Feed on
Posts
Comments

Eins zwo drei – zwo zwo dreiWie-ge-schritt, seit und schließ. Wer mitgeschunkelt hat war bestimmt auch in der Tanzstunde und wen die Mathematik der Titelzeile nicht erreichte, befand sich während einer Damenwahl gerne auf der gekachelten Örtlichkeit der Lokalität. Stets erfuhr die Herrentoilette die Beliebtheit einer Freibieranlage, wenn die Lautsprecher „Damenwahl“ verkündeten. Wahrscheinlich war es auch der Augenblick, in dem der Sprint erfunden wurde. Maximale Beschleunigung auf kurzen Distanzen.

An den Abenden der Wochenenden verwandelten sich viele Tanzschulen in Discos für jedermann und waren schnell als beliebter Treffpunkt bekannt. Dann war es egal wer das Parkett betrat. Tanzen hieß jetzt in erster Linie Körperbewegung und es gab keine Richtlinien. Wer den einen oder anderen Tanzkurs belegte, besaß dadurch nicht gleichsam Vorteile in Sachen Hüftschwung. Bei Über- und Unterwürfen, Rollen und Drehungen wäre ein Judo-Kurs die passendere Alternative gewesen. Allein hingehen und zu zweit rauskommen; das war für viele des Pudels Kern.

Eins zwo drei – zwo zwo dreiPhantasielose Äußerungen der Marke „ich kann nicht tanzen“ trafen zwar auch einen Kern, kennzeichneten den Dauer-Loser jedoch schon seit der Antike. Verstauchte Knöchel und „zwei linke Füße“ gesellten sich ebenso zur Einfallslosigkeit, falls diese nicht bis zum Knie in Gips verpackt erschienen. Wenn schon keine Lust zum Tanzen bestand, dann sollte wenigstens mit einem adäquaten Spruch aufgewartet werden können. Schließlich befanden sich die Leute auf einer Vergnüglichkeit und das verpflichtet.

Der DeeJay stand immer hoch im Kurs. Er erfüllte Musikwünsche und kam allein dadurch einem gnadegewährenden Herrscher verdammt nahe. Mit ihm wollte jeder tauschen. Er beherrschte die Technik, ihm gehörten die Platten und Kassetten und er kannte sich extrem gut in den Hitparaden aus. Ja – DJ’s hatten immer alle Hände voll zu tun, bekamen Freibier am laufenden Band und fuhren das angesagteste Moped. Sie besaßen als erster im Ort einen Führerschein nebst Auto und waren scheinbar automatisch der Mittelpunkt. Und sie wurden nie zum Tanzen aufgefordert. Allein das machte ihren Status beneidenswert.

Eins zwo drei – zwo zwo dreiBei etlichen weiblichen Besuchern dieser Veranstaltungen, standen unzählige Herzen pochend Schlange und warteten auf den richtigen Moment. Welcher allerdings der richtige Moment war, wusste niemand im Voraus. Es gestaltete sich gerne als Gratwanderung den richtigen Moment abzupassen. Nur ein winziger Schluck zuviel und dieser Moment war geplatzt. Dann wartete das bangende Herz wieder eine Woche auf dieselben Ereignisse. Die Tanzschule wurde wieder zur Disco und der richtige Moment, um bei ihr zu landen, schien sich bis ans Ende des Universums zu bewegen.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: