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So weit die Füße tragenEs war 1962, als diese sechs Teile als Filmreihe des gleichnamigen Spielfilms von 1959 über den Bildschirm im Wohnzimmer flimmerten, und mich Bekanntschaft mit einem Herrn Weiss machen ließen. Erst viel später steuerte Hans Weiss in der Rolle des Kapitäns das Traumschiffs, und erlangte zum zweiten Mal bundesweite Popularität.

Ein Mann floh, fror, wurde verletzt und rannte unentwegt um sein Leben. Das waren die Eckpfeiler, auf die sich meine Erinnerung stützen. Spannend war diese Mini-Serie allemal und der Titel grub sich als Begriff tief in mein Gedächtnis. Wovor er floh war mir damals nicht bewusst, und wohin er floh wusste ich wahrscheinlich auch nicht. Dass er floh, sein Leben aufs Spiel setzte und letztendlich überlebte; das war der Kern.

Umbruch, Neuorientierung, Beginn.

Momentan machen viele Momente auf Situationen aufmerksam, die eine Flucht beinhalten. Entbehrung, Qual und Schmerz sind gegenwärtig. Neigt der eine Gedanke zum Holocaust, treibt es die anderen Gedanken auch in die Lager. Die einen wurden dorthin deportiert, die anderen deportierten sich zum Schutz selbst.

Flucht war der Auslöser.

Strapazen bis zur völligen Erschöpfung sind der ständige Begleiter – damals wie heute. Das Gewohnte, das Eigene, den Besitz, mitunter auch das Erbe hinter sich zu lassen – wortlos oder wehklagend zu gehen, was macht’s für einen Unterschied. Hinein in die Ungewissheit, ein Sprung ins kalte Wasser mit verbundenen Augen, bei klirrender Kälte.

Frauen und Kinder zuerst. Gerettet bleibt das eigene Leben.

Die Aggregate laufen rund um die Uhr auf Hochtouren, aber es wird nicht warm. Alles ist viel zu nah, alles steht viel zu eng. Das Leben steht direkt vor den Augen, und stellt Forderungen, die kaum erfüllbar sind. Laute Stimmen erklingen, und erneut machen Erhebungen die Runde. Mürrische Blicke schweifen umher: Trau, schau, wem.

Niemand erscheint in einer Uniform. Bisher. Von Schusswaffengebrauch ist offiziell auch noch keine Rede. Bisher.

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