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Wir lieben den Fiesling!Ob er nach Öl bohrt oder in der Nase. Ob er der Underdog mit besonderen Fähigkeiten oder der Allroundloser ist. Ob er der latent Kriminelle mit Hang zum Oberschurken oder zum schlimmen Finger persönlich ist; wir lieben ihn, den Fiesling. Er scheint sich in uns allen verborgen zu halten und sich bei Bedarf an der Oberfläche zu zeigen. Ob Milchgesicht oder Scarface, ob Hüne oder Gollum; wir nehmen sie mit auf in unser Nachtgebet und wünschen ihnen den Sieg.

Wenn sie ihre gestohlenen Autos in eine vor sich hin modernde Müllhalde verwandeln, um dann quer durch die Stadt von einem Polizeiauto verfolgt zu werden, das mit aktiven Blaulicht und aufbrüllenden Fanfaren kaum zu überhören oder zu übersehen ist und ihnen nach der dritten großen Kreuzung entwischt, wie ein Stück Seife in der Badewanne. Ob Kaugummi kauende und stoppelige Visage oder glattrasierte Gesichtstapete; der Fiesling ist der geheime Held.

Er kann Kriege entfachen oder Nationen in die Knie zwingen, er wird immer seine Sympathisanten zu mobilisieren verstehen. Verständnis kommt auf und wird zuteil, wo sonst nur Kopfschütteln zugegen ist. Unverständnis ist das eigentliche Hauptwort. Die innere Solidarität weist die Richtung und selbst der gehasste Bürochef erlebt das freundliche Gesicht seiner fleißigen Mitarbeiter. Irgendwas innen drin sagt uns, dass wir gerne diese Person wären.

Die Person, die im Grunde genommen niemand leiden kann, auf die man allerdings reflektiert und die es versteht andere selbst mit Blicken zu steuern. Zu dieser Person fühlt man sich hingezogen und würde liebend gerne mit ihr tauschen. Der Desperado mit Kompass zur Überlegenheit. Der Wunsch zum Durchbrechen der Gesetze und der Moral ohne Repressalien. Der Eingesperrte mit der Feile und Bereitschaft zum jederzeitigen Ausbruch. Aber es fehlt an etwas. Es fehlte uns vielleicht der Mut.

Wir lieben den Fiesling!Staunend sitzt man dann vor einem unbegreifbaren Universum, in dem ein Todesstern sein Unwesen treibt und der Herr der dunklen Macht regiert, wenn er spärlich beleuchtet unter der Kapuze seiner Kutte hervorlugt und mit knarrender Stimme Befehle erteilt, die sein ebenso bösewichtiger Genosse Darth Vader umzusetzen Willens ist. Man ertappt sich dabei, wie man die Hände reibt – seine eigenen Hände. Als Schadenfreude ist diese Bewegung bekannt.

Und auch die oftmals weniger beliebten Seriendarsteller der Soaps in der Rolle des Chef-Fieslings. Allein das üble Grinsen hinter den leicht hochgezogenen Schultern. Diese unterdrückte Häme und der Anflug eines sabbernden Hyänengebisses beim Anblick einer zu Tode gehetzten Beute. Dieses an Überheblichkeit kaum zu toppende, dämliche Feixen, was der Faust eines Klitschkos im Wege sein sollte, um das man sich jedoch eigens kümmern möchte.

Ein Gesichtsausdruck, der uns noch in den Träumen verfolgt; genau das scheint uns zu stören und gleichsam zu imponieren. Aber die Serie bannt uns. Sie legt uns in Ketten. Wir schalten wieder und wieder ein, beschimpfen diese Figur und unterliegen ständig der eigenen Machtlosigkeit.

Wir lieben den Fiesling!Der roboterähnliche Typ aus der anderen Zeit mit dem eisernen, unumstößlichen Willen die Geschichte zu ändern, den programmierten Plan kompromisslos durchzuführen und müsste er allein Fort Knox stürmen. Wir mögen ihn nicht und sind auf der Seite der Schwachen, der Hilflosen und der vergeblich Kämpfenden. Und irgendwann inmitten des Geschehens kippt unser innerer Moralwächter um und gibt dem Bösen sein Votum. Wir schwanken noch und fühlen uns dem vermeintlich Schwächeren hingezogen. Der Beschützer wird wach, aber nicht wach genug. Wie freuen uns mit der dunklen Macht. Wir werden selbst ein Teil der dunklen Macht. Wir sind die dunkle Macht und wünschen ihr den Siegerkranz davonzutragen!

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