Feed on
Posts
Comments

Wer läutet?

Wer läutet?Wohin das Auge schaut, wohin der Blick gerichtet wird, überall wo sich Menschen befinden, befindet sich auch das Gespräch. Nicht immer ist der Gesprächspartner sichtbar, was insbesondere bei Telefonaten deutlich wird. Aber es gibt offensichtlich immer und überall etwas zu erzählen. Kaum klingelt irgendwo ein Gerät, beginnt eine zwischenmenschliche Kommunikation, hofft zumindest der Anrufer.

Nun beginnt ein seltsames Spiel ohne Namen. Im Kopf der angerufenen Person beginnt mit dem Läuten des Geräts eine Lostrommel, ähnlich eines Roulettekessels, zu rotieren. Wird das Gespräch angenommen, weggedrückt oder lässt man den Anrufer bimmeln, bis ihm die Puste ausgeht? Wo bleibt die Lostrommel stehen, kommt der Anrufer in die engere Wahl, die Spannung steigt und der Anrufer hofft auf einen Treffer.

Gut, dass ich dich erwische…

Wer läutet?Nein, das war nicht immer so. Zu früheren Epochen freute man sich über die Tatsache, ein Telefon zu besitzen und über jeden Anruf. Zum Kreise der elitären Telefon-Teilnehmer zu gehören war irgendwie etwas ganz besonderes. Das Fräulein vom Amt wurde geboren und man benötigte den ganzen Körper zum telefonieren. Das Telefon hing an der Wand und stand erst viele Jahre später auf dem Tisch, der Kommode oder sonst wo.

Wer läutet?Das Handling war stets gleich. Der Hörer musste ans Ohr gehalten werden, gesprochen wurde in eine andere Öffnung. Mit den Jahren und einem zunehmenden Fortschritt der Technik, besaßen diese ersten Telefone irgendwann eine Wählscheibe und man konnte den gewünschten Gesprächspartner selbst anwählen. Man musste bloß die Nummer des anderen Teilnehmers wissen und daran fehlte es oft, sodass das „Fräulein vom Amt“ noch lange im Beruf blieb.

Wer läutet?Eine Fläche, ein Display also, auf der sich eingehende Anrufe mit einer Teilnehmerkennung zu melden haben, lag noch nicht einmal als Plan in der Schublade eines Ingenieurs. Wer da anrief, war bis zur Erkennung der Person völlig unbekannt. War es wichtig? Bestimmt! Zu früheren Zeiten riefen sich Menschen nicht gegenseitig an, um kurz „Guten Tag“ zu sagen. Es gab immer etwas zu tun und dabei wollte man nicht gestört werden.

Kein Schwein ruft mich an…

Läutete das Telefon, war etwas Notwendiges der Anlass und man nahm das Gespräch entgegen. Schließlich wusste man nicht, wer da anrief. Die Schar derer, die anrufen könnten, war mehr als überschaubar und oftmals wünschte man sich sogar einen Anruf. Egal von wem. Die Telefone wurden moderner, leichter und bunter. Plastik hielt Einzug. Sogar Möbel wurden entwickelt, um es beim Telefonieren bequem zu haben. Hörer und Gerät verschwanden unter einer Brokathülle.

Wer läutet?Das sogenannte „Rote Telefon“ besaß ebenso kein Display. Wer da am anderen Ende der Leitung gewesen wäre, war bekannt und jeder war stets froh, dass es still blieb, dieses rote Telefon. Und dann, irgendwann, lagen sie in den Schaufenstern, den Regalen, unterm Weihnachtsbaum oder standen auf den Tischen und Kommoden ihrer Besitzer. Telefone mit Display. Endlich sah man aufgrund der Nummer, eines Avatars oder einer sonstigen Kennung, wer da läutet, stört, sich unbeliebt macht oder schlicht und ergreifend nervt.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: