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Buchstaben-BegriffeIrgendwie drängt sich das Gefühl auf, es würden ständig mehr. Mehr von diesen Dingen, denen ein einziger Buchstabe mit einem Bindestrich voran steht. In Deutschland begann das spectaculum ominösum mit der „K-Frage“. Hier stand das „K“ für Kanzler und wurde wahrscheinlich aus Platzmangel zur Initiale geschrumpft. Doch aus dieser Not entstand mit der Dynamik eines Erfinders ein Trend und der hält an. Irgendwann lassen sich die Mitarbeiter der Duden-Redaktion * einen Begriff einfallen, der ein solches Gebilde bezeichnet.

Dann wäre es offiziell, legitim und könnte nachgeschlagen werden. Endlich hätten die botoxignoranten Falten auf der Stirn eines staatlich geprüften Klugscheißers keine Lebensberechtigung mehr, wenn von einem „Buchstabe, Bindestrich, Begriff“ gesprochen würde, welcher in seiner puren Erscheinung keinerlei Bedeutung verbreitet. Wer kann sich schon etwas unter der „M-Sache“ vorstellen? Doch nur handwerkerinnungsaffine Gesellen, die mit dem M Mehl, Maler, Murks oder Mauer in Verbindung bringen. Dass es sich jedoch um M wie Merkel handelt, wird nur demjenigen zum Begriff werden, der hinter Merkel eine Sache oder eine Funktion wittert.

Den Liebhabern us-stämmiger Filme aller colœr ist das L-Wort kein unbekanntes. Offensichtlich trennen sich us-amerikanische Bürger ungern von Worten wie Lauschangriff, Ledernacken oder Liebe, die mit eben diesem „L“ beginnen. Schon weit vor der ersten Ausstrahlung im Jahre 2004 war „Das L-Wort – wenn Frauen lieben“ in aller Munde, bzw. nicht. Die Serie wurde nicht zum Dauerbrenner und ist auch hierzulande weniger bekannt. Und dem L-Wort stellen sich in diesen Breiten erheblich weniger Barrieren in den Weg. Die Deutschen gewähren dem „L“ Entfaltung, geben dafür jedoch anderen Initialen die Sporen. Das F wird geschmäht, könnte es zum Beispiel „ficken“ bedeuten.

Buchstaben-BegriffeDas F-Wort als Synonym für den „fröhlich fummelnden Firlefanz“ mutierte zum Beispiel für stümperhaftes Übersetzen, auch bekannt als S-Wort (S=Skandal).

Spätestens jetzt tritt die Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes ins Licht und konstatiert, dass es sich bei den zur Initiale geschrumpften Buchstaben womöglich um Worte handelt, derer man sich ausgesprochen schämen könnte, oder die unangenehm, unangemessen oder gar dreist daherkommen. Bei L wie Liebe tritt kaum Verständnis auf und bei Merkel ebenso wenig. Ficken wäre da schon ein anderer Patient. Und Kanzler – na ja, geht so. Nichtdeutsche – und das sind mehr als man vermutet – stehen bei diesen Wortspielen ständig im Abseits des Geschehens.

Ein Franzose (als Beispiel) ist es von umgangssprachlichaffinen Angelsachsen gewohnt mit „fuck“ in allen Varianten bombardiert zu werden. Schwenkt der Freund der reschen Baguette seinen Gehörgang nun in Richtung deutscher Gefilde, trifft er auf hiesig Geläufiges. Damit war zu rechnen. Jetzt wird das Buchstaben-BegriffeOhr mit Worten und Buchstaben beträufelt, welche weit ab von der Treffsicherheit des Wortes „fuck“ sind, oder durch „ficken“ ersetzt; also das F-Wort. Damit war auch zu rechnen. Ebenso streifen diese grammatikalischen Laubsägearbeiten wie das K-Wort, die M-Sache und andere Abenteuerlichkeiten das Ohrläppchen. Damit war nicht zu rechnen.

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Wie soeben verlautbar wurde, ist eine derartige Wort-Konstellation als „IB“ (I=Initiale, B=Begriff) bekannt. Nicht zu verwechseln mit dem ebenso bekannten Kürzel „IB“ für „Infantile Bildung“.

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