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Himbeerbonbons und MuschelnEs kommt mir vor, als ob es schon ewige Zeiten her ist, als man noch für 2 Pfennig, eines dieser dicken Himbeerbonbons kaufen konnte, an deren Genuss der Zahnarzt noch heute verdient. Rosarot waren sie und grinsten ein wenig eingepudert aus diesen typischen Bonbon-Gläsern. Bei den Flohmärkten stehen sie heute auf den Tischen, wobei ich der Meinung bin, dass es sich um billige Imitate handelt. Auch im Internet findet man sie wieder. Auf Webseiten bietet man sie zur Versteigerung an.

Früher bei den Originalen, ließ sich sogar ein Deckel aufschrauben. Viele solche Gläser standen auf der Theke im Laden. Lakritzschnecken und Nappos, glasierte Stäbchen und mit Schokolade überzogene Geleefrüchte, Salinos und Samlmiakpasillen lockten. Man wusste, dass es nicht gut ist für die Zähne, aber allein der Geschmack und die Vorstellung daran überwiegten.

Manchmal frage ich mich, wann das alles verschwand und was man stattdessen hinstellte.

Mit einer kleinen Schaufel oder mit einer Zange griff der Ladenbesitzer danach und füllte die kleinen dreieckigen Papiertütchen. Mit 50 Pfennig in der Hand stand einem die Welt offen – jedenfalls im Bonbon-Laden. Auch die Luft in diesen Geschäften war ganz anders, man hätte reinbeißen können. Bei manchen Kiosken stehen diese typischen Gläser noch immer. Die Preise haben sich wahrscheinlich geändert, die Ware vielleicht auch.

Spannend war es jedenfalls, wenn man im Kopf mitrechnete, was man sich noch leisten konnte. Mit dem Finger zeigte man drauf und bestellte dann „davon noch drei und davon noch zwei“ und dann rechnete man wieder. Niemand drängelte und ein freundliches Gesicht schaute zwischen den Gläsern hervor. Niemals stellte sich die Frage, ob man von diesen eher kläglichen Beträgen eigentlich existieren kann. Niemand den ich kannte, stellte sich diese Frage. Wer so freundlich dreinschaut, dem muss es gut gehen.

Auch war der Genuss, der Geschmack und das Aroma wichtig. Zutaten und Inhaltsstoffe waren nicht von Interesse. Transport und Haltbarkeit, Lagerung oder sonstige Prozeduren waren jedem, den ich kannte, völlig egal. Diese Begriffe und deren Bedeutung hatten damals keinen Stellenwert. Ob meine heißgeliebten Himbeerbonbons mit Farbstoff versetzt waren, stand bestimmt auf irgendeinem Schild, aber als Kind hat man keine Zeit, diese Hinweise zu lesen.

Hygiene spielte vielleicht schon damals eine entscheidende Rolle, denn der freundliche Mann im Bonbon-Laden trug stets einen schneeweißen Kittel. Im Winter war der Laden kaum beheizt und er trug eine dicke Strickjacke und einen Schal unter dem Kittel. Wenn es kalt war, schienen die Himbeerbonbons noch härter zu sein als sonst. Einmal verschluckte ich eines aus Versehen. Erstickt bin ich nicht daran, aber ich hatte das Gefühl, dass mir das Bonbon den ganzen Hals aufschlitzte, so rau war es und so weh tat es.

Muscheln gab es. Aus Plastik waren sie später. Aber sie waren gefüllt und man leckte mit der Zunge daran, bis nur noch die Muschel übrig war. Bis zum heutigen Tage weiß ich nicht, was sich darinnen befand. Eine besonders verlockende und schmackhafte Mischung jedenfalls und es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Füllung im Magen befand. „Und für den Rest des Geldes nehme ich dann noch Esspapier…“

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