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Ständig – Erwachsen werdenEs scheint ein nicht enden wollender Prozess zu sein: Erwachsen werden. Es passiert wie das Haarewachsen; lautlos, unmerklich aber dennoch unentwegt. Jede Stunde passiert es und über Nacht wird eine weitere Stufe erklommen. Und dieser Zustand dauert ein Leben lang. Glaubhaften Statistiken zufolge erlebt der Mensch die gefühlte Dauer der ersten achtzehn Lebensjahre ebenso, wie den kompletten Rest seines Lebens.

Als Kind und als Jugendlicher hat der Mensch permanent das Bedürfnis älter sein zu wollen. Zumindest jedoch so zu wirken. Allein die kindhafte Formulierung mancher Umstände katapultiert den älter wirken Wollenden zurück zur Ausgangsbasis. Ja – gehen Sie zurück auf Los! Als seinerzeit die Straße vor unserem Haus neu asphaltiert wurde und ein Trupp gestandener Männer nebst gigantisch anmutendem Gerät ihre Arbeit aufnahm, packte mich meine Neugierde an der Hand und führte mich geradewegs dorthin.

Stolz wie ein römischer Wagenlenker stand ich neben dem Mann, der diese riesige Maschine fuhr. Ich durfte mitfahren. Das ist doch mal was. Damit kann man angeben. Das ist besser als ein neues Fahrrad oder ein aufgeschlagenes Knie. Ein Fahrrad ist nichts Besonderes und das Knie kann genäht werden. Ständig – Erwachsen werdenAuf dieser Maschine allerdings mitzufahren – das ist der Platz gleich neben Capt’n Kirk.

Einer der Männer drückte sein Unwohlsein aus und er machte ein Gesicht, als ob ihn etwas quälte. Ein anderer fragte ihn was los sei. Er hätte Magenschmerzen, gab er zu verstehen und ich horchte auf.

Das klang erwachsen, das klang nicht weichlich oder weinerlich. Keine Spur von Kindersprache. Und so stand mein Entschluss kurzerhand fest: Das Wort Bauchschmerzen wird sofort gegen das Wort Magenschmerzen ausgetauscht. Magenschmerzen klingt erheblich besser als Bauchschmerzen. Babys haben Bauchschmerzen. Richtige Kerle hingegen haben Magenschmerzen. Am liebsten hätte ich gleich Schmerzen in der Magengegend gehabt, um die Wirkung des Wortes auszuprobieren, aber sie blieben aus.

Ständig – Erwachsen werdenNach und nach tauschen Menschen Worte aus, um allein durch den verbalen Ausdruck Kulissen zu malen. Auch der eigene Wohlfühleffekt spielt dabei keine unwesentliche Rolle. Das unaufhörliche Streben erwachsen wirken zu wollen verjüngt sich mit der Zeit und verebbt. Es passiert ebenso unmerklich, wie es entstand.

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