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Wie Gott in FrankreichIm Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. So liest man es in der Bibel. Ebenfalls liest man dort auch, dass Gott am Anfang den Himmel und die Erde schuf. Gott schuf den ganzen Himmel, die Sterne, die Welt und den Menschen binnen sechs Tage und ruhte am siebenten Tag. Was tat er davor und was tat er danach? Wie verlief sein Leben bis dahin und wie ist es jetzt um ihn bestellt?

Bis zum Zeitpunkt der Schöpfungsgeschichte lebte Gott schon einige Jahre. Woher sonst soll sein Alter stammen. Man vertraut einer älteren Person mehr. Allein darum steht unserer Vorstellung eine reifere Person zur Verfügung. Interessant ist dabei die Tatsache, dass bis zum Zeitpunkt der Schöpfung, wie auch danach, keine Notwendigkeit bestand oder besteht, dass Gott ein Mann sei. Die Behauptungen Jesu, er sei Gottes Sohn und Gott sei sein Vater, postuliert allenfalls eine hierarchische Person.

Das Wort Gott steht ebenfalls synonym für Göttin oder Gottheit. Es ist somit asexuell und keinesfalls maskuliner Natur. Dennoch hat sich das Bild eines bärtigen, älteren Mannes in den Köpfen der Menschen manifestiert, welches assoziativ zu Gott steht. Es geht nicht darum, ob Gott eine Frau oder ein Mann war, sondern um die Notwendigkeit, dass Gott überhaupt geschlechtlich einzuordnen gewesen wäre oder ist. Wem geriete es zum Vorteil, wenn Gott eindeutig das Eine oder das Andere wäre?

Die Position der Frau in der Gesellschaft ist bis zum heutigen Tage und an manchen Orten von minderwertigem Rang. Frauen dienen der sexuellen Befriedigung des Mannes. Frauen dürfen nicht Auto fahren. Frauen dürfen nicht wählen gehen. Frauen werden beschnitten. Über Frauen wird verfügt, als seien sie Menschen der zweiten Klasse und besäßen keine andere Bestimmung, als die einer willfährigen Gebärmaschine. In der Antike fühlten sich Frauen nicht unterdrückt. Seinerzeit galt der Zustand der Unterdrückung als Gegebenheit, denn Frauen wurden so erzogen.

Wenn also jemand etwas zu sagen hatte, einer Bewegung, einer Idee oder einer Lehre vorstand, konnte es sich ausschließlich um einen Mann handeln. Männer sind für alles zuständig, denken und lenken die Geschicke ihrer Welt. Das Resultat steckt noch bis zu diesem Tag in den Köpfen der Menschen und ist dort nicht zufällig entstanden. Wenn es einen Gott gibt, dann ist er ein Mann. Auch wenn keine Notwendigkeit deutlich wird, die zur Entscheidung einer sexuellen Orientierung erforderlich wäre.

Was tat Gott in seiner Kindheit, in seiner Jugend und wer gebar ihn? Wer waren seine Eltern und deren Eltern? War Gott ein Einzelkind? Wer lehrte ihn die Dinge zu schaffen, welche er schuf? Auch wenn niemand existenzielle Zweifel vorbrächte, bliebe stets die Frage nach der Notwendigkeit seiner Sexualität. Menschen kennen nur Mann und Frau. Eine dritte Art ist unbekannt.

Was wäre ein Gott ohne sexuelle Merkmale. Keine Frau, kein Mann – ein Gott. Ein Wesen, welches über den Dingen steht und nicht Sklave seiner Libido wird. Etwas Transzentendales, etwas Göttliches. Und das wäre die Lösung gewesen; die Neutralität. Kein grollender Mann mit langem Bart, sondern eine Gottheit.

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