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Alter Wein in neuen Schläuchen.

Bitte recht umsatzfreudig lächelnViele Hersteller der unterschiedlichsten Produkte haben etwas wiederentdeckt, was scheinbar verlegt wurde oder völlig in Vergessenheit geraten war, nämlich den Kunden. Jener wirtschaftliche Bestandteil, der durch seinen Umsatz die Gehälter aller Mitarbeiter beschert und durch dessen Weglassung so manche Türe am Morgen geschlossen bleiben könnte.

Doch damit soll es keinesfalls besiegelt sein. Im Zeitalter der Technik und der zunehmenden Elektronik in den heimischen vier Wänden, besinnt man sich seitens der Hersteller auf die Kreativität des privaten Mannes, bzw. der Hausfrau.

Beschäftigung ist alles.

Der Mensch ist es gewohnt eingespannt und beschäftigt zu werden. Das lenkt ihn von vielen Dingen ab, sogar vom Denken. Und wenn er nicht sein Auto wäscht, im Vorgarten Unkraut zupft, mit dem Hund im Wald umher rennt, sich auf den Kegelabend vorbereitet oder an der Steuerklärung feilt, testet er seinen niegel-nagel-neuen Digital-Camcorder am wehrlosen Alltag.

Sendete man noch vor einigen Jahren diese kurzweiligen Film’chen an die TV-Sender und wurde mit dafür sogar mit Bargeld belohnt, trifft die Zustellung heutzutage einen Hersteller. Der wiederum sammelt einige mehr oder minder gelungene Sequenzen, schneidet sie hintereinander sodass sich insgesamt betrachtet ein Thema ergibt und lässt einen Text darüber sprechen. Das Ergebnis ist ein tv-tauglicher Werbespot mit Mitmach-Charakter. Und genau das soll’s auch sein.

Andere Hersteller lassen Kunden ebenso das Mitmach-Feeling spüren, indem sie zur Zusendung privater Rezepte für ihre kulinarischen Mahlzeiten aufrufen. Die Chance mit einem Rezept, einem Familienschnappschuss in filmischer Art, oder mit einer sonstigen Darbietung ins Fernsehen und zur begehrtesten Sendezeit zu kommen, ist ansonsten eher gering, zumal auch hier Angebot und Nachfrage das Ruder in der Hand führen.

Tausche bunte Mülltonnen gegen Camcorder…

Das menschliche Gehirn benötigte Millionen Jahre, um derart leistungsstark dazustehen, wie es sich heute zeigt. Man kann damit sogar denken. Um jedoch von diesem Denken abgelenkt zu werden, gewöhnte man den braven und umweltbewussten Menschen rechtzeitig an bunte Mülltonnen. Endlich besaß der Mensch eine sinnvolle Aufgabe, dachte mehr und mehr an eine exakte und zu sortierende Trennung des Unrats nach, als über die Dinge, mit denen es sich auch zu befassen galt.

Damit nicht eine schnöde Beschriftung, welche überdies in 47.000 verschiedenen Sprachen zu erscheinen hätte, einem Analphabeten aus Niederkatschebromje den Feierabend versülzen könnte, trafen die Abfallherbergen in frischen, jedoch unterschiedlichen Farben auf den Gehweg oder den Vorgärten, den Hinterhöfen oder den Waschbetonverkleidungen ein. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wie schnell man das bunte System begriff, bzw. auswendig gelernt hatte. Man war und wird noch immer von etlichen Wesentlichkeiten damit abgelenkt.

Dieses Prinzip hat sich bewährt und wurde ständig verfeinert, verbessert und verschärft. Es ist erhebend, wenn sich die Familie – inkl. aller ansonsten peinlichen Nachbarn – im Wohnzimmer vor dem Großfernseher versammelt und auf den Werbe-Spot wartet, zu dessen Gelingen kein anderer als der Hausherr himself beitrug.

Hiergeblieben, sitzenbleiben, keiner verlässt den Raum!

Nein, nicht aufstehen und gehen wollen, jetzt kommt doch noch die Krönung in Form von Muttis geheimen Geheimrezept. Das muss man gesehen haben, das kocht man gerne nach, der ruft man die familiäre Bande zusammen, die sich schon wieder mit den bunten Mülltonnen vergnügen wollten.

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