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Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?Diese Frage stellten sich Generation von kleinen Buben und Mädels zu einer Zeit, als man über die politisch korrekte Form, hinsichtlich der Bezeichnungen unserer ausländischen Nachbarn aus Nah und Fern, noch keine Zeit hatte, nachzudenken. Ebenso dachte auch niemand ernsthaft darüber nach, ob es sich bei jenem besungenen „schwarzen Mann“ nicht evtl. um den Schornsteinfeger handeln könne, einen Mann im Taucheranzug, den Oberkellner oder den örtlichen Bestattungsunternehmer, der sich schon um Oma kümmerte.

Schwarz war er und damit meinte man auch keinen Schwarzfahrer männlichen Geschlechts. Heutzutage muss man mit derlei Singsang sensibeler umgehen, fühlte sich vielleicht jemand auf den Fuß getreten, gar beleidigt, diskriminiert oder noch schlimmer angegangen. So wurde das Wort „Neger“ gänzlich aus der UGS (Umgangssprache) verbannt und der 1989 verstorbene Dachdeckermeister und Ur-Vieh der Mainzer Fastnacht Ernst Neger, grüßt maximal aus Richtung Jukebox.

Ein „Schwarzer“ ist ein „Farbiger“, wenn auch ein recht Einfarbiger. Die „Rohfleisch-Esser“, früher bekannt als Eskimos, nennen sich nun „Inuit“. Das klingt geschmeidiger und weniger furchterregend. Eine Übersetzung dafür konnte noch niemand nennen. Tja – und den „Mohrenkopf“ alias „Negerkuss“ gibt’s schon lange nicht mehr. Jedenfalls nicht in der Süßwarenabteilung. Dort heißt der Kaloriencontainer jetzt „Schokokuss“. Boh, ist der…

Heile, Heile, Gänsje … olé, olé, holla…

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?In Liedern scheint sich ohnehin eine andere Welt abzuspielen. Da wird gerne mal einem „Zigeunerjungen“ nachgeweint, dennoch er ein „Sinti“ oder ein „Roma“ ist, manche wissen es selbst nicht genau. Aber auf die Worte reimt sich nichts und sie versprühen so gar keine Romantik. Das „Zigeunerschnitzel“ mit der „Zigeunersauce“ mundet noch immer straffrei, denn ein „Romaschnitzel“ zu bestellen, verwirrte selbst den hartgesottensten Kellner.

Auch andere Worte wie zum Beispiel „Kanake“ oder „Spaghettifresser“ können zum Verhängnis werden. Sich also politisch korrekt auszudrücken muss zur Lebensaufgabe geraten und so manche lose Lippe führte bei Unterlassung geradewegs vor den Staatsanwalt. Wer weiß schon, dass ein „Macker“ auch ein kastrierter Esel sein kann, oder der „Idiot“ als medizinischer Fachbegriff für einen Schwachsinnigen gilt und somit als Beleidigung auszulegen wäre.

Was in China so alles auf dem Teller, bzw. zwischen den Stäbchen landet ist für unsere Mägen kaum verdaulich, geschweige für den Gaumen schmackhaft. Auch spielt hier zu Lande das Tierschutzgesetz eine entscheidende Rolle. Dort eher weniger. Kulturen gedeihen nun mal unterschiedlich, weshalb man in España auch gerne und zur offensichtlichen Gaudi des Publikums Stieren das Leben verkürzt. Die Art und Weise ist recht bestialisch. Zugegeben!

Gestern noch ein „Kümmeltürke“, heute schon Migrant.

Neue Begriffe bereichern unseren Wortschatz. Von der Reparation zur Migration, welch’ eine Karriere für dieses Land. Vom Tellerwäscher zum Millionär, heißt es anderswo. Kulturen gedeihen nun mal unterschiedlich, wie schon erwähnt wurde. Und so schert sich in den ländlicher gelegenen Regionen kaum jemand um die Gestaltung gewisser Idiome, sieht man dort selbst den Bewohner der Nachbargemeinde schon als potentiellen „Ausländer“ an.

Zu’greiste oder Touristen als „Bazi“ zu titulieren ist nicht schlimm, sie verstehen es ja eh nicht. Auch der „Saupreiß“ macht gute Mine zu bösem Spiel, denn es sind schließlich Landsleute, die Bayern. Und die, ja die, ja die eben, die sind mit ihrer Lederhose gestraft genug, die „Arschbackenjodler“. Und so besitzt jede Region ihre Eigenheit, ihren Charakter. Die Hessen habbe en „Dubbe“, die Holländer können nicht Fußball spielen, alle Amis kauen ständig Kaugummi, die Engländer können nicht kochen, die Österreicher geben uns beim Grand Prix keine Punkte, beim Chinesen steht der Hofhund auf der Speisekarte, die Polen haben Leim an den Fingern, die Schotten sind geizig und die Deutschen sind „Kartoffelfresser“ oder „Krauts“.

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?Hier wird niemand diskriminiert, beleidigt oder in seiner Person geschmälert. Alles ist in Butter und die Sonne lacht sogar bei Regen. „Kunta Kinte“, „Ali“ und „Luigi“ sind überall zuhause, müssen eine Menge ertragen und über sich ergehen lassen. Und dass man Süßwaren oder Tellergerichte nach ihnen benannte, interessiert sie recht wenig. Selbst der knuddelige „Knut“ ließ sich anknabbern. Wenn auch nur als Gummibär aus der Tüte.

Und sie schrieb dereinst ein mittlerweile weltberühmter Komponist namens Wolfgang Amadeus Mozart eine Verballhornung, die Kinder jeder Epoche trällerten und sich niemand darüber aufregte. Zum Volkslied, zum Kanon und zum Evergreen aller Klassenzimmer stieg diese Weise auf, die jeder sofort mitsingen kann:

K – A – F – F – E – E,
trink nicht so viel Kaffee.
Nicht für Kinder ist der Türkentrank,
schwächt die Nerven,
macht dich blass und krank.
Sei doch kein Muselman,
der ihn nicht lassen kann.

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