Kindermund tut seltsam kundWer folgend an Scheuer- oder sonstige Putzmittel denkt, begab sich noch nicht anhaltend in die Nähe von Kindern, oder kommunizierte mit ihnen. Irgendwann wollen oder sollen diese nämlich ata oder atta oder ada oder auch adda gehen. Ja, Kinder sind in manchen Dingen recht eigen. Von alleine kommen Kinder kaum auf derlei Sprach-Sülze, sie müssen es von Erwachsenen aufgeschnappt haben.

Oftmals richten sogar Erwachsene direkt derlei Sprach-Mosaik an den Nachwuchs und ermuntern ihn mit den Worten „Komm, wir gehen jetzt ata ata!“ Das Kind weiß umgehend, es geht jetzt outdoor, also ins Freie. Mit Hunden geht man auch dahin, wobei zwar der Weg derselbe ist, weniger allerdings die Aufforderung, die dann nämlich „gassi“ lautet. Mit einem Kind geht man demnach „ata“ und eine vollgeschossene Windel während des „ata-gehens“, lässt die Unternehmung nicht zum „gassi“ werden, dennoch der Zweck und das Ergebnis deckungsgleich erscheinen.

Das Wort „Gassi“ stammt bestimmt von einer kleinen oder engen Gasse, welche zu früheren Zeiten gnadenlos mit Hundekot bombardiert wurde und die Niedlichkeitsform mit dem „i“ hintendran versteht ein Hund wahrscheinlich eher.

Aber was bedeutet „ata gehen“?

Was auch von fragwürdigem Charakter ist: Warum reden Erwachsene überhaupt einen solchen Stuss daher? Ebenso könnte man mit dem Milchzahn indisch reden, verstehen tut er es eh nicht. Also wäre es doch von Sinn, Pampers-Rocker per se zweisprachig aufwachsen zu lassen. Aber doch bitte nicht mit einer Sprache, die etymologisch betrachtet gar keine ist. Ein Kind bekommt doch einen Schock, der bis ins hohe Rentenalter reicht, wenn sich so eine Kauderwelsch redende Fratze in den Kinderwagen beugt und auf die Strampeldecke sabbert, weil die Zähne nicht das halten, was der Tubenaufdruck versprach.

Kinder lernen schnell, dass „ata gehen“ auch fahrenderweise, nämlich mit dem Kinderwagen unterwegs zu sein, bedeuten kann. Hier wird der Grundstein für Zweideutigkeiten, Lügen und andere Münchhausengeschichten gelegt, die selbst später noch nicht einmal von Frau Salesch aufgedeckt werden.

Da-da, Du-du und ga-ga…

Kinder kopieren ihr soziales Umfeld und dazu gehört auch die Sprache. Frühe Eigenkreationen entstehen und können sich, wenn sie keine Korrektur erfahren, als fester Bestandteil einlagern. Verstehen will auch hier gelernt sein, denn anstatt „Cola“ zu sagen, übt der Sprachneuling zunächst das Wort „Tola“ und geht auch zum Tartoffel holen in den Teller. Viele Eltern finden derlei Sprachgebilde zuerst einmal lustig und erkennen kaum die „K-Schwäche“.

Natürlich muss nicht aus jedem Kind ein Nachrichtensprecher werden, aber über sinnfreie Stolpersteine muss auch niemand klettern. Würde „ata“ etwas bedeuten, dann könnte ein anderes Kind mit diesem Palindrom etwas Sinnvolles anfangen, im Sinne von Verständigung. Aber für ein anderes Kind bedeutet es ebenso wenig und ist daher kein kommunikativer Ausdruck. Eine Parallele lässt sich bei Kommunikationsversuchen mit anderssprachigen Personen erkennen, wenn denen auch eine eher absonderliche Ausdrucksweise zuteil wird.

Die Verstümmelung einzelner Worte und eine außerirdisch anmutende Satzbauweise, sind dabei das geringste Übel. Die Körperhaltung und insbesondere die Position der Beine des Stammelnden, gehen als Härtetest für Lachmuskeln auf die Teststrecke. In der irrigen Annahme jemandem damit einen Gefallen zu tun, evtl. sogar selbst besser verstanden zu werden, spricht man mit Kindern ebenso. Leider weiß es das Kind nicht.

Zum Erstaunen des KiTa-Platz-Anwärters wird irgendwann später, das mit viel Liebe und Frohsinn anerzogene Gelalle demontiert und durch die „normale“ Sprache ersetzt. Besonders frisch wirken dann solche Redensarten der Erwachsenen wie z. B. „so reden doch nur Babys und du bist doch jetzt schon ein großer/großes Junge/Mädchen…“ So befreit man sich also von der Schlinge am Hals, die noch vor kurzem als Fallstrick für den Nachwuchs diente.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Hinterlasse einen Kommentar

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen. Anmelden »



„Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.“
Mark Twain (1835-1910), eigentl. Samuel Langhorne Clemens, amerik. Schriftsteller