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Dran bist du noch lange nicht…Es ist diese völlig unbekannte Position, der der Mensch willenlos ausgeliefert ist, sich ihr jedoch ergeben wird, und zwar ohne Alternative: der Tod. Angenommen, die Kante des Tisches vor dem man sich gerade befindet stellt das eigene Leben dar. Links beginnt diese Tischkante, also auch das Leben, und rechts hört sie auf, also auch das Leben. Irgendwo dazwischen befindet sich das Jetzt – aber wo. Noch am Anfang oder schon am Ende? Mehr links oder mehr rechts? Wieviel Zeit ist schon verstrichen, und wieviel Zeit bleibt noch?

Bange Fragen! Leise Fragen! Unbescheidene Fragen! Lohnt es sich noch einen Frack nach Maß fertigen zu lassen? Erlebt man die Fertigstellung der individuell gefertigten Yacht noch, die Einschulung der Kleinen, die Prüfung des Großen, und was haben sich die Ägypter oder die Mayas eigentlich gedacht, als sie einen Weltuntergangskalender schufen? Wurden die Zeichen womöglich falsch gedeutet? Wird der Mensch der Zukunft zumindest aus den Schriften des „Jetzt“ erleuchtet?

Leben ist kein Anspruch. Leben ist eine Gnade. Endeten nicht schon unzählige Leben gleich nach der Geburt? Deren Position an der Tischkante war demnach extrem links geblieben. Die Länge der Tischkante spielt dabei keine Rolle. Die aktuelle Position allerdings. Jedes Leben besitzt eine Position. Niemand weiß allerdings wo. Niemand? Das ist nicht ganz korrekt. Das Bewusstsein will einen üblen Streich spielen, dem nichts entgegnet werden kann.

Ein Mörder weiß um die Position eines anderen, dessen Leben er zu beenden beabsichtigt. Er verrät es im Regelfall nicht. Für den Unwissenden ändert sich also auch nichts. Ist der Lebende jedoch gleichsam derjenige, der das Leben beenden wird, ändern sich die unbekannten Faktoren in offensichtliche. Die jetzt erreichte Situation ist als Suizid bekannt. Eine Position in die Tischkante zu ritzen ist nicht von Sinn. Sie gäbe niemandem Auskunft.

Zwischen „ene mene mu…“ und „high noon“ ist nicht viel Platz.

Dran bist du noch lange nicht…Eine Kerbe im Colt jedoch. Sie gibt Auskunft über die bisher getätigte Leistung. Schon erbrachte Aufträge wurden vielerorts derart markiert. Aber auch ein Kerbholz diente dem Überblick – der Buchhaltung. Über Plus und Minus, Soll und Haben, Schuld und Tilgung und selbst über Leben und Tod wurde stets Buch geführt. Sterben wird nicht verboten, bloß weil der ortsansässige Friedhof keinen Platz mehr aufzeigt.

Die Bedürftigkeit ist erkennbar, wenn jemand auf die andere Seite der verkehrsreichen Straße geführt wird. Gerne wird hier Hilfsbereitschaft bewiesen. Diese Hilfsbereitschaft wird als Mord bezeichnet, führt sie nicht über die verkehrsreiche Straße, sondern aus dem Leben. Hier steht das Stoppschild der Ethik auf dem schon mehrfach renovierten Sockel altertümlichen Denkens, zumal die Gleichheit des Handelns keineswegs weltweit einheitlich geschieht. Würden sich die Positionen an den Tischkanten ändern? Nein. Keine der drei. Bloß wäre das Jetzt bei einigen deutlich mehr rechts.

Empathie als Verlängerung traditioneller Erziehung? Mitleid als pathologische Gefühlsduselei, als anerzogene Äußerung präventiver Anteilnahme? Als Sympathiebekundung im Sinne einer Mannschaftsaufstellung? Also wäre es Ignoranz gegenüber dem Unbekannten, Arroganz gegenüber dem Leiden und Eitelkeit aufgrund des Dünkels.

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