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Eine Tüte ist eine Tüte ist eine Tüte ist eine TüteEs muss tief in den Menschen schlummern, der Wunsch nach Mehr. Der Horizont will erweitert werden und grelle Farben berauschen die Sinne. Und dann stehen sie da mit den Tüten, stundenlang sind sie Opfer der Linse und des Objektivs und werden fotografiert. Von vorne und von der Seite, auf der Treppe und in der Gruppe, allein und verlassen kommen sie sich dann oft vor. Der erste Rückenwirbel hat sich verabschiedet, so schwer ist die Zuckertüte.

Niemand sagt, was damit anzufangen wäre. Die Tüte besitzt ein Stockmaß von einem Meter und Neunzig Zentimetern. Da springen noch nicht einmal trainierte Schäferhunde drüber. Und damit schleppen sie sich ab. Es ist der Beginn einer nicht enden wollenden Plackerei und keiner weiß, wozu das alles gut ist. Findet ein Schönheitswettbewerb mit den Tüten statt, oder werden diese raketenähnlichen Teile gewogen und das schwerste Smarties-Geschoss gewinnt? Nichts dergleichen passiert. Ständig stehen die Besitzer mit dem knallbunten Kariesspender irgendjemandem im Weg und kommen sich total bekloppt vor.

Wären einige nicht mit dem Auto gekommen, hätte der Schaffner in der Straßenbahn wahrscheinlich einen eigenen Sitzplatz für die Tüte berechnet und der Vater hätte wieder getobt. Dem Gewicht nach muss da mindestens ein Bügeleisen drin sein und der Größe nach auch noch ein Bügelbrett. Ginge es nicht um die Größe, würde ein Amboss statt des Bügeleisens vermutet. Es wäre nur Schokolade, Bonbons und andere Süßigkeiten drin, bestätigte man seitens der Befüller, als ob diese Gewissheit Frohsinn erzeugt.

Tüten pflastern deinen Weg.

Tütenweise hätte man die Sachen aus dem Supermarkt geschleppt. Es ist hier zu Lande jedoch noch nicht üblich, dass die Erwerbe seitens des Supermarkt-Personals in Einkaufstüten eingetütet und anschließend fehlerfrei zur Kalesche befördert werden. Einen Hochzeitsplaner gibt es mittlerweile, aber wer – wenn nicht die eigenen Angehörigen – kümmert sich um die künftigen Nobelpreisträger?

Erspart bliebe es nur jenem, welcher sich einer Lümmeltüte bemächtigte, anstatt dem Zossen die Sporen zu geben und den dadurch entstandenen Durst mittels Leertrinken einer Milchtüte potenziell entgegenzuwirken versuchte. Aber wer macht das schon.

Anstatt sie mit Erfahrung, Kniffen und Kenntnissen auszustaffieren, verübt man Anschläge übelster Art auf ihre Kauleistung und selbst Eltern erweisen sich als Dienstleister in Sachen Bären. Kolonnen von Karies gewährt man Grünes Licht. Die Nascherei beschert einerseits Schmerzen und bedeutet andererseits Freude, weil Umsatz für den Zahnarzt als Resultat bleibt. Addiert man nun noch die lädierte Wirbelsäule, aufgrund der miserablen Fehleinschätzung des Nettogewichts der Tüte hinzu, sehen sich die Schulschwänzer in spe schon im Gipsbett der orthopädischen Klinik liegen. So schnell wird dann aus einer Schulanfängertüte eine Kotztüte.

Don’t bogart that joint, my friend

Kaum drei Pausen später stehen diese zu Terroristen gewordenen Vollblut-Anarchos stundenlang in den dunklen und nach Urin stinkenden Ecken herum und lassen sie kreisen, die Tüte. Und wieder sind sie da, die nicht enden wollenden Horizonte, die knallbunten Farben und das Ticket zur Yellow Submarine. Jeder tiefe Zug haut selbst den feisteten Inhalator aus den Stiefeln. Bitterböse Bässe meißeln die Power-Rhythmen der Songs heraus, zu denen zwischen jedem Kiff eingestimmt wird. Dieses Leben darf nie enden und ein anderes gibt es nicht.

Hitverdächtig ist auch die Logistik, die dem Joint den nötigen Inhalt beschert und ihn erst dadurch von einer schnöden Zigarette unterscheidet. Rein muss er sein, der Stoff, als hätte man das Reinheitsgebot der Bierbrauer neu erschaffen. Und dröhnen muss er, der Stoff. Wenn sich die Schädeldecke leicht wölbt und eine neue Hutgröße erreicht wird, ist der Genuss von maximaler Leistung umhüllt. Schön wäre es schon, doch vergeblich wird ein Nachsitzen erwartet.

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