgendein Grund vor, der das Geschehnis zu verantworten hat und oftmals verbirgt sich hinter dieser Verantwortung eine Person, die das Szenarium zu verwalten, zu prüfen und zu überwachen hatte.

Dieser Person wurde vertraut, sie war dafür zuständig und zu ihr entwickelte sich eine Form von Gewohnheit.

Auch wenn keine Person für das Ge- oder Misslingen einer Situation zur Verantwortung gezogen werden kann, entwickelt der Mensch gewohnheitsbedingtes Verhalten in Form des Vertrauens. Diese Begründung bezieht der Mensch aus einer Gewohnheit, die im Begriff Erfahrung steckt und schiebt sie an der Gegenwart vorbei in Richtung Zukunft.

Was also schon in der Vergangenheit so war, kann in der Zukunft nicht anders passieren. Wie erwähnt: die Gegenwart findet nicht statt. Eine kritische Betrachtung im Sinne einer Zwischenbilanz wird nicht mehr vorgenommen, denn schon lange trat das Vertrauen in Kraft.

Wie lange bereits?

Gleiten wir auf unserer inneren Zeitschiene etwa 30.000 oder sogar 35.000 Jahre zurück. Der Neandertaler war noch zugegen und hantierte schon mit Fetischen herum. Holz, Federn und lose übereinander getürmte Steine, standen den Menschen zu jeder Zeit zur Verfügung und verkörperten nichts anderes als das, was es war; ein Stein, ein Stück Holz oder eine Feder. Doch plötzlich wurde den Dingen etwas zuteil, was der Mensch Bedeutung nennt. Von nun an wohnte eine geistige Kraft, eine Macht und Verfügungsgewalt ungeahnten Ausmaßes in ihnen … selbstverständlich bloß imaginär – man musste daran glauben.

Dem kleinsten gesellschaftlichen Bausteinen, nämlich den Familien, stand der Familienvorstand vor, der nicht sonderlich erkoren werden musste. Bereits zu allen Zeiten war es der Gewohnheit und der Erfahrung nach ein Mann. Und je größer die Familie wurde oder die Sippe personell zunahm, desto mehr Verantwortung lastete auf der Person, welche diese Gruppe anführte.

Dann delegierte der Einzelne seine Verantwortung an eine, des gesamten Verbands vorstehende Person (Weiser, Ältester, etc.) und machte sie gleichsam mit allen daraus entstehenden Konsequenzen vertraut. Die Vergehensbuße nahm ebenfalls an Bedeutung zu und Schuld hatte somit stets der, dem alle Verantwortung oblag. Der delegierte sie dann allerdings an die Fetische, die – seinem Wunsch und Willen nach – zu Göttern mutierten.

Für jedes und alles wurde ein Gott geschaffen. Der Gott des Feuers, des Himmels, der Erde und des Wassers … die schlechte Ernte hatte somit nicht mehr der zu verantworten, dem alle Verantwortung übereignet worden war, sondern der dafür zuständige Gott und der war nicht dinglich. Er war also nicht zu packen, zu bestrafen und zur Verantwortung zu ziehen. Nein – es (und alle anderen) waren höhere Wesen, denen gehuldigt werden musste, um ihr Wohlwollen zu erlangen. Sie wurden mit Opfergaben bedacht, um sie zu korrumpieren.

Endlich besaß der Sippenvorstand eine Macht, an die es zu glauben galt. Die Geschehnisse nahmen Ritual-Verhalten an, wurden umfangreicher, festigten sich und wurden schließlich zur Gewohnheit.

Man glaubte. In Ermangelung besseren Wissens musste man glauben.

Parallel dazu erreichten den Menschen in seiner Evolution immer mehr Erkenntnisse, denen er sich (bis zum heutigen Tage) in unnachahmlicher Kritiklosigkeit unterwarf und diese mit Sprüchen und Versen verbrämte, um sie würdiger zu gestalten, sich leichter an sie erinnern zu können und ihr schieres Dasein zu rechtfertigen.

Wir springen somit wieder ins Hier und Jetzt und werfen einen kritischen Blick in die Lehr- und Bildungsanstalten – schlicht Schule genannt. Außer den reinen Norm- und Lernfächern findet sich dort ein Schulfach, welches den Menschen auch außerhalb der familiären Gemeinschaft auf etwas konditioniert, was dem Glauben zugeteilt wurde; nämlich Religion. Hier lernt das Kind eine nicht dingliche Person namens Gott kennen und wird von Abraham bis Jesus unterrichtet.

Es geht also um Glauben. Nicht um Wissen.

Es geht um Sakramente, um Sünden, Todsünden, Selige und Heilige. Es geht um das Kreuz und die Hölle und die Hoffnung … aber es geht vorrangig darum, daran zu glauben. Es ersetzt nichts, dichtet nichts ab und repariert nichts. Es wird bloß daran geglaubt und darauf gehofft, dass es so kommt, wie es verheißen wurde. Eine Lotterie? Ein Placebo? Eine Fata Morgana? Eine zweifelhafte Begegnung? Ein Fake?

Auch hier treffen die Erfahrungen der Vergangenheit mit den Erwartungen der Zukunft unter Weglassung der Gegenwart ergänzend aufeinander. Berechtigte Kritik wird nicht ernst genommen und die Regenten stimmen stumm zu.

Der Glaube frisst am Sockel des Wissens.

Mehr und mehr schiebt sich der Begriff „glauben“ an die Bedeutung des Wortes „wissen“ und steht ihm bald Auge in Auge gegenüber. Waren diese beiden Worte mit völlig differenten Aussagen bestückt, sagen sie in Bälde dasselbe aus und keiner derer, dem die Verantwortung und das Vertrauen aller übereignet wurde reklamiert es zu Recht. Trägt er also die Schuld oder delegiert er sie auch bloß wieder an die Götter und alles wiederholt sich?

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