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Wir hatten ja damals nichts…vielleicht gab es aber auch damals nichts. Jedenfalls nicht das Gewünschte; nicht das Gewünschte für mich. Es war 1960, also war ich knapp 6 Jahre als – fünf, um genau zu sein. Aber als Kind schummelt man gerne. Älter möchte man sein, und dieser Wunsch wechselt erst später ins Gegenteil – viel später. Karneval stand vor der Türe, und als Rheinländer ist das wie ein Marschbefehl.

Meinem Wunsch, als Cowboy verkleidet dem Spektakel beiwohnen zu dürfen, wurde umgehend entsprochen. Das Ergebnis der Verkleidung entsprach allerdings nicht einmal annähernd meinen Vorstellungen, die den Westernhelden der Flimmerkiste, oder den Comic-Heftchen nachempfunden sein sollte. Nach meinem Empfinden entsprach ich eher einer traurigen Gestalt namens Don Quichote.

Ein Hut mit breiter Krempe ist kein Cowboyhut, wenn er aus Stroh gefertigt wurde, und ein Teddy-Jäckchen verkörpert keineswegs den knallharten Kerl, den ich zu verkörpern bereit war. Aber es war Februar und recht frostig. Seinerzeit verbuchte dieser Monat noch recht winterliche Temperaturen.

Wir hatten ja damals nichts…Mein Outfit hingegen verbuchte Lachkrämpfe, aber es hielt warm. Indianer spüren vielleicht keinen Schmerz, von Kälte war aber noch nie die Rede. Jedenfalls nicht im Zusammenhang mit den Schmerzen besagter Indianer, und im Übrigen wollte ich letztlich ein Cowboy sein.

Und das Pistolenhalfter, welches ich mir selbst aus diesem bunten Plastikstecksystem zauberte, war der Witz der Woche. Es war Spielzeug. Das, was ich wollte, jedoch nicht besaß, wäre zwar auch Spielzeug gewesen, aber es hätte nicht danach ausgesehen, und genau darum geht’s doch.

Das: so zu tun als ob… ich schämte mich, und sah mich vor meinem geistigen Auge als Ziel des Gespötts der ganzen Stadt – des ganzen Landes – der gesamten Welt… des gesamten Universums und aller Cowboys, was eigentlich die größte Pleite darstellte. Meine Hose war keine echte Cowboyhose und die Schuhe – ohne Sporen, ein Witz. Ein Schaukelpferd wäre die Krönung gewesen, ein Steckenpferd mein Tod.

Der angemalte Bart überspielte keinen der sonstigen Mängel; er machte die Sache nur noch schlimmer, und einen düsteren Blick hatte ich seinerzeit noch nicht in petto. Mein Wunsch mich als Cowboy zu verkleiden und am Karneval teilzunehmen wurde von Augenblick zu Augenblick weniger. Womit ich korrumpiert wurde schlussendlich hinzugehen, weiß ich heute nicht mehr.

Ich fiel nicht auf. Die anderen Kinder sahen ähnlich aus. Offensichtlich konnte sich zur damaligen Zeit wirklich niemand ein Cowboykostüm für Kinder leisten. Aber niemand hatte einen solchen Hut wie ich. Die meisten trugen die Kapuze vom Anorak. Cowboys mit Anorak… so was Beklopptes…

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