Feed on
Posts
Comments

Spoileralarm!

Spoileralarm!Dass Jesus gestorben ist, wird hoffentlich niemanden mehr beim Besuch einer Kirche erschrecken. Und dass die Titanic selbst nach der x-ten Neuauflage nicht als U-Boot enden wird, sollte selbst dem Anticineasten klar sein. Der erste Papst hieß Petrus, also eigentlich Simon und die Kasperlepuppe hat einen Holzkopf voller Stroh, kann aber trotzdem sprechen, wobei es – im Gegensatz zu Schneeweißchen und Drachenblut – Sonny & Cher als Duo tatsächlich gegeben hat. Ernie und Bert hingegen sind Puppen und Alfred ist Batmans Schwippschwager; nun ist es raus.

Wähnte man einen windschlüpfrigen Anbau der vorderen Regionen bei Fahrzeugen noch unlängst als Spoiler, so mutiert dieser nun zu plapperhaften Säugetieren der Spezies Mensch. Unbedachtes Ausplaudern von alltäglichen Finalen kann die Toleranzgrenze der Mitmenschen über Gebühr strapazieren; ja selbst Kriege können durch derlei Verhaltensweisen ausgelöst werden. Von Kneipenschlägereien ganz zu schweigen.

Nichtsahnend faselt jemand den Geheimcode der Langstreckenraketen beim Veteranentreffen ausgedienter Spione dahin und schwupps, wird er als Spoiler tituliert und nimmt überdies jedem Anwesenden den Schneid, sein Wissen den Nachkömmlingen weiterzugeben. Zu Missverständnissen höchster Bedrängnis führt es ebenfalls, wenn der zeitig nach Hause eilende Ehemann seine Frau mit einem Gelegenheitsliebhaber in den Schlafgemächern erwischt und sie dann „Spoileralarm!“ ruft, zumal sie Willens war, ihre Affäre beim gemeinsamen Abendmahl zu beichten.

Was man nicht weiß, macht keinen heiß.

Spoileralarm!In früheren Tagen schätzte man Personen mit seherischen Fähigkeiten. Sie waren selbst in den höchsten Häusern willkommene Gäste. Die Zukunft zu wissen, den Ausgang einer Schlacht zu deuten oder auch bloß den Verlauf einer Ehe, war ein mehr als begehrtes Unterfangen. Nach heutigem Verständnis wäre Nostradamus der König aller Spoiler, dieser Schuft. Plauderte er selbst Finale aus, von deren Existenz noch nicht einmal jeder beseelt wurde, dieser Lump. Und er schrieb es sogar auf.

So ist der Mundschutz gar keine Infektionsbarriere, sondern in Wirklichkeit stellt er einen Spoiler-Dämpfer dar, um schwerhörigen Anwesenden das Gespoilerte eines Verbaldiarrhöisten unverständlich zu servieren und gleichsam die Herkunft zu verschleiern. Das ist pfiffig. Ungeachtet dessen wird das optische Spoilern gnadenlos weitergeführt. Anstatt sich an der Kasse eines Supermarkts – ob der zu zahlenden Besorgung – überraschen zu lassen, knallen die bonbonbunten Etiketten mit exakter Preisangabe aus den Regalen und vergällen den Einkauf.

Trotziges Fußaufstampfen gerät zur Pflichtübung!

Eine Schande ungeahnten Ausmaßes wäre entstanden, hätte der seinerzeitige Chef-Scripter der Star-Wars-Reihe gespoilert, dass er der Vater ist. Also Lukes. Also Darth Vader. Also – dass Darth Vader Lukes Vater ist. Wer hätte das geahnt und wer hätte das geglaubt? Die Phantasie scheint hier eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen, ebenso die Wahrscheinlichkeit. Also doch Hellseher? Fühlt sich der Bespoilerte mehr als Überrumpelter oder mehr als Betrogener?

Spoileralarm!Wäre dem Bespoilerten eine völlig andere Variante lieber gewesen? Wäre diese Variante auch möglich gewesen? Im Sinne der Moral, der Ethik und der Hygienevorschriften? Von wegen Lukes Vater war die dritte Maschine von links in der Episode mit dem staubigen Planeten und wer genau aufgepasst hat, hätte es wegen des öltropfenden linken Knies der Maschine ahnen können. Und in der nächsten Verfilmung sinkt die Titanic wieder und Jesus bleibt für immer verschollen. Hoppla…

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: