Produktnamen sind hinweisgebendNiemand würde einer schmerzstillenden Medikation den Untertitel „aus Freude am Symptomschwund“ oder „Lindern heißt Helfen“ geben. Medizin muss irgendwie schon bei der Einnahme widerborstig sein, dann prägt sie sich gut ein und der Hersteller ist zufrieden. Auch bekommen Medikamente stets Namen, die sich – wenn sie Alkohol enthalten – nach der Einnahme nicht mehr fehlerfrei aussprechen lassen. Hier macht sich Vorrat wirklich bezahlt.

Oftmals hat man das Gefühl, dass die Wirkstoffe, welche sich der Reihe nach im Beipackzettel wiederfinden, als Abkürzung für den Medikamentennamen eignen und man automatisch zu einem Sherlock Holmes wird, um das Rätsel zu knacken. Anders ist es bei Kaugummi. Einen derart komplizierten Namen drückt man diesen Klebrigen nicht auf, denn die zu erreichende Kundschaft ist kaum der Sprache, geschweige komplizierter Bezeichnungen, mächtig. Nicht selten sind daher die Verpackungen einladend bunt gestaltet und besitzen schon darum eine maximale Wiedererkennung. Der milchzahnige Endverbraucher erspäht sein Ziel, zumal es nicht unabsichtlich in seiner Augenhöhe platziert wurde, greift zu und lässt gesichtstechnisch Freude entstehen.

Theoretisch würden diese Produkte gar keinen Namen benötigen, denn einem Dreikäsehoch ist es völlig egal, ob er die Sorte X oder Y später unter einen Sitz klebt, auf die Straße spuckt oder sonstige Freude damit bereitet. Man muss sie bestellen und irgendwo listen können, deshalb besitzen sie scheinbar Namen. Auch Maschinen für den Heimwerker, den Hobbybastler, die Kellerkinder unter den Familienvätern eben, müssen schon vor der Bewerkstelligung einer Aufgabe so klingen, als sei der Rest der Reihenhausrenovierung ein Kinderspiel. Auf jeden Fall müssen sie sich kernig und männlich anhören, womit sie den Wodka- und Whiskeybezeichnungen früherer Jahre ihren Rang ablaufen könnten.

Puschkin wäre auch ein toller Name für ein Sägeblatt oder ein Bohrfutter.

Autos tragen gerne den Namen des Erfinders, des ersten Erbauers, oder den, eines Ingenieurs mit der Dynamik einer Raubkatze und des Tuckern eines Bulldozers. Bis diese PS-protzenden Karossen in Lack und Leder vor ihren künftigen Besitzern stehen, winden sich eine Menge Stirnfalten um den künftigen Namen. Hier sind die Ergebnisse nicht immer zufriedenstellend, denn solch ein Name muss in jeder Sprache ein und dieselbe Bedeutung haben. Allein daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Benzinschlucker in anderen Ländern andere Namen haben. Manche Hersteller gehen diesem Eiertanz komplett aus dem Weg und benennen ihre Abgasproduzenten nach Zahlen.

Dinge so zu benennen, dass der Name für das Produkt hinweisgebend oder zumindest das damit zu erzielende Ergebnis angedeutet werden könnte, was sich besonders im Softwarebereich als echte Hilfe erweisen würde, ist offensichtlich aussichtslos. Bei einigen einzelnen Artikeln ist es der Fall. Da heißt ein Rad mit drei Rädern Dreirad, ein Rad mit nur einem Rad Einrad und wenn das Rad des Einrads fehlt, nennt man es Melkschemel. Niemand vermutet dahinter einen Schokoriegel oder Wäscheklammern mit Feuchtsensoren, die nachts leuchten. Auf Büchern steht außen drauf um was es innen geht, es sei denn, es ist ein Kochbuch. Die Verwirrung beginnt schon bei Strohhalmen aus Plastik.

Eine Hose ist kein Hemd und eine Jacke ist kein Hut. Auch Berufe lassen sich bestens trennen, entstanden diese plus deren typische Namen schon vor etlichen Epochen. Ein Schlosser ist kein Maler und ein Jäger ist kein Sammler. Strukturtapete ist nicht die Bezeichnung eines pubertierenden Teenagergesichts und Monokel ist kein Schimpfwort für eine zerbrochene Brille.

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„Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.“
Mark Twain (1835-1910), eigentl. Samuel Langhorne Clemens, amerik. Schriftsteller