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Wenn das Fernweh dreimal jodeltAls unbeschreiblich verzückt erscheinen immer wieder die, ins Staunen versetzte Gesichter jener, welche von der schier unerschöpflichen Sprachvielfalt eines Hape Kerkeling verblüfft werden. Dabei spricht er diese Sprachen nicht; er ahmt sie bloß nach, wie er selbst sagt. Seis drum, die Begeisterung ob der Verblüffung ist es. „Er spricht besser holländisch, als ich deutsch“, behauptete Rudi Carrell seinerzeit und hatte recht.

Deutschland scheint sich nach der Ferne zu sehnen. Alles, was sich anders anhört, sich anders anfühlt und von woanders zu kommen scheint, bringt den hierzulande Heimischen in Wallung. Singt eine Mireille Mathieu „Akropolis adieu“ schmelzen die Deutschen dahin und übergeben sich einem Costa Cordalis wenn er bloß „Esta noche“ intoniert.

Wenn das Fernweh dreimal jodeltWie leicht es mit einigen wenigen Worten ist, die Deutschen in Urlaubsträume zu entführen, bewiesen 1983 die Popformation „Righeira“ mit dem Ohrwurm „Vamos a la Playa“, was soviel wieLass uns zum Strand gehen“ bedeutet. Aber es klingt in einer anderen Sprache angenehmer, beschwingter und maximal exotischer. Nicht umsonst ist „bayrisch“ als Dialekt immer wieder vorne, es klingt nun mal extrem auswärts.

Allein die Unternehmungen, die Bestellung im romantischen Restaurant in der jeweiligen Landessprache aufzugeben, scheitern nicht zuletzt daran, dass der Kellner nicht wirklich aus Thailand, sondern aus dem Allgäu stammt und keine Silbe versteht. Ebenfalls Anfang der 1980er Jahre (1984) stürmte die deutsche Gruppe „Schrott nach 8“ mit dem Titel „Zuppa Romana“ die Hitlisten und bewies einmal mehr, dass allein die akustische Überzeugung bestimmend für das damit verbundene Feeling verantwortlich zeichnet.

Wenn das Fernweh dreimal jodeltDiesem Motto folgend funktioniert selbst in der heutigen Zeit die Verführung, zumal alles anders Klingende immer noch dieselbe Wirkung auszuüben scheint. Ließe sich die Musik und die Rhythmik beibehalten, aber mit einem anderen Text versehen und das Paket gut verpackt den Verbraucher erobern, besäße das Hitverkaufsregal wieder einen neuen Spitzenreiter dank Dschey A Juing (J.R. Ewing), Public Viewing, et cetera, Cosa Nostra, bäh… ohne Erbarmen… ♪ ♫

Waren es weiland noch Goethe und Schiller, kennt man die Herren nun unter Göte und Chiller.

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