Feed on
Posts
Comments

Austreten und pullernManches geht und geht nicht aus meinem Kopf, verbeißt sich dort wie eine wilde Bestie und macht unentwegt auf sich aufmerksam, bis es verschwindet. Ein Ohrwurm im Kopf, ein Gedanke, ein Geräusch, im schlimmsten Fall sogar beides. Man ist nicht vorbereitet, man kann sich dagegen nicht impfen lassen, man steht diesen Angriffen gegenüber völlig machtlos da und muss sich ihnen ergeben.

Oftmals sind es unbedachte Äußerungen einer Person, die sich über die damit verbundenen Auswirkungen nicht zu einer Sekunde ernsthafte Gedanken macht. Ankündigungen, welche in die Anonymität adressiert werden und sich einer etwaig, vorhandenen Interesse nicht vergewissert wird. Ob also jemand diese Ankündigung ernsthaft zur Kenntnis nimmt, bleibt größtenteils unerfragt.

Besonders Männer gehen dann gerne mal austreten, wie sie ohne Umschweife ankündigen und dann gehen. Sie gehen austreten? Warum gehen sie nicht einfach pinkeln, das ist erheblich entspannender und befreiender. Austreten zu gehen, klingt sehr anstrengend, belastend, um nicht zu sagen sportlich. Und genau genommen, tritt – außer einem temperamentvollen Pferd – niemand wirklich aus.

Man geht pissen, eine Stange Wasser abstellen, Wasser abschlagen, dem kleinen Mann die große Welt zeigen, für kleine Jungs (was auch immer das ist), den Riemen auswringen, die Blase leeren oder man geht einfach, weil man mal muss und die Natur es so will.

Als Kleinkind kündigt man auch nicht an, dass man die Windel oder das Bett einnässt. Man erkennt es oft nur am debilen Gesichtsausdruck und ein Inkontinenter wirbelt ebenfalls keine verbalen Handzettel umher.

Völlig närrisch wäre es, diese Ankündigung beim Absender zu hinterfragen. Was will er damit sagen, was geht es andere an usw. Immerhin scheint es dem Absender wichtig zu sein, den Rest der Runde mit den Worten „ich geh mal eben austreten“ über seinen künftigen, wenn auch zeitlich überschaubaren, Aufenthalt in Kenntnis zu setzen. Fliegt jemand in Urlaub, kommt in den Knast oder heiratet, macht es irgendwie Sinn, die Welt darüber zu informieren. Aber irgendwann endet die Schulzeit und man muss sich kein „ok“ oder eine Erlaubnis über den Toilettenbesuch einholen.

Gewisse Verhaltensmuster sind offensichtlich nicht vor dem Aussterben bedroht.

Frauen sind in solchen Angelegenheiten erheblich fragiler gestrickt. Hier kommen die sanfte, zurückhaltende Note und die gute Kinderstube zum Vorschein, denn die Ladys bevorzugen als Absolvent der gekachelten Örtlichkeiten nicht nur den Marsch als geschlossene Kolonne dorthin, sondern auch das Wort „pullern“, als hinweisendes Motiv ihrer Formation.

Ohne Anlauf assoziiert das Gehirn jetzt „pullern“ mit dem Geräusch, eines aus einem Stalleimer schlürfenden Gauls. Selbst in einem hellhörigen Hochhaus hört man es Parterre, wenn im 18. Stock eine Frau um 6 Uhr in der Frühe in die Schüssel pullert. Japaner haben es in diesen Dingen besser. Dort lässt man komfortablerweise Haydns Wasserspiele in Stereo abspielen.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: