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Berufswunsch 1963: Rennfahrer.Sicher sah niemand darin die Wiedergeburt der Starrhalsigkeit, wenn ich als Kind in Sachen Berufswunsch Rennfahrer angab. Es war die Vorstellung meiner beruflichen Karriere, und eine Verwirklichung kindlicher Illusionen. Der Feuerwehrhauptmann oder der Polizist standen als Wahlmöglichkeit nicht auf meiner Wunschliste. Ein flottes Gefährt mit breiten Reifen und der Aussicht irgendwann einmal auf dem Treppchen mit der 1 stehen zu können, waren meine Träume.

Eisenbahner wurde begehrt gehandelt; weniger in meinem Kopf jedenfalls. Lokführer oder Pilot eines schnellen Fliegers wäre ebenfalls eine Option gewesen, aber auch die fanden sich nicht in meinen Zukunftsgedanken. Viele Dinge, die erst später den Weg in mein Leben fanden, spielten damals keine Rolle. Prestige, Geld und Macht existierten in einem anderen Universum, zu dem ich noch keinen Zutritt besaß. Worte wie „Boxenluder“ schuf der Boulevardjournalismus erst Jahre später.

Und dann stand ein Go-Kart unter dem Weihnachtsbaum. Knallrot war es mit einem schneeweißen Sitz aus ergonomisch geformtem Blech, wie bei einem alten Traktor. Pedale mit Kettenantrieb wirkten auf die fingerdicke Hinterachse, und beförderten mich in den siebten Himmel meiner Träume. Endlich hatte mein Traum eine Form, und das „Brumm-Brumm“ ein Motiv. Vollgummi und Eisen statt Plastik.

Hurra! Kettenantrieb! Das hob meine Kart-Technik von den, per Schubstangen angetriebenen, Tretautos deutlich ab.

Eine unruhige Nacht stand mir bevor, denn erst am Folgetag durfte ich mit dem roten Flitzer auf die Straße. Die Wege waren witterungsfrei. Je nach körperlichem Einsatz, bzw. persönlicher Beinkraft, erreichte das Gefährt berauschende Geschwindigkeiten. Ich erinnere mich daran, dass die Straße vor unserem Haus starkes Gefälle vorwies, und das kam mir gut zu pass.

Berufswunsch 1963: Rennfahrer.Das gesamte Prozedere erinnerte sehr intensiv an die Abfahrten mit einem Schlitten. Auf diesen Pisten ist glücklicherweise nicht mit Gegenverkehr zu rechnen. Zuerst wurde das Gerät den Berg hinauf geschleppt, um dieselbe Strecke in erheblich weniger Zeit, jedoch mit deutlich gesteigerter Freude hinunterzurasen. Das müsste mit einem funkelnagelneuen Kett-Car ebenso zu schaffen sein. Also los.

Das Go-Kart wies einem Schlitten gegenüber den Vorteil auf rollen zu können. Die erste Abfahrt gelang mir noch mehr oder minder unbeobachtet. Die damit verbundene Freude musste ich mit niemandem teilen. Ich konnte kaum atmen, so tief in mir steckte die Begeisterung. Bei den darauf folgenden Non-Stops konnte ich die liebgewonnene Anonymität nicht mehr genießen. An der gedachten Ziellinie wurde ich jubelnd empfangen, als hätte ich das Rennen gewonnen.

Da ich mich jedoch allein auf der selbsternannten Piste befand und somit gar kein Rennen stattfand, ließ ich mich dennoch bejubeln. Ein Rennen gewann ich allerdings: Ich ließ alle anderen Weihnachtsgeschenke weit hinter mir. Und Rennfahrer? Rennfahrer wurde ich nie.

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