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Schon wieder!

Schon wieder!Es liegt am Biene-Blüte-Prinzip, anders kann es nicht sein. Die Biene findet nur zur Blüte und gewährleistet dadurch Bestäubung, wenn sich die Blüte als solche präsentiert. Anders gesagt: fände die Biene selbst per GPS nicht zur Blüte, sähe diese aus wie das Modell „Mensch ärgere Dich nicht“. Ganze Industriezweige leben davon, dass die Blüte, also die holde Weiblichkeit, Gelegenheiten zum besseren Ausstaffieren erhält.

Ein wenig Polsterung hier und ein wenig Straffung dort, ein wenig Make-Up da und da und ein wenig Puder, na du weißt schon wohin. Alles muss ihre Ordnung haben und Pralinen sehen in einer adretten Packung auch hübscher aus. Die Damen in Latzhosen und einer eigenwilligen Haartracht verfolgen andere Ziele. Der Individualismus schreckt auch hier vor nichts zurück. Von einer Party zur nächsten sind sie unterwegs und zeigen sich von ihrer allerbesten Seite.

Schon wieder!Gefolgt vom Gewitter der Blitzlichter der Fotografen und der akribischen Journaille, deren bewertende Texte man am folgenden Tage in den Magazinen lesen darf, die der Frisör parat hält. Die oder die oder auch die kamen im selben Kleide, welches sie schon beim Ball der „Falschen Fuffziger“ oder zum Empfang der „liberalen Freibeuter“ trugen: Schon wieder! Nicht umgezogen oder Ebbe im Schrank? Das sieht nicht aus, das gefällt nicht, das fällt glatt durch, das ist eine gesellschaftliche Ohrfeige.

Empörung macht sich bemerkbar, denn so geht es nicht! Kleider werden – wenn überhaupt – nur einmalig getragen und danach der Altkleidersammlung eines karitativ arbeitenden Vereins übereignet, wenn auch nicht persönlich. Nur so findet die Biene auf die Blüte. Bei Männern ist das völlig anders. Wenn Jupp nach Feierabend seine Stammkneipe betritt, schreit niemand hysterisch herum und macht den Rest der Welt darauf aufmerksam, dass er schon den ganzen Monat (und wohl auch den davor) ein und denselben Kittel anhat.

Schon wieder!Neben Jupp nimmt Schorse Platz und auch der trägt schon die ganze Woche (und es ist immerhin schon Mittwoch) ein und dieselbe Latzhose (ohne Kniff). Der dritte im Bunde dieser Modeignoranten ist Kalle (eigentlich Karl-Heinz mit Bindestrich), der in leberwurstbraunem Breitkord und vollgekleckerter Maurerjacke das Lokal beehrt. Fraglos stellt der Kellner (und auch hier ist die Rundfalte der Beinkleider mehr als auffällig) die georderten Biere auf den Tisch und hinterlässt das Gefühl, als könne man sich in seiner Hose spiegeln. Schon wieder! Und dabei trägt er sie erst drei Jahre ohne Pause.

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