Feed on
Posts
Comments

Urlaub von der FreiheitOh ja, edel sei der Mensch, hilfreich und gut, sinnierte einst Dichterfürst Goethe. Oder spottete er? War er heimlich Satiriker? Jedenfalls sagte er es nicht erst neulich, sondern einst. Es ist also schon eine Weile her, das MHD* wäre demnach schon abgelaufen, befände sich auf weisen Worten früherer Epochen ein solches. Was fiele Herrn Goethe zum momentanen Geschehen ein? Was ist augenfällig? Was ist vordergründig? Was darf/kann/muss/will kritisiert werden?

Die Ignoranz der Gleichheit.

Sozialismus ruft der eine und Kapitalismus ein anderer. Zur Bekräftigung der jeweiligen Argumente wird – wie könnte es anders sein – die Keule zu Rate gezogen. Und ein weiteres Mal geriet der Essay über den Sozialismus zur Glosse. Und Goethe? Der hats gottlob schon hinter sich. Wie viele vor ihm schon und jene, die ihm folgen werden. Nein, nicht jeder hinterlässt einen weisen Spruch, erteilt weise Ratschläge oder macht sich sonst wie unbeliebt.

Neid erscheint auf dem Plan, denn was hat schon so ein Spruch an sich? Nichts, oder doch? Regt er Neid oder Vernunft an, oder womöglich beides? Sicher kann man sich nicht sein. Also schaut man sich um und wartet erst einmal ab. Es ist wie beim Erlegen einer Stubenfliege mittels einer Fliegenklatsche. Wenn sie regungslos daliegt, holt man erst einmal richtig aus und schlägt erneut drauf, bis man sich ihr unbedenklich nähern kann, diesem Monster. Aber sicher ist man sich immer noch nicht.

Urlaub von der FreiheitDa war doch mal was. Keiner hatte mehr, keiner hatte weniger, alle besaßen gleichviel … besser gesagt gleichwenig. Kommunismus, Sozialismus … Marxismus … Leninismus … Stalinismus … irgendein Ismus. Imperialismus und Kapitalismus scheiden aus. Da ist Neid nicht nur erlaubt, da ist Neid gefordert; die Seele des Spiels sozusagen. Das Rückgrat der florierenden Wirtschaft. Der Pasch des Kleinen Mannes. War Marx also ein Irrer? Irrte er sich in all seinen Annahmen oder irrte er sich lediglich im Jahrtausend?

Aristoteles (385 v. Chr. – 322 v. Chr.) sprach von Demokratie, aber auch von Oligarchie.

Was wäre ein Dasein ohne Neid? Es wäre fad. Keine langen Hälse wegen des Sportwagens im Nachbarhof und keine Reise nach Fernost der Kultur wegen. Die Schönheitschirurgie wäre eine einsame Insel, zumal jeder mit sich so zufrieden wäre, wie er zur Welt kam. Alle hätten eine Villa mit Garten, oder eine hübsche Plattenbauzuflucht mit Lärm. Alle besäßen einen roten Flitzer oder ein Fahrrad, oder ein rotes Fahrrad.

Urlaub von der FreiheitUnd alle wären satt. Niemand ging außer Haus essen, warum der Aktienmarkt im Franchisegewerbe sehr volatil reagierte. Nicht nur der Rubel rollte, sondern Rollgeld käme ohnehin zu neuen Ehren. Brot besäße wieder einen Stammplatz auf der Speisekarte und Opas guter Kammgarnanzug stünde auf der Erbschaftsliste. Jeder wäre zufrieden, wenn … wenn die Tradition dies lehrte, aber sie lehrt Neid.

Und da der Mensch edel ist, hilfreich und gut, gehorcht er anstandslos.

* Mindesthaltbarkeitsdatum

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: