Feed on
Posts
Comments

Kaffeewärmer

KaffeekanneDer Ofen war eigentlich immer an. Er befand sich im Zentrum jeder Wohnung und das war die Küche. Selbst in herrschaftlichen Häusern trieb sich das Gesinde gerne in der Küche herum. Dort gab es immer etwas Leckeres zu essen und es war warm. Die Öfen im übrigen Gebäude zu beheizen, war mit großem Aufwand verbunden und wurde deshalb meist unterlassen.

Ob es sich also um große Schlösser, Bauernhöfe, oder um eine ordinäre bürgerliche Wohnung handelte; das Leben spielte sich oftmals nur in einem Raum ab und der heißt Küche. Hier ersetzte das Gespräch die Tageszeitung und der alltägliche Tratsch existierte schon, bevor die Boulevard-Magazine den Leser erreichten. Auch in den so genannten feinen Häusern herrschten in der Küche eher derbe Umgangsformen und das galt insbesondere für die Herrschaften.

Kaffeekrümel zwischen den Zähnen

Da es im Ofen stets brannte und somit zu jeder Zeit etwas zubereitet werden konnte, war ein Kaffee oft parat. Zumindest das dazugehörige heiße Wasser konnte schnell geliefert werden. Noch lange bevor es tragbare Wärmeplatten und eigentümlich anmutende Isolierkannen gab, wurde Kaffee per Hand gemahlen und maßvoll in eine Tasse gegeben. Darauf goss man heißes Wasser und schlürfte den Kaffee schlückchenweise. Auch an dieser Vorgehensweise änderte der Kaffeefilter vieles.

Der Filter wurde geboren

Jetzt wurde der gemahlene Kaffee zuerst in den Filter gelöffelt und schubweise mit heißem Wasser übergossen. Den Filter umgab ein Gefäß aus Porzellan, später aus Kunststoff und das ruhte derweil auf einer Kanne, in die sich das nun gefilterte Getränk ergoss. Das Filterpapier und der notwendige Halter dazu, wurden kurz Filter genannt, wobei es sich jeweils um unterschiedliche Gegenstände handelte. Trotzdem wusste man zu jederzeit, was gemeint war.

KaffeewärmerKaffeekannen bestanden auch gerne aus Porzellan, avancierten zum Sammelobjekt und stammten nicht selten aus namhaften Manufakturen. Entstammte eine Porzellankanne aus einer solchen Fertigung, so galt dies als Zeichen besonderer Kultur in einem Haus. Auch besaß jeder Haushalt mehr als nur eine Kaffeekanne. Es wurde hier so, wie in anderen Dingen gehandhabt. Man besaß mindestens eine Gute für besondere Anlässe und dann noch die, die alltäglichen Nutzen fand.

Um den Kaffee möglichst lange als Heißgetränk genießen zu können, stülpte man einen so genannten Kaffeewärmer über die Kanne. Eine gefütterte Haube mit kreativem Bezug und einer Art Henkel on der Oberseite, welcher zum Transport bzw. zum Bedienen vorhanden war. Das Aroma des Kaffees strömte in diesen Kaffeewärmer und seine Nase dort hineinzuhalten war wie ein Sinnesrausch.

Als Kinder bekamen wir Kakao und keinen Kaffee zu trinken. Ich wusste also nicht, wie das von Erwachsenen so begehrte Getränk schmeckte. Lediglich das Aroma ließ es ahnen. Auch als Kopfbedeckung rannten mein Bruder und ich mit einem Kaffeewärmer auf dem Kopf durch die Wohnung der Großeltern. Und das nicht gerade zu deren Gefallen. Es ging nie etwas kaputt. Aber die mit dem Umherlaufen verbundene Unruhe behagte weder Oma noch Opa und überdies verscheuchte es die sonntägliche Gemütlichkeit der Kaffeerunde.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: