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Jede Medaille hat 2 Seiten. Wirklich jede?Wer es nicht mehr vom Katechismusunterricht inne hat, der bekommt’s nun in anderer Form eingetrichtert: Lobet den Herrn. Keine Bange, es wird nicht zur Bibelstunde geläutet, es wird lediglich zum Loben angehalten. Der zu lobende Herr kann auch gerne eine zu lobende Dame sein. Wer nicht lobt, lässt es. Wer jedoch zu loben Bereitschaft signalisiert, kokettiert gleichsam mit der Empfängnis für eigenes Lob und somit besitzt diese Welt endlich eine Medaille mit nur einer Seite, will es scheinen.

Nicht zu loben bedeutet keinesfalls mit Lob zu sparen, sich in Sachen Lob als geizig zu erweisen oder schlicht und ergreifend nicht loben zu können, sondern sich seiner Meinung zu enthalten. Vielleicht ist der Nichtlober aber auch so frei, sich bloß eines Lobes zu enthalten. Manchmal geht die Enthaltsamkeit eigene Wege.

Lobst du mich, lob ich dich.

Anders sind die Mobber, welche ungeschönt ihre Ansicht vertreten, frontal provozieren und sich nicht unabsichtlich im Ton und der Umsetzung ihres Tuns vergreifen. Eine sachlich fundierte Auseinandersetzung ist nicht zu einer Sekunde beabsichtigt und jedem Unbeteiligten soll dieses Unterfangen von vorn herein klar sein. Wer sich hier einmischt gibt deutlich zu verstehen, nicht als Schlichter, denn mehr als Trittbrettfahrer aufzutreten, um auch einmal etwas Belangloses oder Provokantes zu sagen, bestenfalls anonym.

Es kommt dem – wahllos aus der Menge gefischten – Raser auf der Autobahn gleich, der seine überhöhte Geschwindigkeit als regulär erachtet, zumal es alle anderen ebenso eilig hatten und mit Unverständnis reagiert, weil er jetzt den schwarzen Peter ob seines Fehlverhaltens zugeschoben bekommt. Dann bleibt nichts: der rasende Pöbler wird zum Lober.

Erkannt hat es prinzipiell jeder pädagogisch Befähigte und jene, die diese Erkenntnis kaufmännisch umzusetzen verstehen. Die menschliche Seele liebt die Streicheleinheiten, weniger die Knute. Es kitzelt ebenso die Gier als auch die Eitelkeit, gegenüber solventer Anleger im zweistelligen Gewinnbereich zu argumentieren, auch wenn nach dem Einsammeln der Investments eine goldene Null geteilt wird.

Ebenso verhält es sich mit dem Symbol des Daumens in den sozialen Netzwerken. Hier erkennt auch der Buchstabenallergiker von Weitem Wohlgefallen oder Niedergang. Mit dem Daumen gibt man jedem User jene mächtige Entscheidung über „Tod oder Leben“ zur Hand, welche schon die Entscheider der Antike besaßen, wenn sie mittels dieser Geste Gnade oder Ungnade verfügten.

Tod oder Leben . Thumb up oder Thumb down. Like oder dislike.

Gegen den Strom scheint das Social-Portal FACEBOOK zu schwimmen. Hier vermisst der User die Möglichkeit Postings zu disliken. Die Unterbindung des optisch erkennbaren Soft-Mobbings ist allerdings unüblich. Kinder, die von ihren Erziehungsberechtigten nur gelobt, nicht aber auch getadelt werden, sind eher selten und gehen mit soziopathischen Schäden durchs Leben.

Wurde hier die Medaille mit nur einer Seite erfunden? Ist nicht dort wo Licht ist auch Schatten? Gibt die Physik nicht gleiche Regeln vor? Wäre also kein Schatten vorhanden, sollte von vorn herein schon Licht als Mangelware festgestellt werden? FACEBOOK steht jedoch im Licht. Dennoch sind Schatten nicht erwünscht. Fände das Modell Nachahmer, lobten sich künftig alle Menschen gegenseitig in Grund und Boden. Das ist die von uns allen angestrebte Einigkeit. Jedenfalls virtuell.

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