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Anders als Prolomos

Anders als ProlomosSeltsam sah es aus, wie sie sich fortbewegten. Sie machten drei Schritte vor und dann zwei zurück. Also machten sie eigentlich nur einen Schritt vorwärts. Manchmal liefen sie deswegen irgendwo gegen, stießen sich den Kopf an oder rempelten mit einem anderen Prolomo zusammen. Die Vorwärtsbewegung war sehr anstrengend. Es war aber Tradition, und wurde seit Generationen so vollführt.

Niemals kam der Gedanke auf, es zu ändern. Seitwärts konnten die Prolomos nur rollen. Und wenn sie sich rückwärts bewegten, schoben sie sich regelrecht in die entsprechende Richtung, denn sie konnten sich nicht drehen, ohne sich vorher seitlich zu rollen. Erst wenn sie sich seitlich abrollten, standen sie in umgekehrter Richtung. Das kam glücklicherweise sehr selten vor, denn Prolomos bevorzugten die Vorwärtsbewegung.

Prolomos waren blind und erkannten sich entweder am Geruch oder an dieser eigentümlichen Art sich fortzubewegen. In dichten Wäldern könnte man sie treffen, wenn man ganz leise war. Scheu wären sie und zeigten sich oft nur in der Nacht. Noch nie wurde ein Prolomo tagsüber gesichtet und Versuche sie tagsüber anzulocken schlugen fehl. Womit hätte man sie locken können?

Anders als ProlomosÜber ihre Gewohnheiten war so gut wie nichts bekannt. Auch ihre Essgewohnheiten waren den Forschern gänzlich unbekannt. Ihre Nist- und Schlafplätze wiesen nie Reste von Nahrung auf und Exkremente schienen sie keine zu produzieren. Es existierten keine Bilder von ihnen. Nur Zeichnungen waren irgendwann entstanden, aber auf denen konnte nichts erkennbar werden. Andere Lebewesen wurden auch im Zoo bestaunt. Alle anderen Lebewesen waren anders als Prolomos.

Prolomos werden meistens nicht alt. Ihr Lebensraum ist die Phantasie und nur dort fühlen sie sich wohl. Je größer die Phantasie ist, desto größer werden sie und umgekehrt. Stirbt die Phantasie, dann sterben auch sie.

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