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Schöne schlanke WeltEinige Bereiche der realen Welt, stehen dem heranwachsenden Nachwuchs genauso in minimierter Ausführung und aus abwaschbarem Plastik zur Verfügung. Und selbst dort wie anderswo gilt die Regel: Schlank ok – fett oje. Übergewichtige Dinge, deren eigene Adhäsionsfähigkeit einem immerwährenden Test zu unterliegen scheint, treffen das Auge des aufmerksamen Pädagogen noch nicht einmal im Spielzeugladen an. Auch Puppen sind demzufolge schlank.

Es ist nicht die an Unbeholfenheit grenzende Unbeweglichkeit, die der gravitativen Wirkung unseres Heimatplaneten hinderlich im Wege steht, sondern die offensichtlich zu groß gewählte Außenhülle, in die der Inhalt nicht reinzuwachsen fähig erscheint, selbst wenn ihm dazu 500 Jahre Zeit zur Schöne schlanke WeltVerfügung stünden. Allein die Vorstellung, dass Catwalks untenrum mit Doppel-T-Trägern verstärkt werden müssten, um die Walküre ähnlichen Mitglieder des Clubs der schwachen Geschlechter ruckelfrei passieren lassen zu können, stellt der guten Laune ein Bein.

Eine schwangere Barbie ist nur zu Schwarzmarktpreisen und als Schmuggelware zu erstehen. In einer Vollmondnacht hinter der alten Scheune trifft man sie, die Puppendealer von Mexiko. Da werden die Heckluken der dunklen Karossen mit den exotischen Kennzeichen vorsichtig geöffnet und das verstörte Schöne schlanke WeltKind sucht sich ein Spielzeug aus. Beleibte Puppen und ebenso künstlich geschwängerte stehen zur Auswahl. Auch die Namensgebung scheint für Plastikmütter anders auszufallen.

Kein Windelwechsel, kein Geschrei und kein Füttern.

Aber nicht nur die im Windkanal getestete Figur, die geschmeidige und ebenso elastische Haut mit einem 40 Liter Collagenvorrat und das chemisch imprägnierte Dauergrinsen gaukeln Wellness, Fitness, Schlankness und Jugend vor, sondern auch das gleichbleibende Alter. Eigentlich ist die „ewige Schöne schlanke WeltJugend“ nur den Comikfiguren und den Serienstars vorbehalten. Donald Duck wird nicht älter, das Auto seines stinkreichen Onkels muss nie zum TÜV und Daisys Schuhe erhalten niemals neue Absätze.

Winnetou musste ermordet werden, sonst lebte er womöglich jetzt noch. In den über 430 Bonanza-Folgen bekam Hoss nie ein neues Pferd, obgleich man gerade ihm eines gegönnt hätte. Lassie wurde mehrfach ausgetauscht und vorwiegend von Rüden gespielt, wobei das Wort „Lassie“ (aus dem schottischen) übersetzt „Mädchen“ bedeutet. In Fernsehserien feiert der Hauptdarsteller gerne seinen 40. Geburtstag, wenn auch zum x-ten Mal. Niemand altert, niemand nimmt zu, alles wie im realen Leben.

Schöne schlanke WeltDialoge beim Metzger unterliegen schon einer fragwürdigen Wortwahl, die sich bei den Bestellern schon lange nicht mehr ins Bewusstsein bohrt, wenn „mageres Fleisch“ geordert wird, weil Opa das Fett nicht mag. In den Koch-Shows des TV’s wird allerdings unentwegt darauf hingewiesen, dass gerade Fett der Geschmacksträger Nummero Uno ist. Wem soll man also glauben: TV-Köchen oder Bikini-Designern?

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