Und nahm das Geheimnis mit ins GrabEine SIE oder ein ER starb, gehörte nicht zur Sorte der Plauderhaften und ehe sich die Erbengemeinde komplett einfand, verließen die Person sämtliche Lebensaktivitäten. Das allein war schon schlimm, doch wurde noch von einer anderen Tatsache übertrumpft. Der Tatsache nämlich, dass die Person etwas mitnahm, was vielleicht epochalen Charakters war oder werden würde: ein Geheimnis.

Somit ging die Person den Weg des ewigen Friedens und die Trauergemeinde zum Leichenschmaus. Besagtes Geheimnis blieb weiterhin eines und die Erben konnten lediglich rätseln. Womit hat sich der just Verstorbene befasst, was war sein „Ding“ und womit verdiente er /sie womöglich die Brötchen. Mutmaßungen und Spekulationen entstanden zuhauf. Eines war jedoch sicher: Ein Geheimnis wurde mit ins Grab genommen.

Hier geht es nicht um Pizza-Rezepte, die nur von Mund zu Ohr wandern, jedoch nirgendwo dokumentiert wurden. Auch geht es selten um mathematische Formeln, die das Vorausberechnen der Lottozahlen ermöglichten. Um welche Art Geheimnis es sich handeln könnte, wissen jeweils nur jene, die sie während ihrer Lebzeit nicht ausplauderten, mitteilten oder dokumentierten. Das hat oftmals fatale Folgen.

Wenn es Wissenschaftler ein Leben lang beschäftigt, uralte Schriften zu deuten und somit lesen zu können, da es seinerzeit nicht erforderlich schien, eine Schrift (schriftlich) zu dokumentieren, weiß man um die Bedeutung eines Testaments. Optische, wie auch akustische Mittel zur Datenübertragung, wurden erst erheblich später entwickelt. Eine Nachricht bei SMS, oder per Video-Botschaft zu übersenden, war jahrtausendelang nicht zugegen.

Und so nahmen irgendwelche Personen irgendwelche Geheimnisse mit in den Tod. Auch ist bis zum heutigen Tage völlig unbekannt, wie Latein gesprochen wird bzw. wurde, da weder Ton- noch sonstige Dokumente vorhanden sind, die dieses Unterfangen dokumentieren. Die Interpretation von künstlerischen Werken ist nicht selten die, die irgendjemand irgendwann einmal in Umlauf brachte.

Es ist jedoch selten jene, welche der Künstler selbst zur Interpretation gebracht hätte. Ob es sich dabei um Skulpturen, Gemälde, Songs (z.B.: „A Whiter Shade of Pale“), Opern, Gedichte, Romane oder Schauspiele handelt, ist völlig ohne Belang.

Vieles ist also nur Halbwissen und Hörensagen? Es klingt ernüchternd wie traurig, aber es ist wahr. Von Generation zu Generation werden Lehren weitervermittelt, die auf einer nicht mehr gültigen Forschung oder einer Spekulation beruhen und es scheint fast immer unmöglich zu sein, die tatsächlichen Begebenheiten oder Umstände auszutauschen.

Dass unser Sonnensystem aus 8 und nicht wie bis 2006 angenommen aus 9 Planeten besteht, ist nicht permanent gegenwärtig. Auch scheint es als Redewendung weiterhin zu existieren, dass man „etwas über den Äther schickt“, wenn man eine Nachricht per Radio publiziert. Mittlerweile ist wissenschaftlich erforscht worden, dass sich kein Äther, wie früher fälschlicherweise angenommen wurde und somit die Entstehung der Redensart ermöglichte, als Bestandteil in der Atmosphäre befindet.

Vieles ist auf die mutwillige Verbreitung von Unwahrheiten oder auf simple Übersetzungsfehler zurückzuführen. Aber was ist mit den Geheimnissen, die nie falsch übersetzt werden konnten, weil sie nie existierten, außer in den Gehirnwindungen der Person, die sie erdachte?

Könnte man Plato nach Atlantis fragen? Zu seiner Lebzeit schon, aber jetzt nicht mehr. Befanden sich tatsächlich zwei Exemplare jeder Art auf der Arche? Waren die Arten gemeint oder die Gattungen oder die Sorten? Kann man Noah fragen? Zu seiner Lebzeit schon, aber jetzt nicht mehr. Der Gordische Knoten, das Ei des Kolumbus und das Schwert des Damokles. Haben diese Dinge tatsächlich existiert?

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„Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.“
Mark Twain (1835-1910), eigentl. Samuel Langhorne Clemens, amerik. Schriftsteller