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Peitsch mich, ich bin das Würstchen!Oft kommt es zwar nicht vor, dass ich irgendwo sitze und auf etwas warte, aber ab und zu doch. Dann liegen dort irgendwelche Zeitungen herum, die der Lesezirkel schon mindestens an drei vorausgegangene Stationen ablieferte, wie an den angefressenen Kreuzworträtseln und Psycho-Tests erkennbar wird. Besonders erstaunlich finde ich in manchen Illustrierten jene Anleitungen und Vorschläge, die sich anschicken abgeschlaffte Liebesbeziehungen neu aufleben zu lassen.

Was Freizeittherapeuten zum Thema Beziehungs-Ratschläge in diesen Heften verteilen, ist nicht nur zum Schmunzeln, sondern zum Brüllen. Es fällt mir beim Durchlesen dieser Therapien immer schwer ernst zu bleiben. Mein Grinsen bedeckt das gesamte Gesicht und von einem Tipp zum nächsten füllen sich meine Augen mit Wasser. Freudentränen rinnen also die Wangen hinunter und die Belustigung meiner Person erweist sich als grenzenlos.

Nichts wird ausgelassen. Eine Selbsthilfe für Weiblein und Männlein. Zum Ausschneiden und Sammeln oder zum aktiven Nachmachen. Altersunabhängig stellt sich der seitenlange Artikel dar und das nicht ohne Grund. Scheinbar stellen sich in jeder Partnerschaft irgendwann einmal diese sexuellen Abstinenzen, lustlosen Phasen und dergleichen ein, die seitens der tatsächlich Betroffenen keinerlei Schuldbewusstsein aufkommen lassen; bei den Autoren allerdings umso mehr. Dringende Abhilfe ist angesagter, als das Herbeieilen der Feuerwehr beim Wohnungsbrand.

Humor = Feuchtigkeit, ob man will oder nicht.

Wie finden Paare wieder Spaß am (gemeinsamen) Sex? Genau das ist die Kernfrage und ich entdecke gleich im Titel die anonymisierte Unterstellung, dass gewisse Paare zwar Sex haben, jedoch ohne jeglichen, beziehungsweise erkennbaren Spaß. Das ist eine harte Nuss. Sex zu haben scheint ein Muss zu sein und Leute ohne Sex sind irgendwie nicht ganz bei Trost, nicht normal, oder müssten dringend einen Arzt aufsuchen. Ehepaare mit vier Kindern dokumentieren doch schon ihr sexuelles Vermögen, doch offensichtlich nicht deutlich genug.

Gerade jetzt, wo das Liebesleben zu vertrocknen beginnt, soll es zu neuen Ufern geführt werden und das nach chirurgisch präziser Anleitung. Man kann schon froh sein, dass die Autoren andere sind als jene des schwedischen Möbelhauses, welche für die Bauanleitungen der einzelnen Exponate zuständig zeichnen. Je nach persönlicher Neigung und individuellem Geschmack sucht man sich nun eines, der dort dokumentierten und mehrfach erprobten Situationsgeschehen aus, oder man geht alles der Reihe nach durch.

Wie schon erwähnt, es soll letztlich Spaß machen. Also lässt man die Wanne voll Wasser laufen, stellt Teelichter ringsherum auf und zündet sie an. Nun streut man Rosenblätter auf die Wasseroberfläche und löscht dann das eigentliche Badezimmerlicht. Man verzichtet keinesfalls auf alkoholische Getränke, Champagner eignet sich geradezu vortrefflich und die bereitgestellten Gläser werden vollgeschenkt. Mit Musik geht alles besser. Das ist bekannt und Mozarts Klänge sind herzerweichend. Na bitte.

Ein Himmel voller Geigen.

Jetzt wird es Zeit den Partner zu locken, zu rufen, oder ihn sonst wie ins Badezimmer zu lotsen, denn der ist ahnungslos und hat von der ganzen Prozedur überhaupt nichts mitbekommen. Klar doch. Um die eigene Wartezeit sinnvoll zu verkürzen, steigt man selbst in die Fluten und hört nun Schritte. Der Partner naht. Dieser tastet sich durch das Halbdunkel, rempelt den Sektkühler um und stolpert über die ansonsten so flauschigen Badematten. Plumps – nur so kommt man sich näher.

Dummerweise hat man die Wassermenge nicht für zwei Personen kalkuliert und das Zimmer steht demzufolge unter Wasser. Der angrenzende Flur wurde allerdings auch geflutet. Es soll schließlich Spaß machen. Ein Gläschen Schampus ist jetzt leider nicht der Trumpf. Einige Teelichter halten nicht das, was die Verpackung an Brenndauer versprach und versagen vorzeitig ihren Dienst. Irgendwie will keine erotische Laune aufkommen und man entscheidet sich gemeinsam die Übung abzubrechen. Die Rosenblätter verstopfen den Abfluss und das Beseitigen der übrigen Teelichter zieht Verbrennungen der Fingerkuppen nach sich.

Diese Pleite wirkt auf echte Partner keineswegs entmutigend. Ein Dinner der Sonderklasse lässt sich schließlich auf die Schnelle zaubern. Dem Vorgegarten und der Mikrowelle sei Dank. Nein, nicht am selben Abend. Es vermittelt keinen besonders guten Eindruck, im Bademantel und mit Taucherflossen am Tisch zu erscheinen. Zuerst müssen die Spuren der misslungenen Wasserspiele beseitigt werden und da bietet sich eine gekonnte Massage an. Fernöstlich und geheimnisvoll duftende Öle finden bald schon ihre Verwendung an den verkrampften Körperpartien des Partners.

Da werden Sie geholfen…

Peitsch mich, ich bin das Würstchen!Massieren kann ein Jeder. Warum das Durchkneten eines Anderen also zum Lehrberuf erklärt ist, will man sowieso nicht verstehen. Erst mal ordentlich Öl auf die Pranken und her mit dem verspannten Nacken. Ja, da kommt Freude auf, wenn auch nicht im Gesicht der Person mit dem steifen Hals. Wer schön sein will muss leiden und genau das ist jetzt der Fall. Ein Halswirbel ist nun mal empfindlich und hat eine ganz bestimmte Position einzuhalten. Unwirsches Massieren zwischen Schulter und Haupt kann zu ungewollten Folgen führen und die sind oftmals weitreichender, als einen König vom Thron zu schuppsen.

Eine erotische Massage kann das nicht sein, wenn der Partner später als Querschnittsgelähmter im Rollstuhl landet. Alternativ sollte man sich also ganzkörperlich streicheln, ein paar Räucherstäbchen anzünden und gefühlvolle Musik abspielen lassen. Wenn der Weinkeller dann noch eine gute Flasche parat hat, macht man in trauter Zweisamkeit die Gläser von innen nass. Der Mief, der von abbrennenden Räucherstäbchen ausgeht, ist nicht jedermanns Sache. Selbst starke Raucher neigen hier zu unerwartenden Hustenanfällen, die auch nicht von einem gierigen Schluck des edlen Weines eingedämmt werden können.

Gutgemeinte und kräftige Klopfer auf den Rücken des Partners, als vermeintliche Rettung und angedachte Hilfe, sollten mit Bedacht ausgeführt werden. Nicht selten kommt es hier zu keinem Hustenstillstand, sondern zum Wiedersehen mit dem just verköstigten Rebsaft, der dann das Teppichmuster kreativ ergänzt. Es soll ja auch Spaß machen. Als finale Rettung des Desasters empfehlen die Autoren dieser erotischen Tipps leider nichts, oder die Seite wurde bereits vom ersten Leser erbost herausgerissen.

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